Weniger Taschendiebstähle

Langfingers langes Gesicht

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Die Zahl der Trick- und Taschendiebstähle ist dramatisch gestiegen. Für die Polizei heißt das: „Wir müssen uns noch stärker um den Schutz der Bürger, besonders der älteren, kümmern.“

Offenbach - Die Frage ist letztlich nicht zu klären: Lag es an der gemeinsamen Prävention oder am Umstand, dass das Schmuddelwetter weit weniger Besucher als erhofft in die Budengasse des Offenbacher Weihnachtsmarkts lockte? Von Martin Kuhn 

Unterm Strich steht, dass lediglich ein Taschendiebstahl bei der Polizei angezeigt wurde. „Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Verlust dieser Geldbörse im häuslichen Umfeld passiert ist“, räumt Holger Schwertfeger vom zuständigen Kommissariat 21 ein. Im Klartext heißt das: Für Taschendiebe könnte der Markt tatsächlich eine Nullnummer gewesen sein. Der Offenbacher Ordnungsdezernent Felix Schwenke wertet das als „schönen Erfolg der gemeinsamen Präventionsarbeit von Stadt und Polizei“. Die warnende Botschaft, in roten Lettern auf blauem Grund, war auf den Kärtchen klar formuliert: „Stopp – Vorsicht vor Taschendieben! Achten Sie auf Ihre Geldbörse!“ Die verteilten die „Stadtteilrundgänger“ des Quartiersmanagement rund um die Stände, an denen sich Gäste an Glühwein und mehr labten. Aber auch Polizei und Stadtpolizei zeigten verstärkte (Streifen-) Präsenz. Das alles ist Teil der „Kommunalen Prävention“, in der seit vier Jahren Polizei, Ordnungsamt und Quartiersmanagement bei „größeren Veranstaltungen“ eng zusammen arbeiten.

Seitdem hat sich auf Märkten die Häufigkeit von Taschendiebstählen deutlich reduziert, obwohl die gängige Regel unumstößlich steht: Je größer das Getümmel, umso leichteres Spiel für Langfinger. Das belegt die jährliche Statistik der Polizei, die Taschen- und Trickdiebstähle nicht aufschlüsselt. Warum das so ist, erklärt Polizeisprecher Michael Malkmus: „Es ist ein fließender Übergang. Der kleine Rempler im Vorbeigehen; die simple Frage nach dem Weg. Beides lenkt die Aufmerksamkeit ab und ist als Trick vor dem eigentlichen Diebstahl zu werten.“ Das nimmt offenbar zu. Gerade Trickbetrüger sowie Trick- und Taschendiebe haben ältere Mitbürger als ihren „Markt“ entdeckt, weiß die Kriminalpolizei. Die Zahlen dieses Deliktsfelds sind erheblich angestiegen und stellen ein Problemfeld dar. Nach 797 Fällen 2012 verzeichneten die Beamten zwölf Monate später bereits 1 214 Fälle – ein Anstieg um mehr als die Hälfte. Wohlgemerkt: Das sind lediglich die angezeigten Fälle... Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote von 16,6 auf 11 Prozent. Eine Auswertung des Polizeipräsidiums ergab, dass sich das Durchschnittsalter der Opfer beim Trickbetrug auf nahezu 70 Jahre belief.

Weihnachtsmärkte in Offenbach

Weihnachtsmärkte in Bieber, Bürgel und auf der Rosenhöhe

Dabei sind es immer wieder die gleichen Tricks, mit denen die geübten Langfinger leichte Beute machen. Geldbörsen oder Wertgegenstände, die in relativ leicht zugänglichen Taschen stecken, sind für die meist als Duo auftretenden Taschendiebe eine schnelle Beute. Daher sind auch die Ratschläge stets dieselben: Tragen Sie Geldbörsen oder Wertsachen dicht am Körper, am besten in einer der vorderen Hosentaschen. Nehmen Sie vorsichtshalber nur soviel Bargeld zum Einkaufen mit, wie Sie etwa fürs Bezahlen benötigen.

Weihnachtsmarkt in Offenbach

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