Zahl der Abbrecher reduzieren

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Lernen im Ledermuseum: Zu den Maßnahmen der Jugendhilfe gehören auch der „Besuch außerschulischer Lernorte“.

Offenbach - Mit dem neuen Schuljahr präsentieren städtisches Jugendamt und Staatliches Schulamt ein neues Konzept zur Betreuung von Schulabbrechern und Schulverweigerern. Von Matthias Dahmer

An allen Haupt- und Realschulen sowie allen Gesamtschulen in Offenbach greift künftig eine fallbezogene Schulsozialarbeit. Um die 200 Jugendliche werden pro Schuljahr von insgesamt 15 Fachkräften der Jugendhilfe betreut. Hinzu kommt ein aufgestocktes Lehrerkontigent gemäß dem Sozialindex, welcher der Stadt – allerdings für alle ihre Schulen – insgesamt 38 zusätzliche Pädagogen beschert.

Das neue Konzept mit dem Titel „Jugendhilfe an Schulen“ führt zusammen, was in den vergangenen Jahren bereits erfolgreich unter den verschiedensten Etikettierungen an Kooperation von Jugend- und Schulamt in Offenbach gelaufen ist.

512 000 Euro hat die Stadt pro Jahr dafür ausgeben. Hinzu kamen rund 38 000 Euro vom Land sowie ein im wesentlichen vom Bund getragenes Modellprogramm, mit dem vier Stellen finanziert wurden. Weil dieses Programm zum Jahresende ausläuft, die Gesamtzahl der Stellen aber gehalten werden soll, ist die Übernahme dieser Kosten durch die Kommune vorgesehen, was ab 2014 die jährliche Summe für Offenbach auf 725 000 Euro erhöhen wird.

Bürgermeister Peter Schneider, Jugendamtsleiter Hermann Dorenburg und Schulamts-Chef Peter Bieniußa sind sich einig in ihrer Einschätzung, dass die früher nicht selbstverständliche Kooperation von Schule und Jugendhilfe, zweier Einrichtungen mit zunächst unterschiedlicher Zielsetzung, in Offenbach schon seit Jahren beispielhaft funktioniert.

Ziel des neuen Konzepts ist, Kinder und Jugendliche, die in der Schule zu scheitern drohen, in der Schule zu halten und sie bis zu einem erfolgreichen Abschluss zu begleiten.

Roberto Priore, Leiter des Fachstelle Jugendhilfe-Schule beim Jugendamt, erläutert, wie das im Einzelfall künftig funktionieren soll: Nach der Diagnose erstellen Schule und Jugendhilfe einen Förderplan, der in der Regel auch das soziale Umfeld der Schüler, sprich die Familie, mit einbezieht. Je nach Fallgestaltung sind entweder eher zusätzliche schulische Angebote, wie Nachhilfe oder Hausaufgabenhilfe angesagt. Oder es gilt, das Sozialverhalten der Betroffenen zu verändern. Bei Schulverweigerern sind dabei unter Umständen auch „erlebnispädagogische Maßnahmen“, wie Segeln oder Klettern, vorgesehen.

Priore weiß etwa von einem 15-Jährigen zu berichten, den man dadurch in den Griff bekommen hat, dass man ihn mit der Erstellung einer Homepage betraut hat. In einem anderen Fall wurde ein Schulverweigerer so lange von einem Jugendhilfe-Mitarbeiter morgens von Zuhause abgeholt, bis er sich wieder in den Schulalltag integriert hatte und bereit für Nachhilfe war. Priore: „Der junge Mann hat mittlerweile seinen Realschulabschluss geschafft. Manchmal muss man halt Geduld haben.“ Der Fachstellen-Leiter verhehlt indes nicht: „Es gibt auch Jugendliche, die verschwinden einfach.“

Eine Sonderstellung innerhalb des Konzepts nimmt das seit März laufende Projekt „Scout“ ein, das mit zwei Vollzeitstellen weitergeführt wird. Bis zu einem Dutzend Siebt- und Achtklässler werden dabei für einen gewissen Zeitraum ganz von der Schule genommen, und im KJK Sandgasse dafür fit gemacht, weiter in die Schule zu gehen.

Mittelfristig soll das neue Konzept vor allem die Zahl jener Schüler minimieren, die die Schule ohne einen Hauptschulabschluss verlassen. An Bach-, Ernst-Reuter- und Mathildenschule werden deshalb jeweils etwa 50 Schüler pro Schuljahr gefördert, an der Edith-Stein-Schule sind es rund 30, an Geschwister-Scholl- und Schillerschule jeweils bis zu 15.

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