Wohnungsnachfrage in Offenbach

Die Leitlinien anpassen

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Die Entwicklung des Wohnungsmarkts in Offenbach und Rhein-Main hat die örtliche SPD thematisiert. Sie führte ein halbes Dutzend Fachleute zu einem Podiumsgespräch zusammen. Wolfgang Hessenauer, Arvid Krüger, Marion Schmitz-Stadtfeld und Andreas Schneider diskutierten unter Gesprächsführung von Anton Jakob Weinberger mit Prof. Tobias Just und Michael Siebel über die Entwicklung des Wohnungsmarkts.

Offenbach - 17. 000 Zuzüge jährlich vermeldet Frankfurt, 3000 sind’s in Offenbach. Die Nachfrage nach Wohnraum ist hoch, überall wird gebaut. Doch steigende Mieten und eine Verknappung günstigen Wohnraums sind die Folgen der neuen Anziehungskraft – auch in Offenbach. Von Harald H. Richter

Ein halbes Dutzend Fachleute diskutiert darüber unter Gesprächsführung von Anton Jakob Weinberger auf Initiative der lokalen SPD.

Arvid Krüger, Institut für Stadtplanung der Universität Weimar, konstatiert: „Das Mietpreisspektrum hat sich erweitert. Wir unterscheiden zwischen billigem, üblichem, gehobenem und luxuriösem Wohnen.“ Quadratmeterpreise zwischen 5,40 und 10,75 Euro verdeutlichen die Bandbreite in Offenbach. Im prosperierenden Hafen stehen sogar bis zu 18 Euro zu Buche. Vermehrt würden große und komfortable Einheiten für junge Familien mit Kindern gebaut, um für sie die Großstadt attraktiv zu machen, hat er einen Trend ausgemacht. Das habe jedoch die Folge, dass sich die kleineren Wohnungen ebenfalls verteuerten und das Mietpreisniveau insgesamt steige.

„Familien wollen in Städte, deshalb brauchen wir auch weiterhin Neubauten“, ist Ökonom Prof. Tobias Just von der Universität Regensburg überzeugt. Freilich müssten Investoren mit einigermaßen vernünftigen Renditen rechnen dürfen, wenn sie Geld in die Hand nähmen, um die Situation am Wohnungsmarkt zu entkrampfen. „Wir haben es nicht mit üblen Heuschrecken zu tun, sondern mit verantwortungsbewussten Kaufleuten“, betont er.

2000 neue Wohnungen in Offenbach

Aktuell würden in Offenbach gut 2000 Wohnungen geschaffen, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Schneider. Sein Parteifreund Michael Siebel, wohnungspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, unterstreicht die Notwendigkeit, den Fokus nicht nur auf eine zuzugsbereite gehobene Mittelschicht zu lenken. „Wir müssen auch den kleinen Leuten bezahlbaren Wohnraum bieten können. Beides ist vernünftig.“ Als regulierendes Mittel seien der Kommune die Bebauungspläne an die Hand gegeben. „Darüber lässt sich einiges steuern.“ Auch die wohnungsbaupolitischen Leitlinien der Stadt könnten angepasst werden.

Allerdings hat sich in den vergangenen 20 Jahren die Situation erheblich verschoben, zum Nachteil des geförderten Wohnraums. Aktuell befinden sich in Offenbach nur noch 3500 Einheiten im Bestand, 1993 waren es 8500. Für den Vorsitzenden des Mieterbundes Hessen, Wolfgang Hessenauer, eine bedenkliche Entwicklung. „Die Stadt muss entscheiden, wohin sie will.“ Da steckt Offenbach in der Zwickmühle. Angesichts von Milliardenschulden unter den kommunalen Schutzschirm des Landes geschlüpft, darf sie nicht nach Belieben Mittel in den sozialen Wohnungsbau stecken, weil das gegen die Bestimmungen verstößt. „Gemeinsam mit anderen hessischen Städten in ähnlicher Lage sollte es aber gelingen, dem Land Korrekturen abzuringen und Ausnahmen im Schutzschirmgesetz herbeizuführen“, sagt Siebel.

Neuer Wohnraum dürfe jedoch nicht nur in Zentrumslagen entstehen, auch die Stadtteile seien attraktiv, empfiehlt Marion Schmitz-Stadtfeld, bei der Nassauischen Heimstätte zuständig für integrierte Stadtentwicklung. „Wir bemühen uns in Offenbach sehr um geeignete Grundstücke“, versichert sie. Der genossenschaftliche Wohnungsbaugedanke entbehre ebenfalls nicht eines gewissen Charmes. „Aber nicht nach Handlungsrezepten aus den 1950er-Jahren, sondern mittels einer modernen Anteilsfinanzierung“, rät Wolfgang Hessenauer.

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