Wolken, Weite und Watt

+
Miriam Hüpenbecker mit einem ihrer Werke.

Offenbach - Wolken, Weite und Landschaft hält Miriam Hüpenbecker mit ihrer Kamera fest. Die Nordsee und das Wattenmeer haben es ihr als Motive angetan. Von Simone Weil

Ihre fotografischen Streifzüge haben ihr zahlreiche Impressionen von der sich durch die Gezeiten immer wieder verändernden Umgebung eingebracht. „Man muss zwei Wochen bleiben, um zu jeder Tageszeit mal Hochwasser zu haben“, erklärt die 28-Jährige.

Die menschenleere Küste ist für sie ein Kontrast und zugleich Ausgleich zu den Porträts, die für die gelernte Fotografin in einem Mühlheimer Studio zum Berufsalltag gehören. Dort nimmt sie Babys, Hochzeiten, Familie oder Einzelpersonen auf, die sie - eventuell auch bei Aktaufnahmen - sensibel in Szene setzt.

Öffnungszeiten: montags, mittwochs, freitags, jeweils zwischen 16.30 und 19.30 Uhr, außerdem nach persönlicher Terminvereinbarung unter der Nummer 0178/5005807.

Von klein auf verbrachte sie unzählige Urlaub mit den Eltern an der Nordsee. „Man muss ein Fahrrad haben und kräftige Oberschenkel, weil man eigentlich immer Gegenwind hat“, erzählt die Offenbacherin. Begeistert ist sie dort vor allem von dem ungewöhnlich klaren Licht, das sie im Rhein-Main-Gebiet nicht findet. Die flüchtige Schönheit, die sich in einer bestimmten Konstellation von Sonne, Wolken und Meer offenbart, will sie mit der Kamera festhalten. „Manchmal muss man aufpassen, dass es nicht zu kitschig wird“, erklärt die Fotografin fast entschuldigend den reizvollen Schnappschuss eines Sonnenuntergangs.

Bislang hat sie die Bilder, die im Wesentlichen die Natur oder auch Tiere zeigen, nur für sich, Freunde oder die Familie gemacht. Auch Makroaufnahmen einzelner Blüten und Blätter findet sie faszinierend wegen des komplizierten Aufbaus und der so präzise ausgetüftelten Struktur der Pflanzen. „Natur ist reizvoll und so komplex“, lautet denn auch die Erkenntnis des bekennenden „Naturfreaks“, in der ein bisschen von der Begeisterung mitschwingt, die Miriam Hüpenbecker gepackt hat.

Jetzt sollen ihre großformatigen Landschaften erstmals öffentlich gezeigt werden. „Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass die Bilder auch anderen Leuten gefallen könnten“, gesteht die junge Frau. Angeregt durch eine Freundin stellt sie ihre auf Leinen gedruckten Bilder in den Bieberer Räumen der MF Bau- und Verwaltungsgesellschaft an der Aschaffenburger Straße 30 aus. Groß ist ihre Freude, weil sie die Räume kostenlos nutzen darf.

Eröffnet wird die Präsentation am Sonntag, 24. Juli, 17 Uhr. Bis zum 7. August ist unter dem Motto „Fotografie trifft Fotokunst“ Reales und Surreales zu sehen. Zweiter im Bunde ist Dierk Eikelmann, der wie die Fotografin die Schillerschule besucht hat. Da beide die Fremdsprache Russisch gewählt hatten, lernten sie sich auf einer Reise in Offenbachs Partnerstadt Orjol kennen und freundeten sich an. Der junge Mann verweigert den gewöhnlichen Blick auf Offensichtliches und bekennt sich dazu, mit Fotografie Kunst machen zu wollen. Er glaubt, dass das wahre Leben nicht einfach vor der Haustür stattfindet, sondern hinter Vorhängen, Deutungen und Bedeutungen gesucht werden muss - seine Werke, bei denen er mit der Bearbeitung eine zweite Ebene hinter der Fotografie schafft, können Betrachter an die Bilder von René Magritte erinnern.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare