Stadtpolizei

Offenbach verschärft Corona-Kontrollen: Wirte im Fokus der Streifen

Eine Streife der Offenbacher Stadtpolizei betritt ein Restaurant.
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Die Stadtpolizei sensibilisierte am Freitag in Offenbacher Restaurants für die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung.

Offenbach weitet die Kontrollen der Corona-Regeln in der Gastronomie aus. Für Betreiber, die sich nicht an die Maßnahmen halten, kann es teuer werden.

Offenbach – Die Stadt setzt im Kampf gegen Corona auf härtere Maßnahmen. Vor allem die Gastronomie rückt in den Fokus. Ab sofort soll die Stadtpolizei vermehrt Gastwirtschaften auf die Einhaltung der Corona-Maßnahmen prüfen. Nicht der Kunde haftet, vielmehr drohen dem Wirt bei Verstößen saftige Strafen.

Im „Fleischeslust“ am Wilhelmsplatz gilt bereits die 2G-Regel, wie bei den meisten Gaststätten rund um den Marktplatz. In voller Montur betreten die Offenbacher Stadtpolizisten das Lokal. Viele Gäste drehen sich um zur Tür, schauen zunächst verunsichert. Doch dann bittet der Dienstgruppenleiter um die Aufmerksamkeit der Anwesenden – und die Stimmung lockert sich auf.

Corona-Kontrollen im Gastgewerbe: Vermehrte Stichproben in Restaurants und Bars

Denn wie er in seiner Ansprache klarstellt, ist die Stadtpolizei an diesem Abend nicht unterwegs, um Geimpft-, Getestet-, Genesen-Bescheinigungen zu prüfen. Sie will aber dafür sensibilisieren, dass die verschärfte Pandemie-Lage den Stellenwert eines gültigen Nachweises erhöht. So heißt es zum Ende des Appells: „Rechnen Sie damit, dass wir Sie demnächst tatsächlich kontrollieren werden.“ An diesem Abend stoppen Streifen in vielen Offenbacher Gastwirtschaften, nicht nur in der Innenstadt. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von 260,5 liegt die Stadt weit über dem hessischen Durchschnitt.

Damit Restaurant-Besuche bei so drastisch steigenden Zahlen weiterhin möglich bleiben, will die Verwaltung jetzt aktiver gegen Corona-Schutzverordnungsverstöße vorgehen. Die Wachmacher-Aktion der Polizei an diesem Wochenende gehört dazu. Und wie die Stadtpolizisten verdeutlichen, sollen Gäste zukünftig bei vermehrten Stichproben einen gültigen Negativnachweis vorzeigen. Das Brisante: Die Inhaber sind verantwortlich für die Kontrollen, bei Nichteinhaltung droht eine empfindliche Geldstrafe. 500 bis 1000 Euro sieht der Bußgeldkatalog vor, was für den ein oder anderen Gastwirt schon einen ganzen Tagesumsatz bedeutet.

Zeigt Verständnis für die Maßnahmen: Niko Cholevas, Betriebsleiter des Restaurants „Fleischeslust“.

Offenbach: Betreiber und Gäste begrüßen Corona-Kontrollen

„Fleischeslust“-Betriebsleiter Niko Cholevas ist dennoch angetan von der Maßnahme. „Die Stadtpolizei ist hier sehr sympathisch aufgetreten, auch sehr kulant“, sagt er. Sie sei nicht mit der Tür ins Haus gefallen, habe sich zuerst erkundigt, ob sie sich denn an die Gäste wenden dürfe. „Für die Gastwirte und Gäste ist das nochmal eine Chance, in sich zu gehen“, so Cholevas. Ein anwesender Kunde sieht das genauso. Ein solcher Wink mit dem Zaunpfahl sei in der aktuellen Situation einfach angebracht. „Ich halte das für wichtig, weil die Aufmerksamkeit der Leute wieder nachgelassen hat“, sagt er.

Nicht nur im „Fleischeslust“ ist die Resonanz gut, generell nehmen Betreiber und auch anwesende Gäste in den Lokalen am Marktplatz die Aktion der Stadtpolizei positiv auf. Als der Dienstgruppenleiter in einer gut gefüllten Kneipe auf eine Treppenstufe steigt, um sich an die Anwesenden zu wenden, ruft ihm ein Gast zu, ob er denn jetzt strippen wolle. Der Stadtbedienstete nimmt es mit Humor.

Auch Skepsis gegenüber vermehrten Corona-Kontrollen in Offenbach

Natürlich gibt es aber auch Skepsis. Denn dass das Thema durchaus sensibel ist, zeigen die Gespräche mit den Gastronomen dann schon. Eine Wirtin, in deren Restaurant die 2G-Regel gilt, fühlt sich durch die Aktion sichtlich angegriffen. „Sie können ruhig mit den Leuten sprechen, hier ist aber jeder kontrolliert“, sagt sie.

Angesprochen darauf, ob er denn wisse, welche Bußgelder bei mangelnder Kontrolle fällig werden, entgegnet ein anderer Gastwirt: „Das interessiert mich nicht, wir halten uns sowieso an die Regeln.“ Später fragt er dann aber doch leise, wie viel denn bei Verstößen zu zahlen sei.

Zugegebenermaßen ist die Gesamtlage eine unübersichtliche, auch für die Stadtpolizei. Bei der sich regelmäßig wandelnden Gesetzessituation muss sie am Ball bleiben. Nicht alle Detailfragen kann sie an diesem Abend zufriedenstellend beantworten, wird sich in den kommenden Tagen selbst intensiv mit den aktuellen Regelungen auseinandersetzen.

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Corona in Offenbach: Kontrollen große Herausforderung für Stadtpolizei

Und einigen wenigen Gästen stößt die Aktion auch sauer auf. Bei ihnen ist noch nicht angekommen, dass eben nicht jeder die Notwendigkeit der Impfung oder zumindest eines gültigen Tests für ein entspanntes Zusammenkommen erkannt hat.

Für die Stadtpolizei bedeutet die erneute Konzentration auf Corona eine Herausforderung. Sie muss ihre begrenzten Ressourcen in den nächsten Wochen fast ganz auf die Kontrollen ausrichten. „Ich schätze, zehn Prozent der Leute haben uns heute Abend belächelt“, sagt der Einsatzleiter am Ende der Streife. Das seien dann auch diejenigen, die ab nächster Woche die meisten Probleme bereiten werden. Die Stadtpolizei jedenfalls kann sich mit Blick auf die anstehende Aufgabe warm anziehen – nicht nur bedingt durch die Jahreszeit. (Julius Fastnacht)

Die Stadtpolizei Offenbach kümmerte sich innerhalb eines Jahres um 5000 Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Corona. Der neue Leiter Lothar Haack setzt sich für ein besseres Image der Behörde ein – und will mit Vorurteilen aufräumen.

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