Erpressung

Wirre Geschichten aus dem Rumänen-Milieu

Akten liegen vor Beginn eines Prozesses am Platz des Vorsitzenden Richters.
+
Um Erpressung, Pistolenschüsse und Prostitution geht es seit Montag vor dem Offenbacher Schöffengericht.

Um Erpressung, Pistolenschüsse und Prostitution geht es vor dem Schöffengericht in Offenbach.

Offenbach - Der Angeklagte soll einen Landsmann gezwungen haben, ihm regelmäßig Geld zu geben. Ansonsten sei seine körperliche Unversehrtheit in Gefahr.

Richter Manfred Beck fragt den Angeklagten P. nach seinem Beruf. Der muskulöse 41-Jährige antwortet „selbstständiger Bodyguard“. Beck vermutet, gerade in diesem Metier herrsche sicher Pandemie-bedingt Flaute, und fragt P., ob er vom Amt lebe. Das übersetzt ein Dolmetscher ins Rumänische. Der Beschuldigte verneint.

Staatsanwältin Isabelle Schad wirft dem Offenbacher vor, seinen Landsmann A. 2016 erpresst zu haben. Er habe gedroht, ihm und dessen Lebensgefährtin die Beine zu brechen, wenn er nicht monatlich 500 Euro erhalte. Insgesamt habe P. so 3 000 Euro erpresst.

Pflichtverteidiger Stefan Bonn erklärt, A. habe sich das nur ausgedacht. Hintergrund sei ein Verkehrsunfall unter Beteiligung von A. und S., einem weiteren Landsmann. Alle drei kennen sich vom Fitnessstudio und aus einem überwiegend von Rumänen besuchten Lokal. Die Geschichte aus dem Jahr 2017 klingt verworren: S. und A. werden im Februar Unfallgegner; A. gerät so in Rage, dass er auf S. schießt. P. will davon erst nichts und dann nur durch die Erzählung von S. mitbekommen haben. A. habe von ihm verlangt, er möge vor der Polizei bezeugen, er habe nicht auf S. geschossen. Weil er jedoch die Falschaussage verweigert habe, habe A. der Polizei die erfundene Story von der Erpressung aufgetischt.

Der Akte entnimmt Richter Beck, dass A. wegen des Unfalls beim Amtsgericht Bad Homburg eine Bewährungsstrafe von neun Monaten kassierte. Schüsse spielten dabei keine Rolle.

Hauptbelastungszeuge A. erscheint trotz Ladung nicht und kann auch nicht von der Polizei beigebracht werden. Einen anderen Zeugen schickt der Richter wieder heim, weil er sich nicht ausweisen kann: Er hätte P.s Rache-Story stützen sollen.

Der Angeklagte P. sagt außerdem aus, seine Freundin und A.s Lebensgefährtin seien zeitweilig Kolleginnen in einem Friedrichsdorfer Großbordell gewesen. Eine Polizistin sagt aus, laut A. habe P. von ihm Geld für die Vermittlung dieser Arbeitsstelle verlangt und gedroht, organisierte Schläger einer Rockergruppe auf ihn zu hetzen.

Der Prozess wird demnächst fortgesetzt.

Von Stefan Mangold

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare