Offenbach

Offenbach: Wohnen wird immer teurer – Mieten steigen weiter

Wie im gesamten Rhein-Main-Gebiet steigen auch die Mieten in Offenbach weiter an.
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Wie im gesamten Rhein-Main-Gebiet steigen auch die Mieten in Offenbach weiter an.

Die Mieten in Offenbach steigen weiter. Künftig soll es einen qualifizierten Mietspiegel geben – die Linke bezweifelt aber, dass er die Situation verbessert.

Offenbach –Die Mieten in Offenbach steigen laut neustem Mietspiegel um 2,13 Prozent. Die Stadt will künftig einen qualifizierten Mietspiegel erstellen lassen, Verbände sehen darin kaum einen Mehrwert. Die Linke bezweifelt, dass er die Situation auf dem Wohnungsmarkt verbessert.

Immerhin ist der Anstieg nicht ganz so stark wie vor einem Jahr. Da waren die Mieten in Offenbach im Zeitraum zwischen 2018 und 2020 um vier Prozent in die Höhe geschossen. Im neuen Mietspiegel für das Jahr 2022 sind es „nur“ 2,13 Prozentpunkte in allen Baualtersklassen in der Großstadt mit 140.000 Einwohner:innen. Umgerechnet sind das 24 Cent pro Quadratmeter.

Diese Zahlen veröffentlichten die Herausgeber des Mietspiegels 2022 – der Mieterbund Offenbach e. V. und der Verein der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer – Haus & Grund, Eigentümerschutz-Gemeinschaft mit dem Wohnungsamt. Es handelt sich um einen einfachen Mietspiegel, der eine Übersicht über die ortsüblichen Vergleichsmieten auflistet und von Mieter- als auch Vermieterbünden anerkannt wird.

Wohnen in Offenbach: Qualifizierter Mietspiegel ist geplant

Künftig soll es in Offenbach, wie schon seit vielen Jahren in Frankfurt, einen qualifizierten Mietspiegel geben, kündigte Bürgermeisterin Sabine Groß (Grüne) an. Zum einen, weil die Ampel-Koalition im Bund ein Gesetz auf den Weg bringen will, das qualifizierte Mietspiegel verpflichtend macht. Zum anderen hat er viele Vorteile für Mieter und Vermieter, führt Groß aus. „Er wird nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt und in aller Regel auch vor Gericht als Beweismittel anerkannt.“ Die Stadt hat einen Antrag auf Fördermittel im Wirtschaftsministerium gestellt. 70 Prozent der Kosten, deren genaue Höhe Groß nicht verraten wollte, würden demnach vom Land übernommen werden.

„Auch wenn die Finanzierung des Vorhabens zu 70 Prozent durch das Land gefördert wird, muss die Stadt schauen, wie sie eine langfristige Finanzierung sicherstellt“, fordert Markus Phillipi, Stadtverordneter der Linken. Einen qualifizierten Mietspiegel könne es in Offenbach nur geben, wenn der Mieterbund mitmache.

Hohe Nebenkosten in Offenbach

In Offenbach sind die Nebenkosten besonders hoch. Das ergab eine Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag von Haus & Grund Deutschland erstellt hat. Im Vergleich mit 100 anderen deutschen Großstädten landete die Stadt auf dem 88. Platz. Günstigste Stadt ist Regensburg mit Abgaben in Höhe von 915 Euro. Die Stadt Frankfurt liegt auf Rang fünf mit 1002 Euro. In Offenbach müssen Mieter:innen 1578 Euro zahlen.

Kosten für Abfall, Abwasser und die Grundsteuer wurden in der Studie dabei bei einem Musterhaushalt ins Visier genommen. Besonders ins Gewicht fällt in Offenbach die Grundsteuerabgabe aufgrund des Hebesatzes von 895 Punkten. Zum Vergleich: In Frankfurt liegt er bei 500. tim

Der Deutsche Mieterbund in Hessen kritisiert, dass es die Förderungen nur für die qualifizierten Mietspiegel, nicht aber für die einfachen gibt. „Die Daten sammeln und auswerten ist sehr viel Arbeit für die Verbände und da fallen auch Kosten an. Das ist nicht gerecht“, sagt Verbandsdirektorin Eva-Maria Winckelmann. Für die Städte sei es deshalb einfacher, einen qualifizierten Mietspiegel erstellen zu lassen.

Mieten in Offenbach steigen: „Gerichte erkennen einfachen Mietspiegel an“

Manfred Kind, Rechtsanwalt des Vereins der Haus- Wohnungs- und Grundeigentümer, und Detlev Dieckhöfer, Geschäftsführer des Mieterbunds Offenbach, sehen eigentlich keine Notwendigkeit für einen qualifizierten Mietspiegel, der dick wie eine Broschüre sein wird. „Die Gerichte erkennen auch den einfachen Mietspiegel an“, sagt Dieckhöfer. Ein qualifizierter biete aufgrund seiner Komplexität mehr Anlass für Streitigkeiten.

Der Mietspiegel beruht derzeit auf dem Zahlenmaterial der Herausgeber, der Main-Arbeit und des Sozialamtes. Zudem liegen ihnen die statistischen Werte der Indexmieten des Statistischen Landesamtes zugrunde. In einem qualifizierten Mietspiegel würde ein Institut einen Fragebogen erstellen und diesen an 15.000 bis 20.000 Haushalte schicken. Er würde frühestens im Sommer 2023, spätestens Anfang 2024 zur Verfügung stehen, sagt Lars Uhlig, Leiter des Wohnungsamts.

„Es ist bisher vollkommen unklar, ob ein qualifizierter Mietspiegel die Situation auf dem Wohnungsmarkt verbessert“, gibt Philippi zu bedenken. Die Mietsituation in Offenbach sei seit Jahren katastrophal – „deshalb ist sicher, dass die Erstellung des Mietspiegels nicht gegen die Interessen der Mieterinnen und Mieter durchgesetzt werden kann“. (Timur Tinç)

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