Wer zahlt für „Irritation“?

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Marcus Müller hat den maroden Bieberer Bahnhof gekauft. Eigentlich sollen hier seine Firma und Gastronomie einziehen. Doch vor Sanierung und Umbau steht der Streit um den Denkmalschutz.

Offenbach-Bieber - Einfache Frage, einfache Antwort: Muss ein denkmalgeschütztes Gebäude unter Denkmalschutzvorgaben saniert werden? Ja, klar, so steht‘s im Hessischen Denkmalschutzgesetz. Von Marcus Reinsch

Schwierige Frage, bisher keine finale Antwort: Darf die Gefoi GmbH, die den denkmalgeschützten Bieberer Bahnhof zum Jahreswechsel gekauft hat, von der Stadt die Mehrkosten für eine denkmalgerechte Sanierung des baufälligen Gemäuers verlangen?

Mehr Fotos vom maroden Bieberer Bahnhof:

Streit um Sanierung des Bieberer Bahnhofs

Marcus Müller - Chef der Gefoi GmbH und ihrer unternehmerischen Mutter, der Calwa IT-Services GmbH - ist sicher, dass das funktionieren wird. Entweder, indem Oberbürgermeister Horst Schneider die Sache innerhalb der ihm gesetzten Sechs-Wochen-Frist klärt. Oder eben vor Gericht. Argumente für den gesunden Menschenverstand hätte Müller durchaus. Denn Denkmalschützer, sagt er, haben ihm vor dem Kauf mehrfach erklärt, dass der Bahnhof nicht denkmalgeschützt sei. Ein wohl ebenso peinlicher wie fataler Irrtum.

Die Geschichte, wie sie Müller aufgeschrieben hat, beginnt schon 2005. Da wird die Idee geboren, dass die in Waldhof ansässige Calwa IT-Services GmbH den seit 2003 dem Verfall preisgegebenen Bieberer Bahnhof kaufen, zum Firmensitz umbauen und zum Gastronomiestandort umwidmen könnte. Das Interesse bei der Bahn ist schnell bekundet, das Gemäuer aber bereits an eine Investorengruppe verkauft. Nach deren Insolvenz kehrt es zurück in den Bahn-Bestand, soll dann von der Stadt vermarktet werden, was wiederum am Geldmangel zu scheitern droht, weshalb auch eine erneute Calwa-Offerte gelegen kommt.

Vor Sanierung und Umbau steht der Streit um den Denkmalschutz.

Anfang 2007, als der Kaufvertrag eigentlich unterschrieben werden könnte, kommt ein weiterer Investor ins Spiel, springt allerdings ab und ermöglicht Müller den dritten Anlauf. Im März 2008 herrscht Einigkeit über den Kaufpreis, im Mai scheint alles in Butter - doch im Juni fordert der Denkmalbeirat der Stadt den Denkmalstatus für den Bieberer Bahnhof. Müller interveniert bei der Stadt, bekommt keine Antwort, erfährt aber bei der Landesdenkmalpflege mündlich, dass das Ansinnen mit Schreiben vom 15. Juli 2008 negativ beschieden worden sei.

Zur Beruhigung taugt das nur kurz. Am 4. Dezember bekommt Müller einen telefonischen Hinweis, dass der Bahnhof doch in der Denkmalliste stehe - und zwar, wie sich bei näherer Recherche herausstellt, schon seit Jahren. Dass das Gemäuer nicht in der „Denkmaltopographie der Stadt Offenbach“ gelistet ist, erklärt wiederum das Landesdenkmalamt mit „einem redaktionellen Fehler“. Verbindlich sei aber ohnehin das Werk „Eisenbahn in Hessen“ aus dem Jahr 2005. Und da sei der Bieber-Bahnhof mit dem ausschlaggebenden „geflügelten Rad-Symbol“ gekennzeichnet. Bisherige Aussagen zum Status - eine „Irritation“.

Bahnhof konservieren, bis Irritationen ausgeräumt sind

Müller ist stinksauer. Aber er will es wissen und gründet zwecks Kauf des Bahnhofs die Gefoi GmbH - die „Gesellschaft für Offenbacher Irritationen“. Und die will nun nicht nur „das Bahnhofsgebäude so lange konservieren, bis zweifelsfrei alle Irritationen der zuständigen Ämter und Behörden abgebaut und restlos aufgeklärt sind“. Sie will auch vom Oberbürgermeister die verbindliche Auskunft, ob man sich zur Einweihung des mit städtischer Hilfe sanierten Bieberer Bahnhofs wiedersehen wird. Oder eben vor Gericht.

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