Workshop an Albert-Schweitzer-Schule

Junge Tüftler am Werk

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Ingenieure von morgen: Mit „Lego Mindstorms“-Baukästen bauten Schüler der Albert-Schweitzer-Schule kleine Roboter.

Offenbach - 16 Achtklässler der Albert-Schweitzer-Schule brachten bei einem Workshop aus dutzenden Bauteilen konstruierte Kleinroboter zum Laufen. Die Schule gehört zu einer von 54 Junior-Ingenieur-Akademien in Deutschland. Mit dem Schwanzwedeln klappt es beim Computerhund noch nicht. Von Harald H. Richter 

Der computergestützte Roboterhund legt sich scheinbar ermattet nieder, kurz darauf sind Geräusche zu vernehmen, die sich als Schnarchen deuten lassen. Anes Hadzik und sein Teampartner Jonas Dapp sind zufrieden. „Wie habt ihr das hinbekommen?“ will Lehrerin Eva Segeritz wissen und lässt sich erklären, was den aus Lego-Bausteinen zusammengesetzten Hightech-Vierbeiner so folgsam und gelehrig macht.

Im Technikraum der Albert-Schweitzer-Schule herrscht an diesem Samstagvormittag Betriebsamkeit, denn es sind konzentrierte junge Denker, Tüftler und Programmierer am Werk. Sechs Mädchen und zehn Jungen der achten Jahrgangsstufe haben sich zum Robotik-Workshop eingefunden, um unter Anleitung der Informatik-Lehrerinnen Eva Segeritz und Lea Wendisch ihre Technikbegeisterung in ergebnisorientiertes Teamwork umzumünzen. Sie erfahren, wie die Arbeitswelten von Ingenieuren, Wissenschaftlern und Forschern aussehen. Ziel ist es, die 13 und 14 Jahre alten Schüler für technische Berufsbilder zu begeistern, ihnen so den Übergang zur Hochschule zu erleichtern, aber auch ihre individuellen Kompetenzen frühzeitig und konsequent zu fördern. Schon im Unterricht haben sie sich intensiv mit der Aufgabenstellung befasst, um auch im Projektmanagement fit zu werden, ließen sich gar von IBM-Experten schulen.

Robotik steht am Anfang

Dass dies am Albert-Schweitzer-Gymnasium möglich ist, verdankt die Schule dem Umstand, bei einem von der Deutschen Telekom Stiftung ausgelobten bundesweiten Wettbewerb erfolgreich gewesen zu sein. Am Ende war die ASS als einzige Offenbacher Schule ins Programm der Junior-Ingenieur-Akademie aufgenommen und mit Unterstützung von 10.000 Euro belohnt worden. Derzeit umfasst das bundesweite JIA-Netzwerk 54 Schulen. Neben der ASS sind aus Hessen nur noch Bildungseinrichtungen in Witzenhausen, Kassel, Gießen und Frankfurt beteiligt.

Als Alleinstellungsmerkmale der Akademien gelten eine Kooperation von Schule, Wirtschaft beziehungsweise Wissenschaft und deren feste Verankerung im Unterrichtslehrplan. Die JIA ist ein zweijähriges technikorientiertes Wahlpflichtfach in der gymnasialen Mittelstufe. Anfangs stehen Grundbegriffe der Robotik auf dem Programm, aber auch arbeitsorganisatorische Aufgaben. Das geschieht in Teams aus jeweils zwei Schülern. Demnächst wollen die Achtklässler den Unternehmensbereich Robotics von ABB in Friedberg besuchen, um sich quasi beim großen Bruder einiges für ihre Mini-Objekte abzuschauen. Die erworbenen Kenntnisse werden im zweiten Halbjahr vertieft, wobei es dann auch um die Hardware und die Teilnahme an Wettbewerben geht. Außerdem soll ein ambitioniertes Vorhaben an die ASS geholt werden: die Roboter-Olympiade, ein internationale Kräftemessen von technikbegeisterten Jugendlichen. Zu Beginn des zweiten Projektjahres sind Software und Programmieren die Schwerpunkte. Im letzten Halbjahr wollen die Schüler die Projekte abschließen und dann in der Lage sein, bei der Erörterung ethischer Fragen zur Robotik über den Tellerrand hinaus zu schauen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg.

Tüfteln an Mini-Robotern

Das Konzept passt zur Schule, sind die Lehrerinnen Segeritz und Wendisch überzeugt. Als MINT-freundliche Schule hat die ASS einen Profilschwerpunkt in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Inzwischen das Fach Informatik durchgehend angeboten. „Zurzeit bereiten wir einen Leistungskurs vor“, verrät Wendisch.

An den Arbeitstischen tüfteln unterdessen die Schüler weiter an den Minirobotern der Generation EV 3. Die Schule hat vom Preisgeld acht „Lego Mindstorms“-Baukästen angeschafft, jeweils bestückt mit Komplettsets zur Konstruktion von beweglichen Hunden, Farbsortierern, Greifarmen und sogenannte Gyro Boys. Am Computer werden die Programme zur Steuerung der Miniroboter geschrieben und überwacht, dafür legt sich gerade Karim Harchaouen ins Zeug, während Teampartner Till Balon seinen praktischen Fertigkeiten vertraut. Beide können sich vorstellen, technische Berufe zu ergreifen. „Mir macht’s viel Spaß, es ist spannend und abwechslungsreich“, beschreibt Karim seine Eindrücke. Till pflichtet kopfnickend bei: „Solche technischen Herausforderungen sind auch mein Ding.“

Albert-Schweitzer-Schule feiert Abitur 2013

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An einem Nachbartisch fassen Sanije Bunjaki und ihr Klassenkamerad Can-Fabio Nasiri aus der 8a die Ergebnisse der bisherigen Workshop-Arbeit schriftlich zusammen. „Solche Dokumentationen sind wichtig und gehören dazu“, sagt Segeritz und verweist darauf, dass ihre Schützlinge noch vor den Weihnachtsferien den anderen Mitschülern ihre Projekte präsentieren wollen. Schon jetzt können sich die Resultate sehen lassen.

Nur mit dem Schwanzwedeln klappt es bei Anes‘ und Tills Roboterhund nicht. Tröstlich für die zwei Jungs, dass es nicht etwa an einer fehlerhaften Programmierung liegt, sondern schlichtweg daran, dass für den Zusammenbau des Lego-Wauwaus im Konstruktionsbaukasten schlicht keine Rute zu finden war.

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