Wurzeln eines Weltläufigen

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Der gebürtige Offenbacher Heiner Frühauf, Experte für Traditionelle Chinesische Medizin mit Wohnsitz in Portland im US-Staat Oregon, ist derzeit zu Besuch in seiner Vaterstadt.

Offenbach ‐ Der Offenbacher Professor Dr. Heiner Frühauf (49) hat sein Haus an der amerikanischen Pazifikküste gebaut. Dort hat man eher Asien im Blick als den europäischen Kontinent im fernen Osten. Von Lothar R. Braun

Doch für diesen Offenbacher ist das genau die Mitte seiner Seelen-Landschaft, die vom alten Europa bis ins ältere China reicht. In diesen Tagen hält er sich wieder einmal in Offenbach auf, wo der einstige Leibniz-Abiturient aufgewachsen ist und noch immer in einem Umfeld aus Familienmitgliedern und Freunden wurzelt.

Frühauf entstammt einer Familie, aus der in Offenbach eine ganze Reihe von Ärzten hervorgegangen ist. Doch bevor er den Weg in die Medizin beschritt, drang er mit dem Studium der Sinologie erst einmal in die Tiefen der chinesischen Philosophie ein. Er reiste und lernte in China, stieß dabei auf uralte Heilmethoden, und irgendwann verknüpfte sich das mit der zunächst verdrängten, aber wohl doch ererbten Neigung zur Medizin.

Heute genießt Frühauf internationales Ansehen als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). In Portland im US-Staat Oregon unterhält er eine eigene Klinik für ganzheitliche Heilverfahren. Er publiziert, unterrichtet an einer Hochschule und bewegt sich als Vortragender auf drei Kontinenten. Wer sich mit TCM beschäftigt, komme an Heiner Frühauf nicht vorbei, liest man im Internet.

Vergangenen Sonntag ist der Weltläufige sozusagen an seiner Basis eingekehrt. Im Quartiersaal des Mehrgenerationenhauses an der Weikertsblochstraße, wo Heiners Mutter Heidi Evers lebt, versammelten sich Freunde und Mitglieder der weit verzweigten Frühauf-Sippe um den Professor, seine amerikanische Ehefrau Sharon und die mitgereisten drei Kinder.

Viele Studienjahre im Fernen Osten

Von Offenbach reist Frühauf zu Vortragsverpflichtungen in Wien und in der Schweiz. Er ist ein begehrter Wissensvermittler. Danach geht es zurück in die eigene Klinik bei Portland. Sie ist spezialisiert auf die ganzheitliche Behandlung chronischer und schwerer Krankheiten. An Oregon schätzt der Offenbacher die natürliche, unverdorbene Umwelt. Das Rhein-Main-Gebiet beispielsweise erscheint ihm da weitaus belasteter. Gleichwohl kann er sich vorstellen, irgendwann seinen Ruhestand in Offenbach zu erleben. „Hier ist meine Heimat,“ sagt er, „hier habe ich die ersten 19 Jahre meines Lebens verbracht. Und hier ist das Zentrum für alle Frühaufs, wo immer sie leben.“

„Die schönsten Jahre meines Lebens“ freilich verbindet er mit dem China der 80er Jahre, das noch weitgehend abgeschottet war. „Damals“, erzählt er, „kannte man fast noch jeden der wenigen Ausländer in diesem Riesenreich.“ Nicht zuletzt aber ist diese Erinnerung mit der amerikanischen Ehefrau verbunden. Beide haben einander in China kennengelernt.

Auch nach vielen Studienjahren im Fernen Osten fühlt sich Frühauf vor den alten chinesischen Weisheitslehren noch als ein Lernender. Sie zu durchdringen, das fülle ein Leben aus, meint er. Einer seiner Freunde sieht das so: „Heiner Frühauf denkt wie ein Chinese, handelt wie ein Amerikaner und fühlt wie ein Offenbacher.“ Das scheint eine nutzbringende Kombination zu sein.

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