„Wir werden totgespart“

+
Sie wollen sich nicht mehr „ausbeuten“ lassen: Rund eintausend Mitarbeiter und Angestellte des Druckmaschinenherstellers „manroland“ demonstrierten gestern in der Waldstraße gegen die jüngsten Umstrukturierungspläne des Unternehmens und den erneuten Abbau von mehreren hundert Arbeitsplätzen.

Offenbach ‐ „Wir sind nicht ,manroland‘, aber ohne uns ist ,manroland‘ nichts!“ Der Schriftzug auf dem roten Banner verleiht den Protestlern in der Waldstraße eine Stimme. Jene Stimme, für die manch einem Beschäftigten des krisengeschüttelten Druckmaschinenherstellers inzwischen die Kraft fehlt. Von Fabian El Cheikh

„Viele von uns halten die Situation nervlich nicht mehr durch“, sagt eine Angestellte, die seit über 23 Jahren bei „manroland“ arbeitet. „Wir sind wütend, hoffnungslos und frustriert. Das ist schon ein gewisser Psychoterror.“

Mehr Eindrücke von der Demo:

Proteste gegen Entlassungen bei Manroland

Es ist nicht das erste Mal, dass die 49-Jährige und mit ihr an die tausend Kolleginnen und Kollegen gegen das Management ihres Arbeitgebers auf der Straße protestieren. Gegen immer neue Lohnkürzungen, schlechtere Arbeitsbedingungen - und gegen massenhafte Entlassungen. „Seit über zehn Jahren herrscht keine Ruhe mehr im Haus“, beklagt einer der Demonstranten auf dem Weg zur Stadthalle, in der wenig später Bogenvorstand Markus Rall die neuesten umstrittenen Pläne zur Umstrukturierung des Unternehmens verteidigen will.

Lesen Sie zu diesem Thema außerdem den Kommentar von Chefredakteur Frank Pröse:

Die Lage ist verzwickt

Rall wird sich in der Betriebsversammlung einer ziemlich wütenden Belegschaft stellen müssen. „Die Stimmung kocht. Wir werden ausgebeutet durch den Betrieb und müssen für die Fehler des Managements bezahlen“, entrüstet sich ein Industriemechaniker, der in der Fertigung arbeitet - einem Bereich, der unter der Maxime „Zusammenwachsen“ teilweise an den Standort Plauen verlagert werden soll. Seit zwei Jahren gebe es mit Unterbrechungen Kurzarbeit, stehe die Produktion immer wieder unvorhergesehen still, weil Zulieferteile nicht fristgerecht einträfen. „Jetzt sollen wir sogar aufs Urlaubs- und auf große Teile des Weihnachtsgeldes verzichten.“

341 Arbeitsplätze sollen wegfallen

Mehr noch zu schaffen macht den „Roländern“ der erneut drohende Jobverlust. Allein 341 Offenbacher sollen nach den Plänen des Vorstandes gehen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Augsburg will so nach der Wirtschaftskrise in einem schrumpfenden Marktsegment überlebensfähig bleiben.

Die 341 Arbeitsplätze sollen vor allem im administrativen Bereich am Main gestrichen werden. „Dabei haben wir erst einen krassen Personalabbau hinter uns“, erinnert IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Peter Wich an die Entlassungswellen der vergangenen Jahre. Für völligen Unsinn hält die Pläne die Betriebsratsvorsitzende Alexandra Roßel: „Augsburg hat große Auftragsprobleme, Offenbach hat sich dagegen konsolidiert. Wir bräuchten hier eher mehr Mitarbeiter als weniger.“

Kommentare