„Wir halten an Zielen fest“

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Die Sonne strahlt über dem Atomkraftwerk Isar bei Landshut. Die Kritik am Atomkompromiss der Bundesregierung hält an.

Offenbach - Nach monatelangen Verhandlungen hat sich die Bundesregierung auf ein Energiekonzept bis zum Jahr 2050 geeinigt. Kanzlerin Angela Merkel preist es als „Revolution“.

Darin werden vor allem die längeren Atomlaufzeiten geregelt. Der Atomkompromiss der schwarz-gelben Koalition hat bei Wettbewerbshütern und Stadtwerken in Deutschland für Enttäuschung und heftige Kritik gesorgt. Unser Redaktionsmitglied Achim Lederle sprach mit Michael Homann, dem Vorstandsvorsitzenden des Offenbacher Energieversorgers EVO, über die Konsequenzen.

Am Atomkompromiss wurde kritisiert, dass er vor allem den vier großen Versorgern RWE, Eon, EnBW und Vattenfall zugute kommt und die kleinen Anbieter benachteiligt werden. Wie sieht dies die EVO?

Wettbewerb auf dem Energiemarkt braucht echte Wettbewerber. Genau das erschwert der Beschluss der Bundesregierung erheblich. Die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke behindert den Ausbau der erneuerbaren Energien und festigt die marktbeherrschende Stellung der vier großen Energiekonzerne. Das ist schlecht für den Verbraucher, für die Stadtwerke und alle Versorger, auch wenn sie auf Atomkraft setzen. Eine Laufzeitverlängerung allein ist jedenfalls kein schlüssiges Konzept für die Zukunft der Energieversorgung.

Wurden von Seiten der EVO auch viele Investitionen in erneuerbare Energien getätigt, die nun unrentabel zu werden drohen?

Michael Homann

Mit dem Atomkompromiss erschwert der Bundesregierung viele sinnvolle Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Viele Stadtwerke weisen zu Recht darauf hin, dass sie im Vertrauen auf den beschlossenen Ausstieg aus der Atomkraft erhebliche Ausgaben getätigt haben, die nun nachträglich zweifelhaft erscheinen und deren Marktchancen neu bestimmt werden müssen. Wir von der EVO sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Zukunft der dezentral erzeugten Energie gehört. Daher halten wir an unserem Konzept „Energie aus der Region für die Region“ fest. Bereits in fünf Jahren wollen wir den Anteil regenerativer Energien an unserer eigenen Stromerzeugung von derzeit zehn auf 40 Prozent steigern.

Angela Merkel spricht von einer „Revolution in der Energieversorgung“. Wie lautet Ihr Kommentar dazu?

Eine Revolution können wir nicht erkennen - wir sehen hier eher einen „faulen Kompromiss“. Wichtig wird sein, dass nun eine Zementierung der marktbeherrschenden Stellung der „Großen Vier“ auch bei den erneuerbaren Energien verhindert wird. Die Laufzeitverlängerung darf Innovationen nicht verhindern oder die umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung verdrängen. Hier dürfen entsprechende Marktmechanismen nicht außer Kraft gesetzt werden.

Könnten die Laufzeitverlängerungen, wie von der Bundesregierung verkündet, tatsächlich die Strompreise senken?

Nein, der Atomkompromiss wird nicht zu sinkenden Energiepreisen führen. Die Zeche werden Privatkunden und Unternehmen zahlen. Nur echter Wettbewerb in der Erzeugung von Energie bringt uns voran.

Könnten Laufzeitverlängerungen, wie ebenfalls unterstrichen wurde, zu einem Boom der erneuerbaren Energien führen?

Nein, das halten wir für sehr unwahrscheinlich. Vielmehr ist es so, dass die Entscheidung der Bundesregierung zukünftigen Investitionen die Grundlage entzieht. Wir dürfen nicht vergessen, dass nun bis zum Jahr 2030 ausreichende Erzeugungskapazitäten existieren. Damit sind Investitionen zumindest zum Teil unnötig geworden.

Wie reagiert die EVO nun konkret auf die Beschlüsse?

Wir halten an unseren Zielen fest. Unsere Arbeit wird durch den längeren AKW-Laufzeiten sicherlich nicht einfacher. Aber prinzipiell - davon sind wir fest überzeugt - führt kein Weg an erneuerbaren Energien vorbei.

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