Wollen und Können in der Innenstadt

Offenbach (mcr) ‐ Aufwändig herauszufinden, was Offenbacher haben wollen, erspart nicht den politischen Streit darüber, was Offenbacher haben können. Gut abzulesen war das an der Debatte, die im Stadtparlament um das Förderprogramm „Aktive Innenstadt“ entbrannte. Da überschlugen sich die Volksvertreter in ihrem Lob für konstruktive Vorschläge aus der Einwohnerschaft - und in ihrem Bedauern darüber, dass das ja gar nicht alles zu bezahlen sei.

Wie für so vieles, was die Stadt momentan anstößt, muss sie vor dem Griff in den Zuschusstopf von Bund und Ländern auch für die „Aktive Innenstadt“ eigenes Geld in die Hand nehmen. Diese sogenannten Komplementärmittel - in diesem Fall ein knappes Drittel von 14,75 Millionen, also gut 4 Millionen Euro - sind selbst auf die achtjährige Projektlaufzeit verteilt ein nahezu unverdaulicher Brocken für die Stadtkasse. Aus der dürfen, abgesehen vom Schulbau, jährlich nur 15 Millionen Euro investiert werden, sonst gibt es Ärger vom Regierungspräsidium.

Und dabei, da behauptet kein Volksvertreter das Gegenteil, wäre dem Offenbacher Zentrum so viel Gutes zu tun. Was genau, haben mit Hilfe wohlmeinender Institutionen wie der „Lokalen Agenda 21“ viele Bürger bei vielen Gelegenheiten zu Protokoll gegeben. Herausgekommen ist ein ziemlich langer Wunschzettel.

Städtebaulichert Wettbewerb

Den hat der Magistrat einerseits um Punkte wie ein Kommunales Kino erleichtert, das zwar gewollt, aber niemals für die geforderten 30 Jahre zu finanzieren wäre. Andererseits hat er Projekte ergänzt oder modifiziert, die auch schon lange vor der Chance auf Zuschüsse zu den stadtplanerischen Begehrlichkeiten zählten. Zuvorderst ist das die Umgestaltung von Marktplatz und Stadthof - wobei letzterer als erster an die Reihe kommen soll, weil dort die Sanierung der Tiefgarage kaum noch Aufschub duldet. Für beide Plätze wird, so hat es das Parlament beschlossen, ein „städtebaulicher Wettbewerb“ ausgelobt, um am Ende nicht wieder trübseliges Flickwerk, sondern eine auch in Sachen Verkehrslenkung attraktivere Innenstadt-Achse wie aus einem Guss zu bekommen. Die Wettbewerbe alleine kosten zusammen mehr als eine halbe Million Euro, von der Umsetzung ganz zu schweigen.

Hinzu sollen zunächst ein Kunstwettbewerb für den Karl-Carstens-Platz auf der Berliner Straße, ein Beitrag zur geplanten Veranstaltungsreihe „Kunst im öffentlichen Raum“ und einige Konzepte kommen - für Beleuchtung, für Gestaltungsvorschriften, für Fassadenverschönerung, für andere Plätze. Außerdem wird es wohl bald, für 60 000 Euro pro Jahr, einen „Kernbereichsmanager“ geben, der alles verknüpft.

Was am Ende tatsächlich über die Konzeptphase hinauskommt, wird von der künftigen Kassenlage abhängen. Schon das Geld für die am Donnerstag von der CDU teils abgelehnten Projekte muss an anderer Stelle gespart werden.

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