„Ein intensives Jahr“

Wirtschaftsförderung zieht positive Bilanz

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Drei große Leerstände – die ehemaligen Flächen von Osco und Saturn sowie die City-Passage – stehen 2016 im Fokus der Wirtschaftsförderung. Für City-Passage und Saturn-Fläche kündigte sie gestern Aktivitäten von Eigentümer beziehungsweise Investor im ersten Quartal an.

Offenbach - Der Wohnungsbau boomt, der Masterplan steht, die Stadtentwicklung kommt endlich voran. Keine Frage – Offenbach hat einen Lauf. Das bedeutet zugleich: Viel Arbeit für die städtische Wirtschaftsförderung, die gestern ihren Jahresbericht präsentiert hat. Von Matthias Dahmer 

Erstmal, und weil es aufs Jahresende zugeht, das Lob des Oberbürgermeisters an die Akteure: Er sei stolz auf die Leistung des Teams, das inklusive Chef Jürgen Amberger aus sechs Leuten bestehe, sagt Horst Schneider. Zum Vergleich: „In Frankfurt kümmern sich 120 Mitarbeiter um die Wirtschaftsförderung“, rückt der OB Dimensionen zurecht. Für Amtsleiter Amberger war es „ein intensives Jahr“. Neben dem Alltagsgeschäft hat vor allem das Feilen am Masterplan seine Zeit beansprucht. Jetzt, wo das Werk kurz vor der Beschlussfassung steht – statt im Januar soll das aber erst im Februar im Parlament geschehen –, kann Amberger bilanzieren: „Es war richtig und wichtig, das Vorhaben anzustoßen.“ Der Plan werde „unglaubliche Sicherheit für ansiedlungswillige Unternehmen bringen“, ist er überzeugt.

Positiv stimmt zudem, was im knapp 30-seitigen Jahresbericht zum Arbeitsmarkt steht: Mit 45.944 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen (ein Plus von 1274 gegenüber dem Vorjahreszeitraum) hat Offenbach wieder den Beschäftigtenstand von 2011 erreicht. Nach der Insolvenz von manroland sowie dem Weggang von Honda und Invista habe man die Verluste ausgleichen können, heißt es. Rückgrat ist mit 24 000 sozialversicherungspflichtigen Jobs der Dienstleistungssektor.

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Laut Statistik der Wirtschaftsförderer haben sich in diesem Jahr 141 Firmen neu in Offenbach angesiedelt, wodurch etwa 620 Arbeitsplätze entstanden sind. Über Abwanderungen wird im Rathaus indes nicht Buch geführt. Neunmal betreute man Unternehmen bei der Umsiedlung innerhalb der Stadt. Als Beispiel nannte Amberger die Abbruchfirma Zeller, die von der Bieberer Straße in den Großen Ahl umzog. In der Summe hatte die Wirtschaftsförderung 176 konkrete Anfragen nach Gewerbeflächen, für 111 dieser Anfragen fanden sich passende Flächenangebote. Elf dieser Unternehmen – sie sind in den genannten 141 enthalten – siedelten sich an.

Ein Segment, das der Wirtschaftsförderung indes Kopfzerbrechen bereitet, ist der Einzelhandel in der Innenstadt. Wie in anderen Städten auch müssen Antworten auf die Herausforderungen des wachsenden Online-Geschäfts gefunden werden, der die Umsätze im stationären Handel schrumpfen lässt. Die Wirtschaftsförderung unterstützt dabei erste Überlegungen des Gewerbevereins Treffpunkt zum Vertriebssystem „click & collect“. Das funktioniert so: Das Produkt wird online bestellt und kann in der Filiale abgeholt werden. Bislang bieten C&A sowie Galeria Kaufhof dem Offenbacher Kunden diese Möglichkeit.

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Was die Leerstände in der City angeht, stehen drei Objekte im Fokus der Wirtschaftsförderung – die seit Jahren fast verwaiste City-Passage, die bis November von Saturn belegten Flächen sowie die Immobilie am Beginn der Frankfurter Straße, wo bis vor Kurzem der bundesweit tätige Billiganbieter Osco zu finden war. Letzterer hat dicht gemacht, weil er pleite ist. Bis zu einer Neuvermietung seien rechtliche Fragen mit Blick auf die Insolvenz zu klären, heißt es.

Der Hauseigentümer der ehemaligen Saturn-Fläche beabsichtigt, die zirka 60 Jahre alte Immobilie, in der einst Karstadt beheimatet war, grundhaft zu sanieren. Insbesondere die für Kaufhaus-Zwecke installierten und die Statik des Gebäudes tangierenden Rolltreppen sind nicht mehr zeitgemäß. Jürgen Amberger geht davon aus, dass im ersten Quartal 2016 ein Bauantrag zwecks Umbau gestellt wird.

Ebenfalls Anfang nächsten Jahres werde der neue Investor der City-Passage seine Pläne vorstellen, so der Amtsleiter. Mit dem Auszug der Spielhalle zum Jahresende – der Eigentümer gibt aus Altersgründen auf – ist die Passage komplett entmietet. Weitere Kapitel des Jahresberichts sind den Existenzgründungen sowie der Kreativwirtschaft in Offenbach gewidmet. Die Kreativen werden seit 2007 gefördert; die Zahl der Unternehmen in dieser Branche hat sich seitdem mehr als verdoppelt und beträgt knapp 3000.

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