Interview: Peter Bauer vom Karree Offenbach

„Wir wollen in die Verlängerung“

Das Logo des Karrees

Offenbach - Seit drei Jahren läuft das Modell des Business Improvement Districts (BID) in Offenbach. Unser Redakteur Fabian El Cheikh hat sich mit Peter Bauer vom Karree-Management über Probleme, Erfolge und Ziele unterhalten.

Herr Bauer, was verbirgt sich hinter dem Begriff Karree Offenbach?

Das Karree ist der Offenbacher BID und umfasst den Kern der Innenstadt: von der Kaiserstraße bis zum Marktplatz, die Große Marktstraße, der Aliceplatz, die Herrnstraße bis zur Berliner Straße. In diesem Gebiet kümmern wir uns nicht nur um die Einzelhändler, für die ja auch der Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach da ist, sondern auch um die Interessen der Eigentümer, um Sauberkeit, um die Werterhaltung der Immobilien. Wir wollen die Innenstadt nachhaltig attraktiver machen.

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Mit welchen Mitteln wollen Sie das erreichen?

Bestes Beispiel ist das von uns herausgegebene und sehr stark nachgefragte Magazin „Best OF“, das wir auch im Landkreis verteilen, um Kunden zu zeigen, welche Angebote sie in Offenbach finden, wie die Öffnungszeiten sind und wo sie parken können. Daneben sind es unsere vielen kleinen Maßnahmen, die zur Verschönerung und Attraktivitätssteigerung beitragen wie die zwölf Pflanzkübel an den Eingängen zum Karree, die Fassadenbeleuchtungen oder das Entfernen von Graffiti. Wir organisieren dieselbe Farbe, klären haftungsrechtliche Fragen, holen die Arbeiter – all das ist früher nicht strategisch aus einer Hand geschehen.

Wovon genau aber profitieren die Eigentümer, die ja zur finanziellen Beteiligung am Karree verpflichtet werden?

Die Eigentümer haben in uns einen starken Vertreter, wir treten in ihrem Namen gegenüber der Stadt auf und versuchen mit ihr gemeinsam die Innenstadt zu gestalten und Offenbachs Image als Einkaufsstandort zu verbessern. Dahinter steckt der Gedanke: Wenn es den Einzelhändlern gut geht, dann auch den Eigentümern der Ladenflächen, die so langfristige Mieter mit Qualitätsangebot finden, die sich dann vielleicht auch höhere Mieten leisten können.

Dennoch scheint das Angebot immer schlechter zu werden. Sogar WMF verlässt nach 50 Jahren Offenbach...

Wir haben etablierte Fachgeschäfte seit vielen Jahren, die sind auch für die Zukunft gut gerüstet. Natürlich wollen wir, dass das Angebot für die Kunden nicht nur erhalten bleibt, sondern sich verbessert. Dass nun ausgerechnet WMF weggeht, bedauern wir sehr. Umgekehrt beobachten wir, dass lange leer stehende Geschäfte im KOMM wieder vermietet sind. Knackpunkt ist und bleibt die City-Passage an der Frankfurter Straße, ein sehr schwieriges Unterfangen, aber auch hier sind wir in die Entwicklung eingebunden und versuchen, dass es zeitnah zu einer Lösung kommt. Generell appellieren wir an die Eigentümer, darauf zu achten, wer ihr neuer Mieter wird und für wie lange.

Überhaupt, die Einkaufszentren... Ziel der BIDs ist es doch, diesen Konkurrenten etwas entgegen zu setzen. Wie bewerten Sie die Rolle von KOMM und Ringcenter für Offenbach?

Das Ringcenter ist durchaus ein Magnet, der Kaufkraft aus der Innenstadt abzieht. Das gilt aber auch für das Edeka/Obi-Center an der Mühlheimer Straße. Das Management des KOMM dagegen engagiert sich als Teil des Karrees sehr stark, es unterstützt unsere gemeinsamen Ziele und bringt sich aktiv ein.

Peter Bauer vom Karree Offenbach

Seit Jahren kümmern sich Karree und Treffpunkt Offenbach auch um die Weihnachtsbeleuchtung. Erbringen Sie damit nicht Leistungen, die eigentlich Aufgabe der Stadt sind?

Stadtbeleuchtung und Reinigung gehören sicherlich zur Grundversorgung, die eine Stadt gewährleisten muss. Als „Oben-drauf“ verstehen wir so etwas wie Fassaden- oder Weihnachtsbeleuchtung, letztere wird im Übrigen zu fast einem Drittel von der Stadt mitfinanziert. Natürlich gibt es Versuche, uns dass eine oder andere zusätzlich zu übertragen. Wir achten aber sehr darauf, dass das Geld der Eigentümer sinnvoll und nachhaltig investiert wird. Die Pläne zum Marktplatzumbau sehen zum Beispiel über die Straßenbeitragssatzung eine hohe Kostenbeteiligung der Anlieger vor. Auch hier ist eine Abwägung von Kosten und Nutzen im Sinne der Eigentümer wichtig.

Drei Jahre gibt es nun das Karree. Wie lautet Ihre Zwischenbilanz?

Die ersten zwei Jahren hatten wir zu kämpfen, es gab vorher auch Gegenstimmen, wir mussten überzeugen und aufklären. Noch ist der Zeitraum zu kurz, um sagen zu können, der Einkaufsstandort habe sich bereits zum Positiven gewandelt. Aber es gibt bereits schöne Erfolge, die dauerhaft und positiv das Bild unserer Innenstadt prägen. Wir sind akzeptierter Gesprächspartner in allen städtischen Bereichen und können so unsere Ziele verwirklichen. Deswegen werben wir für eine Fortsetzung der Förderung für weitere fünf Jahre, um die begonnene Zusammenarbeit nachhaltig zu verstetigen.

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