Schulleiter sehen Internet-Noten mit gemischten Gefühlen

„Wir müssen uns den Bewertungen stellen“

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Das Lehrerbewertungsportal spickmich.de ist derzeit Gegenstand vieler Diskussionen.

Offenbach - Gibt der Lehrer faire Noten? Ist er fachlich kompetent, cool und witzig, beliebt und sein Unterricht gut vorbereitet? In zehn Kategorien bewerten Schüler ihre Lehrer anonym im Internetportal „spickmich.de“ mit Noten von 1 bis 6. Von Simone Weil

Der Bundesgerichtshof wies jetzt die Klage einer Lehrerin ab, die in der Beurteilung nicht gut weggekommen war.

Lehrerbefragung

Was halten Offenbacher Schulleiter davon, dass ihnen oder ihren Kollegen solch ein Internet-Zeugnis ausgestellt werden kann?

Christiane Rogler, Leiterin des Rudolf-Koch-Gymnasiums, hält das Ganze für ein zweischneidiges Schwert: Einerseits müsse es Meinungsfreiheit geben. Andererseits sei es aber die Frage, wie man mit solchen anonymen Äußerungen umzugehen habe. Sie fürchtet, dass die Bewertungen meist im Affekt zustande kommen, wenn die Schüler Wut haben. „Sinnvoll wäre es, angesichts der aktuellen Entscheidung einen Dialog anzuregen“, meint sie.

Der ehemalige Lehrer Dr. Wolfgang Christian, der auch viele Jahre lang Verbindungslehrer war, findet die Internet-Noten für Pädagogen halb so schlimm: „Wir benoten Schüler immer. Wenn das jetzt umgekehrt der Fall ist, hat das ja etwas von Demokratisierung. Vielleicht kann man noch mal über die Kriterien nachdenken und diese transparenter machen.

Bruno Persichilli, Leiter der Ernst-Reuter-Schule, begrüßt die Bewertungsmöglichkeit durch die Schüler: Beurteilungen müssten sich heute doch fast alle Berufsgruppen stellen. Bei Lehrern sei das bislang „leider viel zu wenig kultiviert“, die Möglichkeit ein Feedback zu geben als Korrektiv noch viel zu wenig entwickelt. „Das müsste viel selbstverständlicher sein“, meint der Schulleiter.

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BGH prüft Lehrerklage gegen spickmich.de

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Kommentar: „Verantwortung übernehmen“

Völlig anders sieht das Eckhart Hengel von der Mathildenschule: „Ich persönlich finde das gar nicht gut“, sagt der Schulleiter. „Wir stellen die Noten der Schüler ja auch nicht ins Internet.“ Wenn es Probleme mit einem Lehrer gebe, sei das sicher nicht der richtige Weg, um zur Konfliktbewältigung beizutragen. In der Öffentlichkeit habe das nichts zu suchen. „Ich verstehe das Urteil zwar, glaube aber, dass so Vorurteile über Lehrer auch bei nachfolgenden Klassen entstehen. Allerdings finde ich auch, dass Lehrer Schüler nicht vor anderen blamieren dürfen.

Peter Schulz, kommissarischer Leiter der Bachschule, ist offen für Anregungen von Lehrern und Schülern. Kritik sollte aber immer offen und fair sein, was anonym schwierig sei. Ob allerdings eine Gesamtnote letztlich sinnvoll ist, stellt der Pädagoge in Frage.

Klaus-Dieter Zebisch, Leiter der Gewerblich-technischen Schule, hat im Grundsatz „überhaupt kein Problem“ mit der Beurteilung durch die Schüler. „Wir werden dem auch nicht entfliehen können.“ Immerhin sei das doch auch eine Chance, besser zu werden. „Wenn ich eine schlechte Beurteilung habe, muss ich reagieren. Wenn ein Schüler in meinem Unterricht nichts versteht, heißt das nicht, dass ich ein schlechter Lehrer sein muss, aber ich kann auf ihn eingehen, wenn ich das Problem kenne.

Ulrich Schmidt, Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, findet es ärgerlich, wenn Kollegen, die gute Arbeit machen, ungerecht bewertet werden. Für problematisch hält er es, dass die Nutzer anonym bleiben. „Man kann nichts mehr klären, da schnurrt ein Vorgang zu einer Note zusammen.“ Er appelliert an die Nutzer, sich auch auf den Homepages der Schulen umzuschauen und mit Hilfe namentlich gekennzeichneter Texte schlau zu machen.

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