Durch die Metallrahmen zieht‘s gehörig

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Das erste Gebäude der Interimslösung fügten Firmen aus Containern bereits zusammen. Nach den Weihnachtsferien unterrichten Lehrer darin die Beethovenschüler.

Offenbach ‐  Das Thermostat im Musikraum steht auf Stufe zwei. Am Heizkörper verbrennt man sich beinahe die Finger. Trotzdem ist es nicht gerade wohlig warm in der Beethovenschule. Von Martin Kuhn

Das verwundert nicht: Durch die Metallrahmen der Fenster zieht’s gehörig. Vielleicht liegt es daran, dass eine eher frostige Atmosphäre herrscht. Nach mehr als zwei Stunden drängt sich der Eindruck auf, dass die Anwohner auf der einen Seite sowie Magistrat, Verwaltung und das Unternehmen Hochtief PPP Solutions GmbH auf der anderen Seite sich einfach nicht annähern.

Unbestritten und längst beschlossen: Die Grundschule im Musikantenviertel wird abgerissen und auf dem verkleinerten Areal neu gebaut. Das macht die Anlieger, die das großzügige und parkähnliche Gelände schätzen, nicht gerade glücklich. Die keinesfalls neue Ankündigung, dass 18 Bäume und 2000 Quadratmeter Sträucher entfernt werden, lässt einige der gut 40 Anwesenden geradezu aufstöhnen und murren: „Müssen das so viele sein?“ Kurze, wenn auch unbefriedigende Antwort: Ja.

Es hätte durchaus zum Kahlschlag kommen können. Erinnert wird an die energetischen Vorgaben: eine Schule in Passivhaus-Standard, eine Sporthalle in Niedrigenergie-Standard. Der Quader als Ideallösung wurde von den Architekten aufgegeben und in ein „H“ verformt, um möglichst viele Bäume zu erhalten. Das reicht einigen Anliegern nicht. Anstelle von gut 20 Lehrer-Parkplätzen sähen sie lieber mehr Grün auf dem Schulgelände. Dass die Pädagogen künftig auf den (Anlieger-)Straßen oder gar im Klinikparkhaus parken, darf eigentlich verneint werden. Allerdings nimmt die Verwaltung den Vorschlag mit, dass Abstellflächen  während Rückbau- und Bauphase auf dem Areal der benachbarten Paul-Gerhardt-Gemeinde angeboten werden. „Der Pfarrer wartet bereits auf den Anruf“, weiß ein Anwohner.

Erheblich weniger weiß Stadtkämmerer Michael Beseler (SPD) mit einer Rechnung anzufangen, die ihm an diesem Abend Herrmann Gaffga aufmacht. Er errechnet nach der kommunalen Grünschutzsatzung ein „erhebliches Gründefizit“ für das Wohnquartier. Beseler: „Wie aus 18 aber 60 Bäume werden, ist mir momentan nicht ganz klar.“ Irritiert reagieren die Fachleute auch auf die Aufforderung, am Neubau die ausgewiesenen 3000 m² Freifläche für die Kinder zu zeigen, aber die darauf stehenden Bäume herauszurechnen. Denn vom (zugegebenermaßen leicht zu reinigenden) reinen Asphalthof nehmen Pädagogen heute Abstand. Sie bevorzugen naturnahe Spielräume, um einem Bewegungsdefizit der Buben und Mädchen vorzubeugen.

Dazu zählt – nicht allein zum Leidwesen von Stadtrat Paul-Gerhard Weiß – die Beobachtung, dass immer mehr Eltern die Grundschüler mit dem Auto zur Schule fahren: „Das hat dramatisch zugenommen.“ Einer fordert rigoroses Durchgreifen: „Raser und Wildparker an den Zebrastreifen sind zu bestrafen.“ Viel Arbeit für Ordnungsdezernent Weiß, der auch für die Einhaltung von Tempo 30 in den ausgewiesenen Zonen weiter sensibilisieren möchte: „Da bedarf es aber noch des intensiven Einsatzes des Blitzgerätes.“

Oder mehr Fußstreifen, die zudem auf Schwertransporte achten: Rund um die Grundschule rumpeln ab März erheblich mehr Lastwagen – während des  Abbruchs am Tag bis zu 30 Lkw, beim Rohbau bis zu 80. Um Unfallrisiken zu minimieren, wird die Schubertstraße (Eingang zur Interimslösung) für Laster gesperrt. Zur Baustelle (Ein- und Ausfahrt Richard-Wagner-Straße) gelangen die Laster über eine Schleife – von der A 661 über Sprendlinger Landstraße, Starkenburgring, Waldstraße und Odenwaldring. Zudem werden engagierte Mütter aktiv. Zehn sind bereits zu Schülerlotsen ausgebildet. Ein Ortstermin mit der Verkehrswacht soll sichere Wege aufzeigen und richtiges Verhalten verankern.

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