Hohe Zahl der Flüchtlinge verschärft Situation

Wohnungsmarkt: Offenbach will von „Krise“ nichts wissen

+
Ein Bild von der Baustelle am Hafen in Offenbach.

Wiesbaden - Die schwarz-grüne Landesregierung hat sich viel vorgenommen. Sie will jetzt mit Förder- und Anreizprogrammen mehr bezahlbare Wohnungen in Hessen schaffen. Von Peter Schulte-Holtey

„Es ist unbestritten, dass es einen Mangel an Sozialwohnungen gibt“, sagte Ministerin Priska Hinz (Grüne) gestern. Dass sich die Situation auch die hohe Zahl der Flüchtlinge weiter verschärft, war zuletzt immer deutlicher geworden. „In Offenbach werden rund 580 Wohnungen für die Flüchtlinge, die in diesem Jahr kommen, zusätzlich gebraucht“, hat das Pestel-Instituts aus Hannover vorgerechnet. „Um eine handfeste Wohnungskrise zu vermeiden, muss dringend neuer Wohnraum her“, sagt Pestel-Institutsleiter Matthias Günther. Dabei gelte die Formel: 100 Flüchtlinge, die in die Stadt kommen, benötigen im Schnitt 40 Wohnungen. Auch in anderen Bereichen des Rhein-Main-Gebiets fehlen laut Günther hunderte Wohnungen für Flüchtlinge.

Widerspruch kommt aus dem Rathaus in Offenbach. „Es ist im momentan nicht vorherzusehen, wie viele Flüchtlinge sich in Zukunft in Offenbach niederlassen werden.“ Und derzeit erhalte die Stadt ja auch „keine Zuweisungen von dauerhaften Flüchtlingen“, heißt es. Dies werde bis 2017 so bleiben.

Lesen Sie dazu auch:

Projekt Kaiserleiquartier: Die Risiken vermindern

Masterplan: „Chancen, die es zu nutzen gilt“

Hafenquartier eröffnet

Zudem ist von einem „historischen Bauboom“ die Rede. „In den vergangenen fünf Jahren sind Wohnungen für mehr als 4 000 Menschen allein in größeren Bauvorhaben entstanden oder noch im Bau, weitere 1300 Wohnungen sind aktuell konkret geplant.“, so Stadt-Sprecher Fabian El Cheikh. 2014 sind nach seinen Angaben 137 Wohneinheiten und in der 1.  Jahreshälfte 131 fertiggestellt worden. „Dabei handelt es sich jedoch nur um die der Bauaufsicht zu diesem Zeitpunkt als fertiggestellt gemeldeten Wohneinheiten. Hierbei gibt es immer eine starke zeitliche Verzögerung, da viele Fertigstellungen erst sehr viel später angezeigt werden; demzufolge ist davon auszugehen, dass die Fertigstellungszahlen schließlich deutlich höher liegen“, fügt El Cheikh hinzu. Bis 2030 müssten laut sogenanntem Offenbach-Masterplan 8130 Wohneinheiten geschaffen werden.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Auch der Stadt-Sprecher räumt ein: Eine große Herausforderung ist die Schaffung bzw. der Erhalt von bezahlbarem Wohnraum. Der Handlungsspielraum für Offenbach sei aber aber sehr gering: „Im Wesentlichen können wir nur in Verhandlungen mit Investoren treten, wenn diese ein städtisches Grundstück kaufen möchten oder erst noch Baurecht auf einem Grundstück geschaffen werden muss.“

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion