Wohn- oder Lebensraum?

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Was wird aus dem großen Schulhof in der Beethovenschule? Bei einem Verkauf würde dort, wo derzeit noch viele Kinder toben und hoch gewachsene Bäume Schatten spenden, ein neuer Wohnkomplex entstehen. Oder eben ein öffentlicher Spielplatz, den wohl die meisten begrüßen würden.

Offenbach - Ein echtes Schmuckstück oder doch nur ein „Edelmetall in Blechhülle“? Mit Blick auf die mögliche Umgestaltung des Areals der Beethovenschule tendiert Gerd Beitler klar zum letzteren. Von Jörn Polzin

Der angedachte Verkauf eines Teils des Schulhofs für Wohnbauzwecke und ein damit einhergehender Flächenverlust schmeckt dem Schulleiter gar nicht. „Wir haben 40 Jahre unter Platzmangel gelitten und jetzt soll uns auch noch der Hof genommen werden“, moniert er.

Wie berichtet hatte sich die Rathaus-Koalition im Schulsanierungs-Programm für einen Neubau der maroden Bildungsstätte ausgesprochen. Das Geld aus dem Teilverkauf soll in den erweiterten Neubau fließen. Wann der Spatenstich erfolgt, steht jedoch nach wie vor in den Sternen. Nicht nur die Schulgemeinde interveniert inzwischen.

Natürlich begrüßt die CDU den Vorstandsbeschluss des grünen Koalitionspartners, die Teilbebauung der Beethovenschule zu verhindern. Der schulpolitische Sprecher Hans Burkart bezeichnet die daraus resultierende Verkleinerung des Pausenhofs sowie die Fällung des alten Baumbestandes als „fatalen Irrweg.“ Der Erhalt des „großen Schulhofes“ - die Schule verfügt auch über ein kleines Gegenstück - sei wichtig für das angrenzende Wohngebiet.

Anstatt das Teilstück an einen Bauinvestor zu verkaufen, befürworten die Union und der Kreisvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Schulhof als Kinderspielplatz fürs Wohnquartier rund um die Grundschule zu etablieren. Und damit den Mangel an öffentlichen Spielplätzen zu beheben.

Während der Bauphase der Beethovenschule könne der Unterrichtsbetrieb mittels Containern auf dem Gelände des benachbarten Klinikums organisiert werden. „Diese Lösung hat den Vorteil, dass Schmutz und Lärm der Baustelle vom Schulbetrieb räumlich getrennt werden und die Bäume auf dem Schulhof keine größeren Schäden durch das Aufstellen von Containern nehmen“, so Burkart.

Ein größerer Diskussionsbedarf zeichnet sich in der Koalition ab. Den Vorschlag der Grünen, zwecks Finanzierung ein anderes städtisches Grundstück zu verkaufen, lehnt die FDP ab. Ihr Argument: Der Schulhof sei selbst nach Flächen-Verkauf im Vergleich zu vielen anderen Schulen groß. Die SPD hält sich als größter Koalitionspartner eher bedeckt und kann die angeheizte Diskussion nicht nachvollziehen. „Die Aufregung ist verfrüht. Wir müssen jetzt keine Entscheidung übers Knie brechen“, sagt der Fraktionsvorsitzende Stephan Färber. Er verweist aber darauf, dass das Scheitern eines Grundstücksverkauf eine Finanzierung des Neubaus deutlich erschweren würde. Sehr wohl werde die SPD aber die Stimmungslage berücksichtigen und das Gespräch mit den anderen Parteien suchen. „In den nächsten drei Jahren wird dort aber sowieso nichts passieren“, meint Färber.

Damit würde sich die lange „Leidenszeit“ der Beethovenschule, wie sie Schulleiter Beitler bezeichnet, noch weiter verlängern. Seiner Meinung nach wäre ein anderer Ausgang möglich gewesen, wenn man etwa die großen Bäume auf dem Gelände rund um die Beethovenschule viel früher in den Bauplänen berücksichtigt hätte.

Beitler sieht sich nicht mehr in der Einzelkämpfer-Rolle, die er seit Jahren inne hatte. Doch auch die Rückendeckung von CDU und Grünen stimmt den Schulleiter nur bedingt zuversichtlich. Entgegen den Bekundungen des SPD-Fraktionchefs sind für Beitler die Würfel längst gefallen. „Die Fakten sind geschaffen worden.“ Und zwar in Richtung des avisierten Grundstücksverkaufs.

Selbst wenn die Idee des öffentlichen Kinderspielplatzes umgesetzt werden sollte („Damit könnte ich leben“), würde den Schülern weniger Raum zur Verfügung stehen. „Der kleine Hof gibt mathematisch nicht wirklich etwas her“, so Beitler mit Blick auf einen erwarteten Schüler-Zuwachs (plus 100).

Aufgeben möchten Schulleitung, Lehrer, Schülern und Eltern nicht. Am morgigen Donnerstag findet unter dem Motto „Rettet den Schulhof“ ein Aktionsnachmittag (16 bis 18 Uhr) in der Beethovenschule statt. „Wir werden den kleinen und großen Hof mit Bändern abtrennen, um den Engpass optisch darzustellen“, kündigt Beitler an. Zudem haben die Schüler ein musikalisches Programm vorbereitet. Bei allem Engagement bleibt Gerd Beitler jedoch skeptisch. „An der Gesamtsituation wird der Protesttag sicher nichts ändern.“

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