Nun folgt weiterer Abriss

Wohnungen auf Areal der ehemaligen Matthäusgemeinde

+
Auf dem Areal ist eine Anlage mit gut 80 Wohnungen geplant. Soziale Aspekte sollen berücksichtigt werden.

Offenbach -  2018 ist das letzte Jahr, in dem das Evangelische Dekanat Offenbach in seiner heutigen Form bestehen wird. Die Fusion mit Frankfurt erfolgt im kommenden Jahr. Jüngstes sichtbares Zeichen des zahlenmäßigen Rückgangs: Das ehemalige Zentrum der Matthäusgemeinde an der Ostpreußenstraße wird abgerissen.

Die Zahlen aus den statistischen Jahrbüchern der Stadt belegen das stete Schrumpfen des evangelischen Dekanats.  Zählt man 2001 noch 25.618 Protestanten in Offenbach, sind es 2015 (letzte vorliegende offizielle Zahl) nur noch 19.032 – bei einer gleichzeitig wachsenden Gesamtbevölkerung. Die Folge: Zum 1. Januar 2019 schließen sich die Dekanate Frankfurt und Offenbach zusammen. Offenbach bleibt jedoch als Name erhalten, das neue, fusionierte Dekanat heißt „Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach“.

Der Zusammenschluss ist bereits länger geplant. 2013 gab es einen Synodalbeschluss zur Neuordnung der Dekanatsgebiete – die Grundlage für diesen Zusammenschluss. Für die evangelischen Christen ändert sich zunächst nichts: Die Gemeinden vor Ort bleiben natürlich bestehen: Es wird wie gewohnt Gottesdienste und Seelsorgeangebote geben. Lediglich die Verwaltung zieht vom Haus der Evangelischen Kirche in der Ludo-Mayer-Straße nach Frankfurt. Die Synode wird in die Frankfurter Stadtsynode aufgenommen, der Offenbacher Kirchengemeindeverband wird mit der Frankfurter Regionalversammlung zusammengefasst.

Die Veränderungen zeichnen sich noch länger ab: 2014 ist die Mirjamgemeinde aus der Fusion der Lauterborn-, Luther-, Paul-Gerhardt- und Schlosskirchengemeinde hervorgegangen. Namensgeberin ist die alttestamentliche Prophetin Mirjam. Es bedeutete zuvor das Aus der Lauterbornkirche. Das Areal an der Richard-Wagner-Straße wurde ein Jahr vorher veräußert – Reihenhäuser folgten dem Gotteshaus.

Fritz Reichard erbaute 1960/61 die Matthäusgemeinde, das neue Zentrum im Offenbacher Süden wird laut „Offenbacher Regesten“ am 9. Dezember 1962 feierlich eingeweiht. 55 Jahre später weicht es einer Wohnbebauung.

Das gleiche erfolgt nun an der Ostpreußenstraße. Nachdem die dort ansässige Matthäus- mit der Lukasgemeinde in Tempelsee am 1. Januar 2016 vereint wurde. Die Gemeinde kehrte damit gewissermaßen zu ihren Ursprüngen zurück. Im Oktober 1958 wurde die Matthäusgemeinde aus dem ehemaligen Pfarrbezirk „Lukas-West“ gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es vor allem durch den Zustrom von Flüchtlingen zu einem rasanten Anwachsen der Offenbacher Bevölkerung gekommen. Die neue Matthäusgemeinde hatte 1960 etwa 3000 Mitglieder; das Gemeindegebiet umfasste Vorderwald- und Carl-Ulrich-Siedlung sowie die Rosenhöhe.

Nun folgt der Abriss des Gebäudes. Die Arbeiten starten voraussichtlich am Montag. Nachdem sich der Kirchengemeindeverband von dem Gemeindezentrum trennen musste, hat die Zentrale Pfarreivermögensverwaltung in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau das Areal übernommen. Sie entwickelt mit KAP Architektur Development aus Mainz eine Wohnanlage unter dem Gesichtspunkt sozialer Aspekte. KAP soll dabei für die gesamte planerische Entwicklung als auch für die Vermarktung des Projektes federführend verantwortlich sein. Einen wesentlichen Teil der Wohnanlage plant die ZPV im Weg des Erbbaurechtes zur Verfügung zu stellen; ein Eigentumserwerb als auch eine Anmietung sollen aber ebenfalls möglich sein.

Wenn das Zuhause die Welt ist: Wohnen als digitaler Nomade

Das Wohnkonzept basiert auf dem Grundgedanken eines generationenübergreifenden Projektes der gegenseitigen Unterstützung der dort lebenden Menschen: Alte und Junge Menschen, sowie Familien und Einzelpersonen, Menschen mit und ohne Einschränkungen können in diesem Quartier mit etwa 80 barrierefreien Wohnungen ein neues Zuhause finden. Insbesondere für ältere Menschen ist ein besonderes Betreuungsangebot vorgesehen. Der Bauantrag soll auf Basis dieser Planungen zeitnah eingereicht werden. (mk)

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare