Jugendkriminalität und Prävention

Tür an Tür wird wohl zu teuer

Offenbach - Engere Kontakte, kürzere Wege, schnellere Verfahren: Vor allem letzteres versprechen sich Politik und Justiz vom Haus des Jugendrechts. Zwei Einrichtungen dieser Art – eins in Wiesbaden, eins in Frankfurt-Höchst – gibt es in Hessen bereits. Von Matthias Dahmer

Nun reift auch in Offenbach die Idee, Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendgerichtshilfe besser zu vernetzen, sie im Idealfall Tür an Tür arbeiten zu lassen, um effektiver gegen Jugendkriminalität vorgehen zu können.

Das Vorhaben angestoßen haben die Freien Wähler, die das Projekt in den Koalitionsvertrag mit SPD und Grünen hineingeschrieben haben und es heute als gemeinsamen Antrag des Dreierbündnisses in die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung einbringen. Danach soll die Stadtregierung prüfen, wie, wo und vor allem zu welchen Kosten ein solches Haus des Jugendrechts in Offenbach verwirklicht werden kann. Weil Geld bekanntermaßen ein knappes Gut in der Stadt ist, wurde der Vorstoß vorsorglich relativiert: Als Vorstufe eines realen Hauses des Jugendrechts, heißt es im Koalitionsantrag, sei auch ein virtuelles denkbar, also die „optimale technische und persönliche Vernetzung der Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugendgerichtshilfe und Jugendamt“.

Bei den potenziellen Beteiligten stößt die Initiative auf wohlwollende Zustimmung: Für Anja Wetz, Vize-Chefin des Polizeipräsidiums Südosthessen, steht außer Zweifel, dass bei der Bekämpfung der Jugendkriminalität eine möglichst enge Verzahnung aller verantwortlichen Behörden und Institutionen erforderlich ist. Zur Optimierung der Verfahrensabläufe sei eine enge Zusammenarbeit nicht zuletzt deshalb von Nöten, um mit individuellen Maßnahmen zielgerichtet und vor allem schnell reagieren zu können.

Zusammenarbeit bündeln

Wetz: „Die Gefahr, erneut straffällig zu werden, verringert sich, je früher ein junger Mensch mit den Konsequenzen seines strafbaren Handelns konfrontiert wird.“ Nach den Erfahrungen, die bislang in den Häusern der Jugendrechts in Hessen sowie in anderen Bundesländern gemacht worden seien, scheine es auch zur Verhinderung künftiger Straftaten von Jugendlichen sinnvoll, die Zusammenarbeit „unter einem Dach“ zu bündeln.

Ähnlich sieht das Elisabeth Fritz, Präsidentin des Offenbacher Amtsgerichts. Obwohl die Gerichte bei diesen Einrichtungen bewusst außen vor gelassen würden, sei es auch aus Sicht der Offenbacher Jugendrichter zu begrüßen, wenn Verfahren noch zügiger erledigt werden könnten. „Dazu gehört die enge Zusammarbeit aller Beteiligten“, sagt Elisabeth Fritz. Gleichzeitig weist sie aber darauf hin, dass man in Offenbach ohnehin schon gut kooperiere. Die Amtgerichtspräsidentin kann sich vorstellen, das man bereits auf der vorgeschlagenen virtuellen Ebene zu Ergebnissen gelangen könnte.

Das hält auch Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) für möglich, in dessen Zuständigkeit Jugendamt und Jugendgerichtshilfe fallen. Er kündigt – ohne konkret werden zu wollen – an, „relativ bald einen praktischen Vorschlag“ zu haben, der nicht über Gebühr Kosten verursachen werde. Gemeinsames Ziel, so Schneider, sei die Verfahrensbeschleunigung.

Die heutige Sitzung des Stadtparlaments im Rathaus beginnt um 17 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen außer dem Haus dem Jugendrechts unter anderem die Umgestaltung des Stadthofs, ein Masterplan zur Entwicklung der Innenstadt sowie die Sicherung der Trinkwasserversorgung in kommunaler Hand.

Rubriklistenbild: © Martin Schemm/pixelio.de

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