Bau-Euphorie lässt nach

In jeder Lücke entsteht Neues

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Nur etwa 500 Meter Luftlinie voneinander entfernt, entstehen an der Waldstraße 71 und der Bleichstraße 26 (Bild unten) insgesamt 32 neue Eigentumswohnungen. Die Eckdaten ähneln einander: Jeweils zwei Mehrfamilienhäuser bilden ein Vorder- und ein Hinterhaus, innen finden sich Wohneinheiten zwischen zwei und vier Zimmern.

Offenbach - An nahezu jeder Ecke scheint in Offenbach derzeit neuer Wohnraum zu entstehen. Das füllt zwar Lücken im Stadtbild, macht es Investoren aber zunehmend schwerer. Von Jenny Bieniek

Seit Monaten ist die Waldstraße aus Richtung Innenstadt kommend kurz nach der Bahnüberführung nur einspurig befahrbar. Grund ist das dortige Bauprojekt der künftigen Hausnummer 71-73. Insgesamt entstehen unter Regie der FK Grundstücks- und Vermögensverwaltung dort 21 Eigentumswohnungen zwischen 42 und 94 Quadratmetern. Bis Ende Januar 2016 sollen die 14 Einheiten im barrierefreien Vorderhaus und sieben weitere im Hinterhaus bezugsfertig sein. Tiefgarage, dreifach verglaste Fenster, KfW-70-Standard und Aufzug im Vorderhaus haben ihren Preis: Der Quadratmeter ist mit 2800 Euro veranschlagt.

Nur sechs Gehminuten entfernt wächst auch an der Bleichstraße Wohnraum gen Himmel, wenn auch deutlich langsamer. „Hier geht’s ja kaum voran“, bemerkt ein älterer Herr im Vorbeigehen. Während die Fassade des Hinterhauses bereits fertig ist und der Innenausbau begonnen hat, sind die Handwerker vorn erst bei den Fundamentarbeiten. „Grundwasser, Bruchmauerwerk und offene Leitungen haben zu Verzögerungen geführt, weil nachträglich Baugenehmigung und Statik geändert werden mussten“, heißt es auf Nachfrage beim Bauträger. Ursprünglich waren für das Projekt 1,8 Millionen Euro geplant, nun werden es mehr als 2 Millionen. Auch da stehen am Ende insgesamt elf Zwei- bis Vierzimmerwohnungen zwischen 50 und 139 Quadratmetern. Weil eine Unterkellerung nicht möglich war, befinden sich die Kellerräume des Vorderhauses im Parterre des Hinterhauses. Dazu gibt’s Doppel-Parker, KfW-100-Effizienz sowie einen Aufzug und eine kleine Ladenfläche im Vorderhaus. Macht zwischen 2900 und 3200 Euro pro Quadratmeter. Bauherrin ist die HD Immobilien GmbH aus Flörsheim. Laut Geschäftsführer Admir Husic habe ein hiesiger Metzger bereits Interesse am Laden bekundet.

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Doch die Bau-Euphorie in Offenbach bröckelt langsam: „Das Interesse lässt nach“, bestätigt Husic. „Als wir das Grundstück 2013 gekauft haben, kamen ständig Interessenten vorbei. Zuletzt dagegen war es eher ruhig.“ Die Gründe glaubt er zu kennen: Während es vor zwei Jahren in Offenbach noch kaum Angebot gegeben habe, seien inzwischen „viel zu viele“ Eigentumswohnungen vorhanden – Tendenz steigend. „Zwar verhandeln wir derzeit über mögliche neue Projekte in Offenbach“, so Husic, „aber wirklich begeistert bin ich nicht.“ Inzwischen sei man ob der vielen Konkurrenzprojekte zögerlich. Ernüchterung auch bei anderen Bauherren in Offenbach: Der Boom sei vorbei, die Luft raus, hört man hier wie dort. Energetische Bau-weisen und Schallschutz erhöhten die Kosten, die Verkaufspreise aber stiegen in Offenbach vergleichsweise gering. Selbst Firmen, die seit vielen Jahren in der Lederstadt tätig sind, sehen kein einfaches Pflaster. Die Verkaufsphasen zögen sich; im Gegensatz zu Frankfurt, wo nach vier Wochen alles weg sei. Auch das Grundstücksangebot gehe zurück. Nur: Man müsse woanders erstmals was kriegen, heißt es. Frankfurt sei abgegrast.

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