Wissen, was zu tun ist

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Zu viel Lebkuchen: Dem Nikolaus geht es schlecht, ein Erste-Hilfe-Team nimmt sich seiner an. Beim Wettbewerb der jugendlichen Ersthelfer war der ernste Hintergrund eines Notfalls teilweise in spaßigen Szenen verpackt.

Offenbach - Jeder, der hinter dem Steuer sitzt und in Deutschland irgendwann die Prüfung für den Führerschein bestand, absolvierte einmal einen Erste-Hilfe-Kurs. Von Stefan Mangold

Meistens liegt das allerdings lange zurück. Vermutlich wären die wenigsten Autofahrer heute noch in der Lage, einen Verletzten in eine stabile Seitenlage zu bringen. Schon gar nicht nach einem Unfall, wenn keine Zeit bleibt, sich mühsam zu erinnern.  Die Kinder und Jugendlichen, die am vergangenen Samstag am Erste-Hilfe-Mannschaftswettbewerb im Gebäude des Roten Kreuzes am Spessartring teilnahmen, wissen über die Feinheiten einer stabilen Seitenlage wesentlich besser Bescheid. Bei dem Wettkampf machten 21 Teams mit, bestehend aus je zwei bis drei Schülern. Wobei es grundsätzlich darum ging, wer am wirkungsvollsten einem Unfallopfer hilft. An sieben Stationen stellten sich 46 Kinder den Aufgaben.

Marcel Rzitki und Stephan Bormann etwa, Schüler der Hermann-Hesse-Schule in Obertshausen, mussten sich um die Folgen eines simulierten Unfalls in einem Klassenraum kümmern. Ein Jugendlicher war von seinem Skateboard gefallen und unglücklich mit dem Kopf auf eine Tischkante geprallt.

Leicht kommt es auf dem Schulhof zu Unfällen

Täuschend echt nahm sich die aufgeschminkte Platzwunde aus, die der vermeintlich Verletzte am Kopf trug. Ein großes Lob bekamen die jungen Sanitäter gleich hinterher: „Ihr seid die ersten gewesen, die sich Platz geschaffen haben.“ Was bedeutete, die beiden schoben im Weg stehendes Mobiliar und das Skateboard anfangs zur Seite, bevor sie sich daran machten, das blutende Haupt zu verbinden. Geübt sah das aus, was nicht weiter verwunderte. Denn die jungen Schüler sind vom DRK ausgebildet und in ihrer Schule die ersten, die sich auf dem Hof um verletzte Mitschüler kümmern, wenn etwas passiert ist.

Leicht kommt es auf dem Schulhof zu Unfällen. Vor kurzem etwa „stürzte ein Mädchen in der Leibnizschule schwer“ und habe sich eine Schädelprellung zugezogen, erzählt Jürgen Eberhardt, der stellvertretende Kreisbereitschaftsleiter des DRK. Sofort kamen Schüler mit ihren Erste-Hilfe-Taschen und wussten, was zu tun war.

Teams aus Schiller- und Leibnizschule belegen ersten Plätze

Zum ersten Mal fand in Offenbach ein Wettbewerb unter Ersthelfern statt. „Wir denken, dass ist erst der Anfang“, meint Jürgen Eberhardt. Schon in den Grundschulen engagiert sich das DRK für das Thema und hofft, so Nachwuchs zu gewinnen.

Die Teilnehmer hatten offensichtlich ihr Vergnügen am Geschehen. Bierernst ging es nirgendwo zu, besonders nicht an der Station „special guest“. Im Raum saß mit weißem Bart und im roten Gewand der Weihnachtsmann und stöhnte, weil es ihm übel ging. „Zu viel Lebkuchen“ habe er gegessen und leide deshalb an Bauchschmerzen. „Der schmeckt aber auch zu gut“, begründete er seinen Hang zur Völlerei. Die Kinder sollten dabei lernen, dass jeder Mensch in einer Notsituation gleich zu behandeln ist, „dass niemand vor Respekt zu erstarren braucht“, erklärte Eberhardt das Geschehen.

Am Ende belegten die Teams der Schillerschule und der Leibnizschule die ersten Plätze. Bronze gewannen die beiden Schüler von der Hermann-Hesse-Schule Obertshausen. Als Preise gab es einen Tag an der Kletterwand der Bergwacht, eine Besichtigung eines Rettungshubschraubers und einen Besuch beim Blutspendedienst Frankfurt.

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