Umstrittene Heizstrahler

Stadt sucht Lösungen für Gaststätten in der kalten Jahreszeit: „Wollen keinen Viren-Inkubator“

Ungeliebt, aber unverzichtbar: Für Offenbacher Wirte bleiben Heizstrahler für die Außenbewirtschaftung gestattet.
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Heizstrahler sind gute Wärmequellen für den Außenbereich einer Gastronomie. Die Geräte sind jedoch umstritten.

Ungeliebt, aber unverzichtbar: Für Offenbacher Wirte bleiben Heizstrahler für die Außenbewirtschaftung gestattet.

Offenbach - In Frankfurt wollte man zu Jahresbeginn Heizpilze* per Verordnung aus Klimaschutzgründen aus dem Stadtbild verbannen – nun bleiben sie dort erlaubt. Doch nicht nur in der Nachbarstadt sind Gaststätten und Bars auf die umstrittenen Geräte angewiesen, um in der kalten Jahreszeit die Außenbewirtschaftung aufrecht zu halten.

Auch für die Offenbacher Wirte werden Heizpilze oder -strahler das Mittel der Wahl sein, um auch bei ungemütlichen Temperaturen Gäste empfangen zu können. Wie berichtet, beraten Stadt und Vertreter von Handel und Gaststätten momentan über ein Konjunkturpaket, um hiesige Arbeitsplätze zu sichern. Die Gastronomie im Winter nimmt dabei besonderen Raum ein.

Offenbach: Umstrittene Heizpilze - Wirte sind im Winter auf Geräte angewiesen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) erinnert daran, dass im Juli der Umsatz bei Gaststätten hessenweit ein Drittel unter dem Niveau von 2019 lag – trotz guten Wetters und vielen Menschen, die statt im Ausland in Deutschland ihren Urlaub verbracht haben. Gleichzeitig habe man die Beobachtung gemacht, dass die Gäste inzwischen aus Hygienegründen lieber im Freien Platz nehmen, was jedoch im Herbst und Winter zum Problem werde. Daher, so die IHK, müssen die erweiterten Außenflächen erlaubt bleiben und Heizpilze und Windschutzinstallationen aufgestellt werden dürfen.

Bürgermeister Peter Freier, als Ordnungsdezernent für die Außengastronomie zuständig, versteht die Sorgen der Wirte. „Wir beobachten eine gewisse Zurückhaltung der Gäste bei allen Innengastronomie-Angeboten“, sagt er unserer Zeitung. Als das schöne Wetter es erlaubte, seien daher Flächen im Außenbereich der Gaststätten sehr gefragt gewesen. Nun, da der Herbst einen Wetterumschwung mit sich bringt, sei über Lösungen für die Betreiber nachzugedenken.

Offenbach: Heizpilze als Wärmequelle für Gäste - Örtlichkeiten müssen gut belüftet werden

„Ökologisch gesehen ist es zwar alles andere als schön, aber wir müssen über Wärmequellen für Gäste nachdenken“, sagt Freier, „an Heizpilzen werden wir nicht herumkommen.“ Sein Amt werde jede Örtlichkeit genau prüfen, ob und wie eine Außenbewirtschaftung in den kommenden Monaten möglich sei. „Das betrifft längst nicht nur den Wilhelmsplatz, es geht um alle Angebote in unserer Stadt.“

Überdachung und Windschutz seien notwendig, damit die Wärme der Heizpilze auch die Gäste erreiche. Einige Stadtpolitiker wollten jüngst die Ergebnisse der Arbeitsgruppe nicht abwarten und waren mit eigenen Ideen vorgeprescht, so wurden etwa kleine Gewächshäuser als Räume zur Bewirtung im Freien vorgeschlagen. „Das muss alles sorgfältig geprüft werden – wichtig ist ja, dass die Örtlichkeiten gut belüftet sind: Ich habe nicht die Absicht, hier Viren-Inkubatoren aufzustellen“, sagt Freier. Da es zudem baurechtlich einiges zu beachten gebe, sieht der Ordnungsdezernent Zelte als sinnvollere Lösung. „Dafür haben schon einige Wirte Anträge gestellt.“

Allerdings müsse allen Beteiligten bewusst sein, dass Bewirtungsflächen im öffentlichen Raum nur eine Notlösung darstellen. „Man kann ein Zelt draußen nicht so gestalten als würde es sich um einen Innenraum handeln“, sagt Freier. Auch der Schutz der Anwohner müsse berücksichtigt werden.

Gastronomie in Offenbach: Stadt will Wirte unterstützen - Arbeitsgruppe tagt

Dennoch gebe es Verständnis für die Anliegen der Wirte und es sei Ziel des Magistrats, die hiesige Gastronomie zu unterstützen. Die zuständige Arbeitsgruppe tagt kommende Woche wieder. Oberbürgermeister Felix Schwenke hatte die Losung ausgegeben, dass bis spätestens Ende Oktober für die einzelnen Projekte des Konjunkturpakets Zeitpläne und Finanzierung stehen.

Was die Finanzierung anbelangt, gibt sich Freier, der als Kämmerer für die Stadtfinanzen zuständig ist, gelassen. Zwar werden voraussichtlich 24,8 Millionen Euro weniger an Gewerbesteuer anfallen als geplant, doch das Land habe schon angekündigt, die Stadt mit rund 23 Millionen Euro zu fördern. Im Stadtparlament wurde zudem darauf hingewiesen, dass Offenbach mit weiteren Zuweisungen rechnen könne. „Ein Konjunkturpaket in Höhe von fünf Millionen Euro, wie es Hanau macht, sehe ich für uns zwar nicht, aber wir werden alles tun, um unseren Handel zu unterstützen“, sagt der Kämmerer.

Ein Baustein zur Belebung der Innenstadt ist ebenfalls das von Klaus Kohlweyer vorgelegte Konzept für einen Weihnachtsmarkt unter Corona-Bedingungen. „Da wird gerade an Feinheiten gefeilt – das schaut sehr gut aus“, bekundet Freier. *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks (Von Frank Sommer)

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