„Wir sind die Leidtragenden“

Offenbach - Des einen Anwohners Entlastung ist des Nachbarn Belastung. Von Fabian El Cheikh

Oberbürgermeister Horst Schneider und seine kompetente Unterstützung in Person von Jan Schmidbauer (Straßenverkehrsamt) und Frank Weber (Ordnungsamt) dürften sich am Mittwochabend einmal mehr darin bestätigt fühlen, dass sie es nicht allen recht machen können.

Beim Termin mit dem Oberbürgermeister in der Friedensgemeinde machten die Anwohner des Westends ihrem alltäglichen Ärger Luft. Hauptaufreger ist keineswegs der Fluglärm, sondern die Belastung durch den rollenden und stehenden Verkehr auf zwei, vier und mehr Rädern.

„Wissen Sie, was im Berufsverkehr hier los ist?“, richtet sich eine Anwohnerin entrüstet an den OB. „Hier parken tagsüber Schüler, die Polizei, Angestellte der IHK und des Wetterdienstes. Da müssen Sie Anwohnerparken einrichten!“ Unmut regt sich im Plenum nicht nur wegen des Parkdrucks im neben Rumpenheim teuersten Viertel der Stadt, sondern auch ob des Durchgangsverkehrs.

Ermutigt durch Maßnahmen wie im Nordend an der Bettinastraße fordern viele der anwesenden Westendbewohner eine Beruhigung der Körnerstraße. „Seit die Tulpenhofstraße gegenläufig gemacht wurde, ist der gesamte Durchgangsverkehr auf die Körnerstraße verlagert worden“, kritisiert ein Herr die Verkehrsplaner. Diese hatten vor sechs Jahren mit der Einführung der gegenläufigen Einbahnregelung an der Tulpenhofstraße auf massiven Protest von Anwohnern reagiert. Damals konnte die Straße von der Bismarckstraße nordwärts bis zur Frankfurter befahren werden – eine beliebte Nord-Süd-Achse. Seitdem kommt man nur noch bis zur Geleitsstraße, muss dann nach links oder rechts ausweichen. Dasselbe gilt von Norden kommend bis zur Geleitsstraße.

Nun ärgern sich Anwohner der Körnerstraße, sie seien die Leidtragenden dieser Änderung. Ob man nicht die alte Regelung wieder einführen, die Tulpenhofstraße wieder durchgängig befahrbar machen könne? Oder sie gar in beide Richtungen öffnen? Also alles wieder zurück? Unwahrscheinlich. Doch Schneider versucht zu beruhigen: „Wir prüfen, ob auch die Körnerstraße zur Einbahnstraße gemacht werden kann.“ In welche Richtung, das müsse eine fachliche Prüfung klären. Versprechen könne er freilich nichts.

Generell ist der OB „kein Fan von Einbahnstraßen, weil die immer zu Umwegen führen“. Er spricht sich für Tempo-30-Zonen aus. „Die sind immer mein Favorit.“ Ob man angesichts der Raser nicht häufiger kontrollieren könne, wird gefragt. „Auch an der Geleitsstraße wird nachts geheizt wie irre, kennen die Leute kein Rechts vor Links“, wird kritisiert. Frank Weber vom Ordnungsamt versichert: „Wir sind unterwegs. Schwerpunkt sind aber ganz klar Parkstraße und Ludwigstraße, weil dort die 30er-Zone von besonders vielen ignoriert wird.“

Die Diskussion dreht sich schnell im Kreis. Und Schneider, der ähnliche Debatten auch aus anderen Stadtvierteln nur allzu gut kennt, erinnert daran: „Wir können den dichten Besatz von Autos nicht wegdiskutieren. Ganz Offenbach passt auf die Vordersitze der hier zugelassenen Pkw.“ Es handle sich bei Verkehrsplanung immer um einen „Abwägungsprozess“, um die vorhandene Belastung gerecht zu verteilen.

„Nutzungskonflikte“ tun sich auch auf, als sich der Velofahrer über fehlende Radwege mokiert, der Fußgänger über parkende Lieferwagen und der Ästhet über schmuddelige Auslagen des Gemüsehändlers und zu früh zur Abholung bereit gestellte, überquellende Mülltonnen. Gewünscht wird eine generelle Öffnung der Einbahnstraßen für Radler. Und dann gibt es doch noch Lob: „Es ist sauberer geworden.“

Kommentare