Wohnungsmarkt angespannt

Geringverdiener finden kaum bezahlbares Heim

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Unter den Dächern Offenbachs (hier mit Blick aus dem Stadthaus in Richtung Süden) muss die Bevölkerung oft jeden Cent umdrehen. Wer bezahlbare vier Wände hat, bleibt besser dort wohnen. Denn günstige Wohnungen gibt es inzwischen kaum noch auf dem Markt. Die Situation hat sich innerhalb eines Jahres zugespitzt.

Offenbach - Knallrot sticht Offenbach aus den Karten hervor. Einmal mehr ist die Stadt negativer Spitzenreiter, dieses Mal in einer vom Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW) beauftragten Studie zum Wohnungsmarkt in der Region. Von Fabian El Cheikh

Die Studie zeigt vor allem eines: Für Niedrigverdiener wird es zunehmend schwierig, ein Dach über dem Kopf zu finden.

Der vom Darmstädter Institut Wohnen und Umwelt (IWU) erstellte Wohnungsmarktbericht 2013 hat beim VdW große Besorgnis ausgelöst. Ähnlich dürften die Reaktionen in der Offenbacher Kommunalpolitik ausfallen. Einer der Verfasser der Studie, Martin Vaché, bringt es auf den Punkt: „Die Stadt steht vor einem massiven Problem, weil sie über keine Erweiterungsflächen verfügt und zusätzlich Druck aus Frankfurt herüberschwappt.“

Grafik 1: Rund 9 Prozent der Offenbacher Bevölkerung erhielt 2011 Wohnungszuschüsse.

So fehle es nicht nur an Sozialwohnungen, sondern auch an bezahlbaren vier Wänden für Geringverdiener. „Hessenweit hat Offenbach nach Kassel den zweithöchsten Anteil an Transferleistungen zu stemmen.“ Wobei in Kassel der hohe Anteil an Menschen auffalle, die mit Wohngeld unterstützt werden, um nicht ins SGB II abzurutschen, während in Offenbach rund 80 Prozent der betroffenen Gruppe Empfänger von KdU-Maßnahmen (Kosten der Unterkunft), also Hartz IV-Empfänger, seien. Wie Grafik 1 veranschaulicht, erhielten im Jahr 2011 rund neun Prozent der Offenbacher Bevölkerung diese sogenannte Subjektförderung. Wohngeld erhalten demnach rund 20 Prozent.

Situation alarmierend

Insgesamt betrachtet stellt sich die Situation alarmierend dar: Wohnraum in Offenbach wird immer knapper, was Mieter dazu verleitet, ihre Wohnungen nicht zu wechseln, wodurch die Fluktuationsrate zurückgeht, der Wohnungsmarkt erstarrt, das Angebot noch mehr zurückgeht und dadurch die Mieten immer weiter steigen. Schon jetzt liegen die Angebotsmieten, also die Mietpreise bei Neuverträgen, mit durchschnittlich 7,70 bis 8,40 Euro pro Quadratmeter knapp über dem hessischen Durchschnitt. Brisanter ist die Steigerung: „Von 2011 auf 2012 sind die Mieten um 5Prozent angestiegen.“ Immerhin deutlich mehr als die Inflationsrate von rund zwei Prozent beträgt.

Grafik 2: Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist hessenweit in Offenbach mit am höchsten.

Eine Kommune wie Offenbach müsse sich angesichts dieser Entwicklung, betonte VdW-Vorstandssprecher Dr. Rudolf Ridinger gestern bei der Vorstellung des Berichts, darauf einstellen, künftig die Angemessenheitsgrenze bei Wohnungszuschüssen entsprechend weiter erhöhen und damit noch mehr Geld ausgeben zu müssen. Denn je knapper das Angebot, desto höher die Preise. Entsprechend schwieriger fällt dann aber auch der Zugang zu bezahlbaren Wohnungen aus.

Beispiel Zwei-Personen-Bedarfsgemeinschaft

Eindrucksvoll ist dieses auf Frankfurt bezogene Beispiel, dem die Offenbacher Situation in nichts nachsteht: So lag der Mittelwert der Kaltmieten für Zwei-Personen-Bedarfsgemeinschaften im SGB II-Bezug im November 2012 bei knapp 400 Euro. Mit diesem Mietbetrag hätte eine Bedarfsgemeinschaft nur noch weniger als drei Prozent aller am freien Markt angebotenen Wohnungen mit zwei oder drei Zimmern neu anmieten können. Die Möglichkeit, eine solche Bleibe zu finden, ist innerhalb eines Jahres um mehr als 45 Prozent zurückgegangen.

Erfreulich ist da, dass die Preise für Eigentumswohnungen im Gegensatz zu Reihenhäusern (plus 7 Prozent) trotz wachsender Nachfrage nicht weiter gestiegen sind – im Landkreis dagegen um 4,5 Prozent (von 2010 auf 2011). Einfamilienhäuser sind in der Stadt gar um zehn Prozent günstiger geworden.

Schlafen wie im Märchen

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