Yüksel D. vor Gericht

Auch in Handschellen stets bester Laune

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Ein Foto aus besseren Tagen: Yüksel D. (rechts) bei Eröffnung der Offenbacher Boutique im Jahre 2009 mit einem Geschäftspartner, der mit dem laufenden Prozess nichts zu tun hat.

Offenbach - Ja, er ist schon eine Frohnatur, der Yüksel D. Daran kann ein bisschen Gefängnis nichts ändern. Von Matthias Dahmer

Zumal es dem 44-Jährigen, der es – nur mit Socken bekleidet – durch einen 23-minütigen öffentlichkeitswirksamen Beischlaf mit dem längst verglühten Sternchen Gina-Lisa Lohfink zum regionalen D-Promi gebracht hat, dort in Darmstadt-Eberstadt offenbar an nichts fehlt.

„Natürlich habe ich eine Einzelzelle. Morgens mache ich immer Cardio-Training“, erzählt Yüksel. „Nur das Essen könnte besser sein, aber scheiß drauf.“ Begierig saugen Bekannte und Freunde aus der Bussi-Bussi-Szene das auf, was der „Party-König von Frankfurt“, wie die Bild-Zeitung ihn nennt, gestern vor Saal 111 am Amtsgericht Offenbach scherzend und in Handschellen von seinem Knastaufenthalt zu erzählen weiß. Zu 18 Monaten hat man den türkischen Staatsangehörigen vor kurzem wegen des Verstoßes gegen Bewährungsauflagen verdonnert.

„Scheiß drauf, nicht so wichtig“

Und seine treuesten Anhänger, die ihn gestern offenbar zu ersten Mal nach seinem Einrücken sehen, sorgen sich um ihn. „Die Schuhe für dich hab ich genehmigt bekommen, und ich schreibe auch deiner Mama“, sagt die gut gebaute Blondine mit den hochgesteckten Haaren und den Tattoos hinter den Ohren. Allein die Sache mit dem Fernseher in der Zelle haben die guten Freunde noch nicht zur Zufriedenheit von Yüksel D. geregelt. Aber: „Scheiß drauf, nicht so wichtig.“

Beim Austausch solch bedeutsamer Belanglosigkeiten in der Verhandlungspause vorm Schöffengericht wird fast zur Nebensache, warum der so nett plaudernde Sockenmann überhaupt für kurze Zeit raus durfte:

Betrug in sieben Fällen und zwei versuchte Taten wirft die Staatsanwaltschaft Yüksel D. vor, der Gesamtschaden belaufe sich auf 16 509,12 Euro. Die Taten sollen von Juni bis September 2010 in der mittlerweile nicht mehr existierenden Boutique „Go Gina“ an der Waldstraße 13 begangen worden sein. Yüksel D., der sich bei der Eröffnung pressewirksam als Besitzer feiern ließ, fungierte dort offiziell nur als Geschäftsführer. Angemeldet war der Laden auf einen Denis D. aus Sindelfingen. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen jedoch davon aus, dass der Angeklagte den Sindelfinger lediglich als Strohmann eingesetzt hat.

Gestohlene oder gefälschte Kreditkarten

Und so ist es nach Überzeugung der Strafverfolger gelaufen: Mit gestohlenen oder gefälschten Kreditkarten wurden in der Boutique Einkäufe jeweils zu Beträgen zwischen 1 000 und 3 000 Euro gebucht, ohne dass die Ware geflossen ist. So gingen unter anderem angeblich auf einen Schlag 35 Ray-Ban-Sonnenbrillen – Einzelpreis 90,22 Euro – über die Ladentheke. „Üblicherweise bewegten sich die einzelnen Umsätze eher im zweistelligen Bereich“, berichtet ein Beamter vom Betrugsdezernat als Zeuge. Die entsprechend hohen Beträge seien später in Offenbach oder in Heusenstamm, wo Yüksel D. zuletzt wohnte, vom Firmenkonto abgehoben worden.

Ins Visier der Ermittler war „Lohfinks lustiger Liebhaber“ („Focus“) geraten, weil gesondert verfolgte Kreditkartenbetrüger plauderten. Der als Zeuge geladene Polizeibeamter zitiert eine Aussage, wonach die Masche mit den geklauten oder gefälschten Karten auch bei „Go Gina“ durchgezogen werden sollte, die Täter aber davon Abstand genommen hätten, weil Yüksel D. dies habe allein machen wollen.

Nicht besonders kooperativ

Wie die Täter an die Daten von Geschädigten aus Paderborn, Berlin oder Köln kamen, wird in der Verhandlung nicht ganz klar. Teils habe es sich um „Postweg-Verluste“ gehandelt, teils seien Karten-Dubletten angefertigt worden. Auf jeden Fall hätten die Karteninhaber nicht sofort bemerken können, dass ihre Konten missbraucht wurden.

Yüksel D., der sich offenbar schon bei den polizeilichen Ermittlungen nicht besonders kooperativ gezeigt hatte, lässt gestern über seinen Frankfurter Verteidiger Uwe Lipphardt alles bestreiten: Er sei nicht Betreiber, sondern nur Geschäftsführer gewesen. Bei drei der missbräuchlichen Karten-Einsätze sei er gar nicht im Laden gewesen, und er habe zwar als Geschäftsführer Zugriff auf die Konten gehabt, die Buchführung habe aber in den Händen von Inhaber Denis D. gelegen.

Richter Manfred Beck wirft die Frage in den Saal, wer von den Beschäftigten in der Boutique von den Betrügereien hätte profitieren können, und kommt sogleich zu dem Schluss, dass dabei nur der Angeklagte oder der Geschäftsinhaber Denis D. in Frage kämen. Letzterer soll daher zwecks weiterer Aufklärung als Zeuge vorgeladen werden.

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