DiscGolf

Gutes Gefühl für die Scheiben

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Wolfgang Kraus beim Training im Rüsselsheimer Ostpark.

Offenbach - „Ich hatte keine Ahnung, wusste bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal, dass es diese Sportart überhaupt gibt. “ Dennoch ließ sich Wolfgang Kraus vor etwas mehr als dreieinhalb Jahren von einem Freund überreden, mitzukommen in den Rüsselsheimer Ostpark. Von Holger Appel

Zum Training der „Scheibensucher“, zum DiscGolf. Der frühere Zweitliga-Profi der Offenbacher Kickers (15 Einsätze Anfang der 80er Jahre) nahm die Frisbee-Scheibe in die Hand, warf sie aus großer Distanz Richtung Korb und hatte gleich Erfolg. Der Auftakt einer guten Serie. „Das hat richtig Spaß gemacht, und dann kam bei mir der Ehrgeiz eines ehemaligen Leistungssportlers hinzu“, berichtet der 50-Jährige.

„Ich bin fast noch ein Neuling.“

Inzwischen trainiert er viermal die Woche mit der Wurfscheibe, belegte zuletzt den achten Platz bei der EM der Grandmaster in Colcester (England) und ist auch nach zehn Siegen bei zwölf Auftritten bei der German Tour nicht mehr zu stoppen. „Das EM-Ergebnis macht mich richtig stolz, denn viele Gegner betreiben diesen Sport seit fast 30 Jahren. Ich bin fast noch ein Neuling. Der Sieg bei der Deutschland-Tour ist ebenfalls fantastisch, darauf habe ich hingearbeitet“, sagt Kraus vor seinen letzten Turnieren des Jahres am Ostseestrand von Kellenhusen (29. September) und bei den Lichtwiesen Open in Darmstadt (10. November).

DiscGolf ähnelt von der Idee her dem traditionellen Golf. Im Gegensatz zu Schlägern und Bällen nutzen die Spieler aber Frisbeescheiben. Der Sport wurde in den 70er-Jahren in Amerika erfunden und teilt sich mit dem „normalen Golf“ das Ziel, möglichst jede Bahn mit der geringsten Anzahl von Schlägen ins Loch beziehungsweise Würfen bis zum Fangkorb zu spielen. Üblicherweise treten die Akteure in vorhandenen öffentlichen Grün- oder Sportanlagen an In Deutschland betreiben etwa 2000 DiscGolfer den Sport intensiv und werfen die Scheiben bei Turnieren um den Sieg. Sie werden in die Spielklassen Open, Woman sowie die Altersgruppen Juniors, Masters, Grandmasters und Seniorgrandmasters eingeteilt.

„Ähnlich wie beim normalen Golf spielt man mit anderen, aber vor allem gegen sich selbst. Man ist stets bemüht, seine Leistungen auf Anlagen zu verbessern, die man im Lauf der Zeit immer besser kennenlernt“, sagt Kraus. Er ergänzt: „Man benötigt eine vernünftige Koordination und ein gutes Gefühl für die Scheiben, um deren Flugbahn zu erahnen. Viel Training, großer Ehrgeiz und ein bisschen Talent sind für den Erfolg nötig. Das ist wie beim Fußball.“

Und dort ist er immerhin bis in die 2. Bundesliga vorgedrungen. Kraus begann mit dem Fußball bei der SKG Gräfenhausen, wechselte nach einigen Anfragen von Uwe Peterson im B-Jugendalter zu den Kickers. Insgesamt sieben Jahre spielte der Mittelfeldakteur am Bieberer Berg, stand beim Aufstieg in die Bundesliga 1983 im Kader. „Ich hatte damals die Wahl: Entweder nur noch Fußball mit dem Wissen, dass ich mich wohl nicht in der ersten Liga durchsetzen werde. Dazu hat meine Leistung einfach nicht gereicht. Das muss man klar sagen. Oder aber studieren und Fußball auf hohem Amateurniveau weiterspielen.“ Da er mit OFC-Trainer Lothar Buchmann nicht zurechtkam, fiel ihm die Entscheidung leicht.

Kraus, heute Bauingenieur in Trebur, wechselte zum TSV Uthpe in die Landesliga Nord und später zu Viktoria Sindlingen in die Hessenliga. Er ließ nach einer Knieverletzung seine Karriere als Spielertrainer beim TSV Trebur ausklingen. Inzwischen trainiert er die B-Jugend der JSG Trebur/Astheim. „Die Jungs müssen immer gut versorgt sein, wir wollen uns in der Gruppenliga etablieren. Deshalb kann ich auch nicht an allen DiscGolf-Turnieren teilnehmen“, sagt der verheiratete Vater zweier Teenager. Aber das muss er angesichts seiner Treffsicherheit mit den flachen Scheiben auch nicht mehr.

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