„Wir sind eher entspannt“

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Im Ledermuseum: Bürgermeisterin Birgit Simon beim Grünen-Neujahrsempfang.

Offenbach ‐ Knapp 400 Tage bis zur nächsten Kommunalwahl - da darf ein Politiker schon auf die Pauke hauen. Muss aber nicht. Offenbachs Grüne hielten es bei ihrem Neujahrsempfang, dem letzten dieser Saison, eher mit pazifistischen Traditionen. Von Marcus Reinsch

Im Ledermuseum sandten die Protagonisten der Partei am Freitagabend Signale aus, die Gäste aus den anderen politischen Lagern höchstens durch ausgeprägte Selbstsicherheit verunsichern konnten. Grünen-Fraktionschef Peter Schneider zum Beispiel: „Bei uns hält sich die Nervosität ziemlich in Grenzen. Wir sind eher entspannt.“ Das wird beim nächsten Neujahrsempfang, wenn heutige Koalitions-Kumpel zu Konkurrenten geworden sind und der Kampf um die Prozente zu Abgrenzung zwingt, möglicherweise anders sein. Aber erstmal sind die Grünen ganz zufrieden mit sich und auch mit Erfolgen der Offenbacher Ampelkoalition.

Letzterer fügten sowohl Peter Schneider wie auch Bürgermeisterin Birgit Simon ein „plus“ hinzu, um neben SPD und FDP augenzwinkernd auch Oberbürgermeister Horst Schneider ins Boot zu holen. Dem bläst bekanntlich auch immer mal Gegenwind aus eigenen Reihen oder von Verbündeten ins Gesicht.

Kommunale Probleme aus Landes-Perspektive

Vertiefen wollten die Konflikte weder Schneider noch Simon. Stattdessen formulierte der Fraktionsvorsitzende schon eingeleitete Erfolge wie die Hafenbebauung, den Wilhelmsplatz („War ein hartes Stück Arbeit für uns.“) und das neue Kickers-Stadion („Der veröffentliche Name des Stadions ist unsäglich. Bieberer Berg müsste schon drin vorkommen!“). Und er benannte zwei dicke Brocken, die nun schnell gestemmt gehörten: die Überwindung des Streits um die Stadtkonzern-Führung und den anstehenden Verhandlungspoker um die Energieversorgung Offenbach und deren Ausrichtung.

Der Grünen-Landesvorsitzende Tarek Al-Wazir, auch Offenbacher, beleuchtete kommunale Probleme aus Landes-Perspektive.

Die Bürgermeisterin wiederum lieferte als Hauptrednerin nicht alleine ein beinahe glühendes Bekenntnis zur Kommunalpolitik ab und schmähte das Wachstumsbeschleunigungsgesetz als eines, „das nur das Wachstum der Schulden in unserem Haushalt beschleunigt.“ Sie streifte alle Themen, die auch auf ihrer Agenda als Umwelt- und Sozialdezernentin stehen: Die Integration. Die Bildungspolitik. Natürlich auch die Sozialpolitik und die verfassungsmäßige Legalisierung des Offenbacher Jobcenters „Mainarbeit“. Schließlich den Ruf nach mehr engagierten Frauen in der Kommunalpolitik, die mit der ihnen eigenen Sachlichkeit bis in die Spitzen drängen.

Von möglichen Ambitionen, selbst in die oberste Spitze der Stadtverwaltung, auf den Oberbürgermeisterposten, zu drängen - kein Wort von Simon. Auch dieser Wahlkampf kommt später, falls die politische Buschtrommel richtig liegt

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