Wohnen auf dem Bunker

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Computervision einer außergewöhnlichen Umnutzung: Auf und an Bürgels Weltkriegsbunker entstehen Wohnungen.

Offenbach - Hinter den dicken Wänden wurde gebangt und gebetet. 1943 hat auch Bürgel seinen Luftschutzbunker erhalten. Er entstand an der Ecke Jahnstraße und Rumpenheimer Straße, in Sichtweite vom Dalles. Seine Formen täuschten ein Wohnhaus vor. Von Lothar R. Braun

Dort fanden Bürgeler Schutz, wenn am Himmel die Motoren dröhnten, die Abwehrgeschütze heiser bellten, die Bomben Mauerwerk zerbrachen. Es war ein bergender Raum. Die Erinnerungen daran sind verblasst, aber nun geht das Bauwerk einem neuen Leben entgegen. Geborgenheit erhält dort einen neuen Charakter. Bewirkt wird das durch den Handwerksmeister Boris Hof. Er hat den Bunker samt Grundstück aus dem Bundesvermögen erworben, um daraus ein attraktives Wohngebäude zu machen. Die Wohnungen entstehen freilich nicht im alten Schutzbau mit seinen zwei Meter dicken Außenwänden, sondern auf dessen Dach und in einem viergeschossigen Anbau an der Schmalseite zur Rumpenheimer Straße. Das großzügige Treppenhaus aus Luftschutz-Zeiten wird durch Einbau eines Aufzugs ergänzt.

Auto-Abstellplätze werden die Bewohner unter dem Anbau finden. Unter dem Bunker, der massiver Bombardierung trotzen sollte, gibt es keine Keller, und Tiefgaragen lassen sich dort auch kaum schaffen. Eine Bunkeretage wird den Bewohnern denn auch für Vorräte und Einlagerungen zur Verfügung stehen. „Der Weg zum Keller ist so kurz wie in einem Bungalow“, sagt Boris Hof. Er betreibt das Projekt nicht als Bauträger. Die Wohnungen werden nicht verkauft, sondern vermietet. In ferner Zukunft einmal, wenn die Kinder aus dem Haus sind, will auch der Bauherr dort einziehen. In eine der Penthouse-Wohnungen natürlich, mit dem reizvollen Blick über die Dächer von Bürgel. Vorerst jedoch begnügt er sich mit einer Bunkeretage für eigene Lagerzwecke.

Nichts als ein Lagerhaus war der Bau in den vergangenen Jahrzehnten. Manche Nachbarn sprachen von einer vernachlässigten Dreckecke. Sie beobachten die angelaufenen Bauarbeiten mit freundlichem Interesse, meint Boris Hof zu wissen. Denn es zeichnet sich ab, dass aus einem schlichten Betonklotz ein markantes Bürgeler Gebäude werden kann. In seiner seitlich und oben abdeckenden Ummantelung wird er nichts mehr zeigen, das an Notzeiten mit Ängsten und Leid erinnern könnte.

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