Das wird verdammt teuer

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Die Hochwasser-Schutzwand in Rumpenheim muss „ertüchtigt“ werden. Sie ist nicht mehr standsicher und bis zu 70 Zentimeter zu niedrig. Eine besondere Herausforderung stellt die Stelle am „Schiffchen“ dar. Dort ist die Wand mit einem bunten Stil-Mix überbaut.

Rumpenheim - Der Main schert sich einen feuchten Dreck um Zuständigkeiten. Falls ihm wieder einmal sein Bett zu klein werden sollte, sucht sich der Fluss schon seinen Weg. Wohl dem, der hinter einem Deichabschnitt wohnt, der im Landesbesitz ist. Von Martin Kuhn

Die wurden bereits so erneuert, dass sie vor einem Mainhochwasser schützen, das rechnerisch in 200 Jahren nur einmal vorkommt. Nun möchte auch die Stadt ihre drei Abschnitte umbauen. Ein Grundsatzbeschluss, so Sigrid Pietzsch, Amt für Stadtplanung und Baumanagement, soll Mitte des Jahres gefasst werden. Planfeststellung: mindestens 14 Monate. Baubeginn: frühestens 2011. Priorität: völlig offen.

Hoffentlich ist die Kommune da nicht im Verzug: Vor zwei Jahren verabschiedete das Europäische Parlament eine Richtlinie über die Bewertung und das Management von Hochwasserrisiken, kurz: EU-HWRM-RL. Das Regierungspräsidium arbeitet daran für Rhein, Main, Neckar und weitere Flüsse. Eine vorläufige Risikobewertung für Mensch, Umwelt und Wirtschaft muss bis Dezember 2011 abgeschlossen sein. In einer zweiten Stufe sind Gefahren- und Risikokarten zu erstellen bis Dezember 2013. Es folgen Pläne für ein Hochwasser-Risikomanagement. Termin: Dezember 2015.

Von Eile ist in Offenbach keine Rede. Sigrid Pietzsch informierte die Stadtverordneten während der Gemarkungsrundfahrt jedenfalls an der problematischsten Stelle: am alten Ortskern Rumpenheims. Die eindringliche Botschaft ans Parlament: Die Standsicherheit des alten Damms ist nicht mehr gegeben. Das eigentliche Problem: Die Eigentumsverhältnisse sind recht unterschiedlich - teils städtisch, teils privat, teils sowohl städtisch als auch privat. Pietzsch: „Es ist zu überlegen, ob die Zuständigkeit ganz der Kommune übertragen wird.“

Das dürfte einigen Eigentümern recht sein, die sicher nicht die so genannte Ertüchtigung“ oder gar eine Erneuerung bezahlen könnten. Am „Schiffchen“, dem Restaurant an der Rumpenheimer Mainfähre, zeigte die Ingenieurin auf eine eher absurde Konstruktion: Die Deichmauer ist Teil des Gebäudes. Dort, wo bis zu 70 Zentimeter Mauer zur künftigen Deichhöhe fehlen, befinden sich die Fenster der Lokalität. „Wir diskutieren aktuell eine Sonderlösung mit mobilen Schutzelementen“, sagt Pietzsch, die einräumt: „Wir haben noch mit keinem Eigentümer gesprochen.“

Das Gespräch sollte möglichst bald gesucht werden. Denn auch an anderen Stellen, etwa zwischen Neugasse und Fischgasse, ist der Deich zu niedrig. Und die notwendige Erhöhung könnte den Anliegern mehr als nur ein Dorn im Auge sein. Generell plant die Stadt eine Vorgehensweise, die sich in Bürgel bewährt hat. Im benachbarten Stadtteil (Schöffenstraße) pressten die Firmen vor der bestehenden Steinmauer etwa 12 000 m² Spundwände ins Erdreich, die mit Sandstein verkleidet wurden. Das System will die Stadt in Rumpenheim aufgreifen.

Was das alles kostet, ist unklar. Und - wie bereits gesagt - die Dringlichkeit ist ebenfalls nicht festgelegt. Schließlich muss sich die Stadt auch um den Deich zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Chemiepark sowie ein kurzes Stück vor der Gemarkungsgrenze zu Mühlheim kümmern. Klar ist nur, was das Regierungspräsidium im Auftrag des Landes für die „hessischen fünf Kilometer“ Hochwasserschutz im Mainbogen ausgegeben hat - etwa 11,8 Millionen Euro. Darunter sind als projektspezifische Besonderheiten die Deichrückverlegung, zwei barrierefreie Deichübergänge, die Errichtung von mobilem Hochwasserschutz in Bürgel und der Neubau der Deichtore (-scharten) zu nennen. „Trotz der schwierigen Bedingungen sind wir mit den Kosten im vorgesehenen Rahmen geblieben“, bilanziert Vize-RP Matthias Graf.

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