Späte Lösung für WM-Übertragungen

Fast mit Wirten überworfen

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Mittlerweile sind die Wilhelmsplatz-Wirte Giuseppe Morleo und Stefan Klemisch (von rechts nach links) wieder besänftigt. Eric Münch vom Markthaus hatte die ganze Zeit gut Lachen: Er zeigt dieses Jahr gar keine WM-Spiele.

Offenbach - Was die Stadt ihnen ursprünglich zur WM zumuten wollte, brachte die Wirte vom Wilhelmsplatz auf die Barrikaden. In einem Brief formulierten die Kneipiers geschlossen ihren Unmut. Von „Abzocke“ und „Willkür“ war da die Rede. Von Sarah Neder 

Noch bis gestern Mittag gingen die Gastronomen davon aus, dass sie für jedes Spiel, das sie ihren Gästen unter freiem Himmel zeigen wollen, 60 Euro zahlen müssen. „Das macht allein bei den Vorrundenspielen 3  000 Euro“, rechnete Tafelspitzchef Youssef El Machit vor und zeigte sich geschockt von den Forderungen: „Für Fußballübertragungen mussten wir noch nie bezahlen. Auch nicht bei früheren Weltmeisterschaften.“ Die Wirte sind zunächst außer sich und bereit, der Stadt eine bisher gute Zusammenarbeit aufzukündigen.

Am Nachmittag können die Gastronomen jedoch wieder von der Palme herunterklettern, auf die sie die Stadt getrieben hat. Aus dem Ordnungsdezernat von Stadtrat Felix Schwenke kommt die Nachricht, dass man nun doch nicht gedenke, die Wirte für jedes einzelne Spiel zur Kasse zu bitten. Es habe sich schlichtweg um ein Kommunikationsproblem im Rathaus gehandelt. Das neue Angebot: Kneipiers beantragen Spiele, die sie zeigen wollen, und zahlen einmalig 60 Euro fürs Paket. Ausgenommen sind aber nach wie vor Spiele, die später als 22 Uhr beginnen – da geht gar nichts.

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Diese Nachricht besänftigt die Gemüter am Wilhelmsplatz wie eine Friedenspfeife: „Für uns ist das Thema damit erledigt“, spricht El Machit für die Gastronomengruppe. Das Tafelspitz hat bereits alle Spiele, die bis 22 Uhr beginnen, beantragt. Das Ordnungsamt behält sich jedoch vor, Genehmigungen zu versagen, wenn es eine „Lärmballung“ befürchtet. Dann gilt: Wer zuerst kommt, bekommt zuerst genehmigt. Das ursprüngliche Ansinnen der Stadt bleibt freilich Diskussionsstoff. Beau d’eau-Besitzer Stefan Klemisch war es ein Rätsel, wie sich die städtische Gebühr zusammensetzt: „Man hat uns überhaupt nicht erklärt, für was wir das Geld bezahlen sollen“, moniert er fehlende Kommunikation zwischen Amt und Gastwirten.

Für die Behörde ist die WM-Taxe jedoch kein Produkt einer willkürlichen Zusammenstellung: „Ungefähr eine Stunde sitzen wir an den einzelnen Anträgen“, erklärt Peter Weigand vom Ordnungsamt. Bei jeder Gaststätte müsse die Umgebung nach Emissionsverordnung geprüft werden, damit der Geräuschpegel in der Nachbarschaft nicht zu hoch werde. „Ich kann nicht einfach davon ausgehen, dass jeder Fußball guckt“, sagt Weigand. Die 60 Euro sollten also eine Entschädigung für den zusätzlichen Arbeitsaufwand im Ordnungsamt sein.

Schuld an der undurchsichtigen Gesetzeslage sei der späte Beschluss des Bundesrats zum nächtlichen Public Viewing. Die Sonderregelung für die WM in Brasilien wurde erst vor zwei Wochen durchgeboxt. Die Umsetzung bleibt, anders als bei vorigen FIFA-Veranstaltungen, den Kommunen vorbehalten. Als 2008 die Spiele zu unproblematischeren Zeiten stattfanden, gestattete ein Erlass der Landesregierung die Rundumübertragung.

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