Wohin mit den Erinnerungen?

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Die Museumsmacher sind trotz bisher zäher Suche guter Dinge, dass es noch was wird mit dem neuen Domizil. Von links: Thorsten Franke, Wolfgang H. Joest, Matthias Will, Darrin Oliphant, Michael Hartmann, Alexander Knöß, Thomas Masseck.

Offenbach ‐ Was einen Fußballfan als solchen ausmacht, ist zum einen die Melange aus ungewöhnlichem Interesse und außergewöhnlicher Parteilichkeit. Von Stefan Mangold

Der Platz in der Tabelle und das letzte Ergebnis der Mannschaft üben starken Einfluss auf sein seelisches Befinden aus. Zum anderen verfügen die meisten Freunde des Ballsports über ein mitunter aberwitziges Gedächtnis rund um Ereignisse auf dem Rasen. Man erinnert nicht nur nach Jahrzehnten an das Ergebnis, wer zum entscheidenden Tor die Flanke schlug oder unhaltbar abfälschte. „Ich weiß auch noch, was ich in dem Moment dachte, was wer vor dem Fernseher dazwischen schrie,“ unterstreicht der Betriebswirt Darrin Oliphant (42) das Phänomen.

Oliphant ist Vorsitzender des Fördervereins des „Kickers Museums“ an der Goethestraße. Der Verein gründete sich Ende des letzten Jahres. Das hing eng damit zusammen, was dem Museum bevorsteht: Es muss bis Ende März am Standort im Nord-end die Kisten packen. „Ein neues Domizil haben wir noch nicht,“ erklärt Thorsten Franke (41), der das private Museum vor vier Jahren eröffnete. Das meiste, was hier an Schals, Plakaten, Wimpeln und sonstigen Utensilien in rot-weißer Farbe hängt, stammt aus Frankes persönlichem Besitz. „Doch von allem, was der OFC an Fanartikeln neu herausbringt, bekommen wir mittlerweile ein Exemplar.“

Geöffnet hat das Museum (Goethestraße 62) noch an diesem Wochenende zwischen 10 und 13 Uhr, am 18. März von 13 bis 17 Uhr, und am 19. und 20. März jeweils von 10 bis 13 Uhr. Tel. 0157 72557022; Infos sind auch auf der Internetseite zu finden.

Bisher unterstützen 500 Fans das in Europa einzigartige Vereinsmuseum. Mit jeweils einem Euro Beitrag im Monat konnte Thorsten Franke die 6 000 Euro Jahresmiete begleichen. Jetzt wechselte der Eigentümer des Hauses. Der verplant die 90 Quadratmeter anderweitig und kündigte deshalb dem Kickersmuseum. Für das hätte der Platz ohnehin nicht mehr lange gereicht. Doch die Suche nach einem angemessenen Domizil gestaltet sich schwierig, „auch wenn uns Oberbürgermeister Schneider viele Flächen zur Besichtigung vermittelt hat,“ wie Alexander Knöß (37) betont, der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Langfristig sei das Ziel, das Museum dort zu platzieren, „wo ein Vereinsmuseum hingehört, nämlich ins Stadion selbst.“

Bis dahin müssen Verein und Museum die Zeit überbrücken. Für dringend notwendige größeren Räume rechnet Darrin Oliphant mit jährlichen Kosten von 20 000 Euro. Das bedeutet, der Verein sucht nach neuen Geldquellen, nach weiteren Förderern, die jährlich mindestens zwölf Euro überweisen.

Während bei anderen Clubs die Exponate hinter Vitrinen verschlossen sind, „kann man bei uns das meiste anfassen.“ In Glasschränken stehen lediglich Dinge wie eine Kopie des DFB-Pokals, Zeugnis des größten Triumphs der Vereinsgeschichte im Jahre 1970. Auch eine Flasche Wein aus dem Jahr 1959 steht in einer Vitrine. Auf deren Etikett sind die Namen der Spieler der Kickers aus dem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Eintracht Frankfurt gedruckt.

Ein Sinnbild für das Gedächtnis der Fußballfans sind die Briefmarkenalben, die Thorsten Franke ausstellt. In ihnen stecken keine entwerteten Postwertzeichen, sondern Eintrittkarten zu Spielen der Kickers. Viele Besucher blättern die Seiten versonnen durch und erinnern sich an Tage wie den 8. November 1974, als die Kickers gegen Tennis Borussia Berlin mit 3:2 gewannen. Mit dem Sieg am zwölften Spieltag übernahm der OFC die Tabellenführung - in der Bundesliga.

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