Auf dem Weihnachtsmarkt

Wohltätiges Wettbieten

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Für viele Besucher hat die Auktion auf dem Weihnachtsmarkt Tradition: So mancher ersteigert dabei das Kontingent seiner Präsente. - Foto: Georg

Offenbach - Die Päckchenversteigerung auf dem Weihnachtsmarkt erbringt 6300 Euro für die Alzheimer-Gesellschaft, die Eichendorffschule und den Kunstverein. Von Harald H. Richter

Bei Auktionen liegt es im Begehr des Kaufinteressenten, durch Abgabe eines verbindlichen Gebots einen ganz bestimmten Gegenstand zu erwerben. Bekommt er den Zuschlag, bereichert nicht selten ein wertvolles Objekt die heimischen vier Wände.Die jährliche Päckchenversteigerung auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt verfolgt ganz ähnliche Zwecke. Allerdings können Bietende nur raten, was die in Schmuckpapier gewickelten Pakete enthalten. Das unterhaltsame Wettbieten dient einer weiteren Absicht – einer wohltätigen. Beides macht die Auktion so spannend wie kurzweilig.

Rings um die Bühne des neu gestalteten Stadthofs sammelt sich zur Mittagsstunde des Nikolaustags auch diesmal zahlungskräftige Klientel, die Geldbörsen griffbereit. Von Sängerin Caro weihnachtlich eingestimmt, geht es los.

„Diesmal wollen wir zu gleichen Teilen drei Einrichtungen in unserer Stadt begünstigen“, lässt Moderator Klaus Kohlweyer das Publikum wissen. Zum einen soll die seit 25 Jahren in der Lederstadt bestehende Alzheimer-Gesellschaft in den Genuss eines Teilerlöses kommen. Sie plant laut Dr. Gabriele Plaut den Aufbau einer weiteren Angehörigengruppe, möchte ihr Beratungstelefon sicherstellen und Ausflüge mit Demenzkranken finanzieren können.

Weihnachtsmarkt in Offenbach

Auch die beiden anderen Institutionen können jeden Euro gebrauchen. „Unseren 389 Kindern stehen auf dem Pausenhof nur eine Schaukel und eine Rutsche zur Verfügung“, macht Alma Obradovac, Konrektorin der Eichendorffschule, auf einen Mangel an bewegungsfördernden Spielgeräten aufmerksam. Anschaffungen will sich auch der seit Kurzem im KOMM-Zentrum verorteten Kunstverein leisten.

Der Gewerbeverein Treffpunkt Offenbach und das City-Management der Wirtschaftsförderung der Stadt hatten im Vorfeld ordentlich die Werbetrommel gerührt. Und erneut zeigte sich die heimische Geschäftswelt spendabel: 107 Päckchen türmen sich auf der Bühne. Zusammen mit einem Dutzend Geschenkgutscheinen kommen sie in anderthalb Stunden unter den Hammer.

„Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten“ – Klaus Kohlweyer treibt temporeich und gewohnt launig die Gebote in die Höhe. 20 Euro lautet das Startgebot, und kaum ein Geschenkpaket geht unter 50 Euro weg. Nach nicht einmal einer halben Stunde verkündet der Moderator freudig: „Wir haben die Tausender-Marke überschritten!“ Beinahe im Minutentakt wandert ein Schein nach dem anderen in die Kasse. Viele Gebende sind bekannte Gesichter, kommen jedes Jahr her. Aber auch zufällige Passanten lassen sich anstecken vom Bieter-Fieber.

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Für Josef Schädle, den Vorsitzenden des Paritätischen Bildungswerks, gehört es zur Tradition, möglichst viele Päckchen zu ersteigern: „Damit beschenke ich auch diesmal meine Mitarbeiter.“ Ob flüssige Genussverstärker aus dem Delikatessengeschäft oder ein mit bunter Schleife verziertes Päckchen einer Parfümerie, alles wird entgegengenommen. „Wir packen nix vorher aus, lassen uns erst Weihnachten überraschen“, bekräftigt eine Bieterin die These, dass die Vorfreude die schönste sei.

Als die Bühne leer geräumt und die Auktionskasse mit 6300 Euro gefüllt ist, steigt die Spannung. Die Besitzer aller nummerierten Päckchen haben die Chance auf einen Preis der besonderen Art. Die Heyne-Kunst-Fabrik stiftet einen Komplettsatz von acht Bildern des Künstlers Julian Lee, Gesamtwert 2000 Euro. Thomas Kypta von der Firma Etage3 Kommunikation + Design obliegt es, den Ausgelosten zu beglücken: Wilfried Henning hat 13 Päckchen ersteigert und benötigt helfende Hände, um alle nach Hause zu schaffen.

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