Ärger in der Weikertsblochstraße

Platanenwurzeln machen Anwohnern zu schaffen

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Trügerische Idylle: Anwohner der Weikertsblochstraße beklagen Kanalschäden durch sich ausbreitende Platanenwurzeln.

Offenbach - Wenn sich Baumwurzeln unterirdisch ihren Weg bahnen, stoßen sie innerstädtisch oft auf Gehwege oder Hausmauern, seltener jedoch auf das Verständnis von Fußgängern und Anwohnern. Von Jenny Bieniek 

Ob am Brunnenweg, an der Fritz-Remy-Straße oder am evangelischen Gemeindehaus in Waldhof: städtische Bäume und ihr sich hartnäckig ausbreitendes Wurzelwerk sorgen weiter für großen Ärger. Sie heben nicht nur Gehwegplatten an, sondern sorgen stehen auch im Verdacht, beträchtliche Schäden an Gebäuden anzurichten. Da die Stadt erst einmal die Ursache nicht anerkennt, haben oft Gerichte das letzte Wort.

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Aktuell beklagen auch Anwohner der Weikertsblochstraße größere Schäden. Reinhold Beck etwa musste nach eigenen Angaben bereits Wurzeln aus seinen Kanalrohren fräsen lassen. Kosten: Rund 500 Euro. „Wir hatten damals einen Rückstauschaden im Keller und im Erdgeschoss. Das Abwasser hat unsere alten Dielen kaputt gemacht. Es roch tagelang.“ Verantwortlich dafür macht er die städtischem Platanen vor seinem Haus.

Auch in seiner Nachbarschaft klagt man über diverse Schäden durch Baumwurzeln: Ein Anwohner registrierte welche in seiner Sauna und musste bereits sein Kanalrohr wegen eingedrungener Wurzeln sanieren lassen. Ein anderer beklagt, dass sich durch die Wurzeln Tore und Türpfosten angehoben hätten, was zu Problemen beim Schließen führe. Auch bei ihm musste das Kanalrohr erneuert werden, nachdem der Keller wegen armdicker Wurzelgeflechte in den Rohren immer wieder unter Wasser stand. „Die Probleme an der Weikertsblochstraße bestehen seit vielen Jahren. Und es geht immer weiter, weil nichts getan wird“, moniert Beck. Zwar verpflichte die Stadt Hauseigentümer dazu, ihre Abflussrohre in Ordnung zu halten, tue selbst aber nichts dafür. „Auf meine Anfrage hin kam ein halbes Jahr nichts. Im Rathaus stellt man sich tot“, klagt er. Er sieht sich im Stich gelassen. „Nicht allein, dass Eigentümer enorme finanzielle Belastungen tragen müssen, es wird uns darüber hinaus zugemutet, uns mit der Stadtverwaltung herumzuschlagen, was mit einem langem Atem verbunden ist.“

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Auch Uwe Stransky wartet noch immer auf den Stadtdienstleister ESO, nachdem man ihm auf eine schriftliche Beschwerde wegen angehobener Gehwegplatten hin telefonisch Abhilfe versprochen hatte. „Sollte im Winter Schnee fallen, ist die Räumung des Gehwegs nicht mehr sicher zu leisten“, so Stransky. Bei Anwohner Rainer Gack brauchte es drei Anläufe, bis der ESO die nötigen Rückschnitte an der Platane vor seinem Haus vornahm. Ihn beunruhigt zudem, dass die Wurzeln nahe einer Gasleitung wuchern. „Es muss immer erst etwas passieren, bevor die zuständigen Stellen reagieren“, klagt er. Bürgermeister Peter Schneider lässt diesen Vorwurf nicht gelten. Zwar sei der ESO verantwortlich für die Verkehrssicherungspflicht auf Gehwegen, für die Behebung von Wurzelschäden an Privathäusern gebe es jedoch bundesweit einheitliche Regeln. „Diese müssen beim ESO gemeldet und dann von Gutachtern geprüft werden“, so Schneider. Der ESO halte dafür ein bescheidenes Budget bereit.

Konkrete Zahlen dazu liefert ESO-Sprecher Oliver Gaksch. Es sei zu unterscheiden zwischen reinen Reklamationen und Schadensfällen. Seit 2010 seien davon sechs gemeldet worden, zwei davon würden noch abgewickelt. ESO-Service: Telefonnummer 8065-4545.

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