Wirkungsvolle Eitelkeit

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Ru ben Talberg bei der Eröffnung seines Museums. Ein Grußwort sprach Rabbiner Mendel Gurewitz (hinten).

Offenbach - Keine Frage, Ruben Talberg steht zu dem, was er tut: „Einige werden sich gefragt haben, ob der Talberg jetzt größenwahnsinnig oder verrückt geworden ist. Ich kann dazu nur sagen: Es ist so." Von Silke Gelhausen-Schüßler

Mit seinem „Talberg Museum“ (TAMU) hat sich der Offenbacher Künstler aber nicht nur zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt, bei dem es um Bewahrung, Erforschung und Bekanntmachen seiner Kunst geht. Vielmehr versteht er es als „permanent autonome Diskurs-Zone“, in der Ausstellungen sowie Veranstaltungen stattfinden. Sonderausstellungen sind vor allem mit zeitgenössischer israelischer Kunst – den Aspekt der Völkerverständigung im Blick – geplant. Talberg arbeitet seit mehr als 20 Jahren als Maler, Bildhauer und Fotograf, lebt und arbeitet in Offenbach und Südfrankreich.

Von „brotloser Kunst“ kann bei ihm keine Rede sein. Denn der 46-jährige gebürtige Heidelberger versteht es als Diplomkaufmann, sein künstlerisches Schaffen ohne Einschränkung vermarktungsfähig zu gestalten. Werke von ihm gehen für fünfstellige Beträge über den Tisch. Dem Museum hat er gleich mehrere Standbeine verpasst. Bei der Museumseröffnung an der Ludwigstraße erläutert er diese den etwa 60 Besuchern.

Erstes Standbein ist Museumspädagogik. In Workshops und Kunstkursen sollen Schulklassen und Erwachsene Kreativität entdecken. Zweites Standbein ist Kunstleasing. Ausgewählte Objekte können von Firmen und Privatleuten für mindestens sechs Monate gemietet werden.

Drittes Standbein ist die Vermietung der Örtlichkeit. Das 350 Quadratmeter große Gelände der ehemaligen Fabrik an der Ludwigstraße steht für Empfänge bis 120 Personen zur Verfügung. Und schließlich ist da bürgerschaftliches Engagement. Freunde und Förderer erhalten echte Talbergs zu Vorzugskonditionen.

Ideen durchsetzen, aber den Sinn für das Machbare nicht aus den Augen verlieren: Das weiß auch ein Realist wie Karl-Christian Schelzke, Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebundes, zu schätzen: „Die Entscheidung, ein Museum für die eigenen geschaffenen Werke zu gründen, hat etwas Provozierendes und Verrücktes, von dem sich vielleicht manch einer die Frage gestellt hat, ob das nicht Ausdruck besonderer Eitelkeit ist.“

Für Schelzke kommt es jedoch darauf an, was diese Eitelkeit bewirkt. Es bedürfe großen Engagements und gewisser Leidensfähigkeit, die Idee umzusetzen: „Ich bin daher beruhigt, auch im Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen des Rosenheim-Museums, dass Talberg nicht nur Künstler, sondern auch Kaufmann ist.“

Und warum gerade er als Städtebunddirektor auf Wunsch Talbergs Schirmherr geworden sei? „Kunst lehrt Kreativität. Kommunen brauchen Kreativität zum Überleben. Deshalb darf an Kunst nicht gespart werden.“ Denn neben Geldspritzen, die Gemeinden aus desaströsen finanziellen Situationen helfen sollten, sei es vor allem das Andersherum- und Querdenken, das neue Lösungen hervorbringe.

Auch Bürgermeisterin Birgit Simon ist überzeugt: „Es ist genau das, was wir hier brauchen.“ Die Politik könne dann und wann etwas mehr Kreativität vertragen. Gute Helfer hat sich Talberg bereits an Land gezogen. Wie Wolfgang Henseler, Professor für digitale Medien und Intermediales Design an der Hochschule Pforzheim, Creative Director von Sensory Minds in Offenbach. Der ließ sich auf ein Tauschgeschäft ein, bei dem Talberg eine innovative Internetpräsenz, ein so genanntes zweites digitales Museum, bekommt. Als Gegenleistung dient Talberg mit dem, was er am besten kann – mit Kunst.

Talberg ist Deutsch-Israeli und Mitglied der jüdischen Gemeinde Offenbachs. Deshalb richtete Rabbiner Menachem Mendel Gurewitz ein Grußwort auf Deutsch und Hebräisch an die Gäste.

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