Käse-Braun und Querbeet sind weg

Wochenmarkt immer im positiven Wandel

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Der fehlende Stand von Querbeet schafft neue Perspektiven auf dem Wochenmarkt: im wörtlichen, aber auch im übertragenen Sinne.

Offenbach - „Die einzige Konstante ist die Veränderung“, wusste schon der antike Philosoph Heraklit. Dieser Aphorismus gilt auch für den Wochenmarkt auf dem Wilhelmsplatz. Von Rebecca Röhrich 

In den vergangenen Wochen haben zwei beliebte Stände ihren Verkauf eingestellt, neue Stände sind hinzugekommen. Etliche Kunden standen am Samstag vor einer Woche mit hängenden Schultern in der Schlange am Stand von Käse Braun. Nach 115 Jahren auf dem Offenbacher Wochenmarkt geben Reinhold und Sabine Braun ihren Stand in unserer Stadt auf. Bereits Reinhold Brauns Ur-Oma hatte hier, damals noch auf dem alten Marktplatz, den selbst gemachten Handkäs verkauft. Sogar der Stand an sich ist noch ein echtes Original aus den Anfangsjahren. Jetzt ist es den Brauns schlichtweg zu anstrengend geworden. Seine Frau habe einfach nicht mehr die Energie, sagt Braun. „Alles hat eben seine Zeit“, fügt er noch hinzu.

Weil Querbeet und nun auch Käse Braun fortgegangenen sind, rechnet so mancher Marktgänger mit dem Schlimmsten, wenn sich an den Markttagen die ein oder andere Lücke auftut. So auch diesen Samstag, als der großzügige Obst- und Gemüsestand direkt neben dem Parkplatz nicht an seinem Platz war. Doch Petra Heckelmann, Vorsitzende des Marktvereins, beruhigt: „Die Albaner sind nur im Urlaub!“. Für andere Lücken sei beispielsweise auch mal eine langwierige Erkrankung verantwortlich.

„Auf dem Wochenmarkt gibt es samstags 70 Stände“, erklärt Werner Hinkelbein, der für den Wochenmarkt zuständige Vize-Chef der Wirtschaftsförderung. „Nur zwei Beschicker haben aufgegeben und beide aus betrieblichen Gründen.“ Dagegen gebe es eine lange Warteliste mit Interessenten, die gerne ihre Waren auf dem Markt feilbieten möchten. Doch nicht jeder sei geeignet, so Hinkelbein. So möchte der Sachgebietsleiter keinen weiteren Imbiss auf dem Wochenmarkt. Davon gebe es jetzt genug. Auch einen Weinausschank lehnt er ab: „Die Leute sollen zum Einkaufen hierher kommen.“

Fotos: Kulturfest der Nationen auf dem Wilhelmsplatz

Mit dem Käsestand Garage Fromage und den Ölefanten, die besonderes Essig und Öl anbieten, gebe es jetzt junge und kreative Stände, die der Markt dringend benötige. Schließlich müsse er sich gegen die Konkurrenz aus dem Supermarkt behaupten. Dass immer wieder innovative Stände ihren Weg auf den Wilhelmsplatz fänden, freut den Verantwortlichen. Bestes Beispiel hierfür sei auch der Stand von Stefan Mieth, der Naturprodukte aus Holz und Bürsten verkaufe. „Der hat sich auch bewährt“, so Hinkelbein. „Für uns ist es aber jetzt erste Priorität, einen Ersatz für den Biostand Querbeet zu finden“, sagt er. Diesbezüglich sei er schon in konkreten Gesprächen. Außerdem, verrät er nicht ohne Stolz, wird es auf dem Markt bald einen Stand geben, der selbstgemachte Nudeln anbieten wird. Wandel ja, aber kein negativer ist das Fazit.

Auch Matthias Müller, Pressesprecher der Stadt, hält die Unkerei um den Niedergang für „Unsinn“. Als er vor 35 Jahren in die Stadt gekommen sei, habe es nur das übliche Gemüse gegeben. Im Laufe der Jahre sei das Angebot internationaler geworden. Er sieht vor allem in der Möglichkeit, seine Mittagspause auf dem Wilhelmsplatz zu verbringen, eine große Chance. „Man muss den Wandel sehen“, so Müller. Und der Trend gehe ganz klar zum „Streetfood“, also zum Essen „auf die Hand“. Liebhaber des Braun’schen Handkäs’ können übrigen in einer Hinsicht aufatmen. Familie Zarna, in der Nähe des Markthäuschens, wird künftig eine Auswahl davon anbieten.

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