„Yoga Souls“ bieten Kurse im Wohnzimmer an

Entspannung in sich selbst entdecken

Offenbach - In den Großstädten setzt sich Yoga als Sport immer mehr durch. Der ganzheitliche Ansatz kommt dabei nicht immer zur Geltung. Das wollen zwei Offenbacherinnen mit einem Netzwerk für bewussteres Leben ändern. Von Claus Wolfschlag 

Die beiden Yogalehrerinnen Loredana Boscarino und Roma Labuda hoffen, dass sie mit ihren „Yoga Souls“ ein Zentrum für ganzheitliches Leben erschaffen.

Eine kleine Gruppe junger Frauen hat am Bürgeler Ufer Picknickdecken ausgebreitet. Es wird gemeinsam gefrühstückt, geplaudert und gelacht. Dann beginnen zwei der jungen Damen eine Yoga-Stunde. Denn für Yoga braucht es nicht viel. Eine Matte und bequeme Kleidung reicht aus. Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) üben 2,6 Millionen Deutsche Yoga, Tendenz steigend. Auch Offenbach ist jetzt um ein weiteres Yogazentrum reicher. Die beiden Yogalehrerinnen Loredana Boscarino und Roma Labuda nennen sich die „Yoga-Souls“ und wollen in der Stadt ein ganzes Netzwerk für bewusstes Leben etablieren. Während die Yoginis (so werden die weiblichen Yogabetreibenden genannt) in die unterschiedlichen Haltungen (Asanas) gehen, schauen die Passanten neugierig. Boscarino und Labuda schauen hingegen aufmerksam, ob die Teilnehmer der Yogastunde die Haltungen richtig einnehmen.

Die beiden Frauen lernten sich 2003 während ihrer gemeinsamen Ausbildung bei der Lufthansa kennen. „Wir waren sehr materiell orientiert und auf die Karriere ausgerichtet“, erinnern sich die Freundinnen. Zum Yoga kamen sie, weil sie sich zunehmend antriebslos und erschöpft fühlten. „Ich war bei Ärzten und Physiotherapeuten“, erzählt Labuda. So richtig helfen konnte aber niemand. Dann riet ihr eine Osteopathin zum Yoga. Schnell waren beide von dem ganzheitlichen Ansatz der yogischen Philosophie, die ursprünglich aus Indien stammt, überzeugt und praktizierten seit dem regelmäßig. Im Januar 2014 entschlossen sich die Freundinnen, eine Ausbildung zum Yogalehrer zu machen. Dazu gingen sie in ein klosterähnliches Meditationszentrum (Ashram) im thailändischen Chiang Mai. „Yoga ist auch eine Lebenseinstellung. Mein Auto habe ich verkauft, bin in eine kleine Wohnung gezogen, verschwende nicht und achte auf gesunde Ernährung“, erzählt Boscarino.

Für die „Yoga Souls“ steht das rein sportliche Yoga, wie es in vielen Fitness-Studios gelehrt wird, nicht im Vordergrund. Zwar können die Übungen auch körperlich fordern, doch wichtiger ist den beiden die Vermittlung des ganzheitlichen Ansatzes. „Bei den Asanas geht es darum, in sich hinein zu hören, sich selbst zu spüren“, erklärt Roma Labuda. Skeptikern versuchen sie die Übungen physiologisch nahe zu bringen. So erklären sie etwa die wissenschaftlich nachweisbare Wirkung der Atmung auf das Nervensystem. Ziel ist also bewusst kein sportlicher Wettkampf, sondern das Eingehen auf den eigenen Körper und die Erlangung innerer Zufriedenheit.

Bilder: 5000 Yoga-Fans auf dem Times Square

Labuda und Boscarino wollen ein Netzwerk entwickeln, an dem auch Ärzte, Jugendarbeiter und Vereine teilhaben sollen. Die ersten Veranstaltungen der beiden Frauen waren schon erfolgreich. So finden seit März gut besuchte Workshops und Kurse im Yoga Soul Wohnzimmer, Bernardstraße 5a statt. Bei schönem Wetter wird auch mal im Büsing Park oder am Schultheisweiher praktiziert. „Wir bieten eine Plattform für Begegnungen“, sagt Roma Labuda. Das schließt auch ältere Menschen mit ein. Loredana Boscarino hat erst vor kurzem einen Kurs für Senioren übernommen: „Yoga stärkt das Selbstwertgefühl und hält auch im Alter fit.“ Weitere Informationen gibt es unter 015903557824 oder mit einer E-Mail an: yogasouls@freenet.de.

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