Reif für den Ruhestand

Wu-Tang Clan: Schlappes Konzert in der Stadthalle

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Nicht mehr wie früher: Der legendäre Wu-Tang Clan enttäuscht beim Konzert in der Offenbacher Stadthalle.

Offenbach - Der Wu-Tang Clan, der mit seinem Album „36 Chambers“ 1993 den Hip-Hop quasi über Nacht auf links gedreht hat, ist mit seinem neuen Album „A Better Tomorrow“ auf Tour und machte nun auch Halt in der Offenbacher Stadthalle. Von Ronny Paul

Es war ein kurzes, knapp einstündiges Gastspiel der Hip-Hop-Ikonen, die einst das Genre und den Merchandise-Markt dominierten. Nachdem Ol’ Dirty Bastard 2004 an einem Herzinfarkt starb, waren’s nur noch neun. Aber auf der Bühne der Stadthalle sprangen und sangen nicht alle Clan-Mitglieder. Ärgerlich: Die Korsettstangen, RZA, Method Man, Raekwon und Ghostface Killah waren erst gar nicht gekommen. Die restlich Verbliebenen, Inspectah Deck, U-God, Masta Killa, GZA und Cappadonna verbreiteten in etwa das Flair einer Schlaftablette und verloren kein Wort darüber, warum die anderen fehlten.

Viele Zuschauer waren mit Vorfreude in die nicht komplett gefüllte Stadthalle gekommen. Ein gelbes „W“ prangte von der Kleidung jedes zweiten Besuchers. Die sogenannte Wu-Wear scheint sich immer noch gut zu verkaufen. Der Clan ließ lange auf sich warten. Als das Konzert endlich begonnen hatte, folgte eine Rückkopplungsorgie: Die Mikrofone fiepten um die Wette. Das störte die erste Konzerthälfte. Und wer die Texte nicht auswendig mitsprechen konnte, hatte denn auch Mühe, einzelne Worte zu verstehen. Ein einziger Stimmbrei war die Folge. So drohte die Stimmung zu kippen, als der Frontsound etwa eine Viertelstunde nach Konzertbeginn aussetzte und nur noch dumpfe Klänge von der Bühne zu hören waren. Das Publikum quittierte das mit Pfiffen.

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Mit „C.R.E.A.M.“ vom ersten Album erreichte das Konzert dann noch doch so etwas wie einen Höhepunkt, und das Gros der Menge wippte mit. Nur bei „Gravel Pit“ gegen Ende kam ähnlich gute Stimmung auf. Dazwischen: monotone Rapsalven, die uninspiriert und gelangweilt abgespult wurden. Es hatte den Anschein, als zerstöre die Band ihren legendären Ruf in Echtzeit.

Als das Konzert ohne Zugabe dafür aber mit Hinweis auf den „Merch-Stand“ endete, dämmerte wohl jedem, dass es dem Clan bei der Tour mit Ticketpreisen um die 50 Euro wohl vor allem um Absicherung des eigenen Ruhestands gegangen sein dürfte.

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