Zahl der Schüler ohne Deutschkenntnisse gestiegen

Vom Zuzug überrannt worden

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Offenbach - Es ist ein folgenreicher Aspekt des verstärken Zuzugs von Menschen vor allem aus Osteuropa: die wachsende Zahl von Kindern ohne Deutschkenntnisse, die an den Schulen unterrichtet werden müssen. Von Matthias Dahmer

Das erfordert die Einrichtung sogenannter Intensivklassen, für die wiederum vom Land Lehrkräfte und von den Kommunen Räumlichkeiten bereitzustellen sind. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) prangert jetzt für die Stadt Offenbach einen Engpass an: Mehr als 15 Migrantenkinder ohne Deutschkenntnisse, heißt es in einer Mitteilung, hätten seit Monaten keinen Unterricht. Die GEW will erfahren haben, dass das Staatliche Schulamt diesen Schülern der Sekundärstufe I (4. bis 10. Klasse) keine Beschulung habe ermöglichen können, weil es in den Intensivklassen keine Plätze mehr gegeben habe und für die Einrichtung einer neuen Klasse kein geeigneter Raum gefunden worden sei.

„So bleiben diese Schüler und Schülerinnen einfach zu Hause, obwohl auch sie ein Recht auf Bildung haben und der Schulpflicht unterliegen“, klagt Michael Köditz vom GEW-Kreisverband, der eine „schnellstmögliche Lösung des Problems“ fordert. „Die Zahlen stimmen so nicht“, kontert Birgitta Hedde, Vize-Chefin des Staatlichen Schulamts für Stadt und Kreis. Ein Kind stehe seit März auf der Warteliste, fünf Kinder seien es seit April und weitere fünf seit Mai. Sobald Plätze in den Intensivklassen der weiterführenden Schulen frei würden, kämen diese Kinder an die Reihe.

Hedde gibt zu bedenken: „Wir wurden vom Zuzug überrannt.“ In Zahlen: Geplant waren Anfang des Schuljahrs vier Intensivklassen, derzeit sind es 13. Die Zahl der sogenannten Seiteneinsteiger ohne Deutschkenntnisse stieg von 76 im September 2012 auf 215 (Stand Anfang Mai 2013). Die Welle hat offenbar auch das für die Lehrerzuweisung zuständige Land Hessen überrascht. Das Kultusministerium habe so nicht rechtzeitig die nötigen Mittel zur Verfügung stellen können, erläutert die stellvertretende Schulamtsleiterin. „Es ist vor allem ein Problem in der Stadt Offenbach“, verweist sie auf den Kreis, wo man zu den fünf geplanten Intensivklassen nur eine weitere habe einrichten müssen.

Ein wenig Entspannung erhofft sich Birgitta Hedde vom neuen Schuljahr. Nach den Ferien wechselten viele Schüler von den Intensivklassen in die Regelklassen, so dass Plätze frei würden. Das ist aber vermutlich nicht von Dauer: Wenn im nächsten Jahr die letzten Zuzugsbeschränkungen für Rumänen und Bulgaren wegfallen, sieht Hedde eine weitere Verschärfung des Problems voraus. Thomas Löhr, Leiter des Stadtschulamts, hat derweil damit zu kämpfen, Räume für die Intensivklassen zu finden. Mittlerweile seien die Klassen auf zahlreiche Schulen in der Stadt verteilt, für die Seiteneinsteiger habe man Fahrdienste organisiert, teilweise würden zum Beispiel Werkräume zu normalen Klassenzimmern unfunktioniert. „Wir improvisieren und hoffen, dass der Zuzug nicht weiter zunimmt“, sagt Thomas Löhr.

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