Zahmes Werben um Jungwähler

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„Wir gehen definitiv wählen“, sagen Stela Borbas (18, links) und Mareike Mc Keever (19). Was sie wählen wird, wusste Mareike schon vor der Debatte. „Meine Meinung hat sich jedoch hier gefestigt.“

Offenbach ‐ Ein wenig kontroverser dürfte es ruhig zugehen auf dem Podium. Stattdessen läuft es gestern in der Leibnizschule so wie häufig, wenn Wahlkämpfer auf Wähler treffen – oder in diesem Fall auf Jugendliche, von denen viele erst noch Wähler werden, wenn sie denn alt genug sind. Von Barbara Hoven

Sehr zahm sagen Offenbachs Kommunalpolitiker vor mehr als 400 Schülern ihre Sprüchlein auf. Es geht um Winterdienst und Schlaglöcher, um fehlende Radwege und dürftige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Vor allem aber geht es um die Frage, wie man Offenbach nach außen attraktiver machen könnte. Ausgewählt haben die Themen die Schüler des Politik- und Wirtschaftsleistungskurses der Jahrgangsstufe 12. In Eigenregie haben sie die Podiumsdiskussion auf die Beine gestellt, recherchiert und Vertreter der Parteien eingeladen.

Gekommen sind Gertrud Marx (SPD), Peter Freier (CDU), Oliver Stirböck (FDP), Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne), Fiona Merfert (Die Linke), Jürgen Lassig (Freie Wähler) und Grégory Engels (Piratenpartei). In der Hoffnung auf lebendige Diskussionen haben die Moderatoren Emel Boujattr und Leon Strauss viele Karteikarten mit Fragen parat. Die schriftliche politische Willensbekundung wird den beiden Gymnasiasten bei der Kommunalwahl am 27. März zwar noch versagt bleiben. Sie sind 17. Aber die Moderation stemmen sie schon mal mit Begeisterung, „aus politischem Interesse und weil´s Spaß macht“. Hemmungen, vor hunderten Mitschülern zu sprechen? Wozu denn? „Ich habe schon Erfahrung durch meine Tätigkeit im Kinder- und Jugendparlament“, sagt Emel Boujattr.

Angeregte Diskussion über Asphaltgebrösel

Ihr erstes Thema: Der Zustand der Straßen im Winter. Für viele Schüler und Lehrer sei es kompliziert gewesen, auf schlecht geräumten Nebenstraßen sicher zur Schule zu gelangen. Die Schüler fordern mehr Sicherheit durch Räumung, wollen Ideen von den Politikern. Als Antwort gibt´s Verweise auf gut geräumte Hauptstraßen.

Und die ersten von zahllosen Hinweisen auf Offenbachs leere Stadtkasse. Die passen natürlich auch bei den nächsten Themen, den Schlaglöchern etwa oder dem Mangel an Radwegen.

Doch was interessiert Schüler an Schlaglöchern? „Eine ganze Menge“, behauptet Rouven Kunitsch. Der Fachbereichsleiter hat die Zwölftklässler bei den Vorbereitungen zur Diskussion begleitet und gehört, wie angeregt sie über das Asphaltgebrösel diskutierten. „Alle fahren Fahrrad oder Auto, da begegnen sie den Problemen jeden Tag, nicht nur auf dem Weg zur Schule.“

Nicht alle von den Polit-Profis begeistert

Ob eine gründliche Sanierung nicht klüger wäre als die Lückenstopferei, fragen die Schüler. Die Antworten führen wieder in die Sackgasse Stadtkasse. Gertrud Marx (SPD) merkt an, dass Offenbach als Stadt, in der jedes dritte Kind in Armut lebe, das wenige Geld einfach an anderer Stellen dringender brauche. Dafür gibt´s spontanen Beifall.

Ansonsten sind nicht alle so begeistert davon, wie sich die Polit-Profis präsentieren. „Die haben nur drumrum geredet und kaum konkrete Antworten auf unsere Fragen gegeben“, beschwert sich Dennis Ortmüller, 18. Wählen gehen, ja, das werde er trotzdem. Und gebracht habe die Diskussion ihm auch etwas. Überraschende Erkenntnisse zum Beispiel über den Typ von der Piratenpartei. Der habe zwar weder einen bekannten Namen noch eine bekannte Partei vertreten, sei aber „sehr symphatisch und überzeugend“ gewesen.

Wie können bekannte Locations gerettet werden?

Absolut nicht überzeugt sind die Schüler von den Plänen, die „wenigen Locations, die auch Leute von außen nach Offenbach locken“, dicht zu machen. Ob und wie es möglich sei, den Hafen2 und den Beach-Club zu retten, wollen sie von den Politikern wissen. Die sind sich einig, dass die Publikumsmagnete rüber gerettet werden müssen ins neue Hafengebiet. Ein Patentrezept, wie das gehen könnte, hat aber niemand. „Jeder will den Hafen2 retten, aber alleine, ohne Geld von privaten Investoren, wird´s der Stadt nicht gelingen“, macht Peter Freier deutlich.

Am Ende sind Schüler wie Lehrer „inhaltlich weitgehend zufrieden“ mit der Diskussion. Die wird nicht die letzte ihrer Art in der Leibnizschule sein. Am 18. August sitzen hier die OB-Direktkandidaten auf dem Podium.

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