Zappa in der Provinz

Boerdners neuer Roman ist Lebensgefühl pur

Offenbach - Was passiert, wenn es einen langhaarigen Bürgerschreck wie Frank Zappa in die hessische Provinz des Jahres 1969 verschlägt? Diese Frage stellte sich Britta Boerdner und machte daraus „Am Tag, als Frank Z: in den Grünen Baum kam“ – ein Buch, das perfekt das Lebensgefühl der wilden 60er einfängt und mit viel Lokalkolorit aufwartet. Von Maren Cornils

Boerdner, in Fulda geboren, in Gelnhausen aufgewachsen, lässt ihren bei der Frankfurter Verlagsanstalt erschienenen Roman in Randstetten spielen, einem Dorfidyll in der Wetterau, wo die Aufbruchstimmung der Woodstock-Ära noch nicht angekommen ist. Da prallen Welten aufeinander: Frank Z. und die 17-jährige Evelyn alias Eve, der alles im Kaff zu muffig geworden ist und die danach lechzt, in die Ferne aufzubrechen.

Britta Boerdner J  Foto: Laura Gerlach (p)

Zu Gast im Offenbacher Buchladen am Markt, gesteht Boerdner im Gespräch mit Inhaberin Andrea Tuscher, was sie an dieser Konfrontation gereizt hat. „Ich fand es spannend, in dieser vibrierenden Zeit ein Dorf zu beschreiben, wo sie stillzustehen scheint.“ Und diesen Stillstand schildert die Autorin so überzeugend, dass es im Gespräch mit den Zuhörern viel Lob für die Authentizität gibt.

Viel Zeit hat sich Boerdner nicht nur genommen, um die Atmosphäre speziell im „Grünen Baum“, der Kneipe von Eves Mutter, bis ins Detail zu schildern. Auch die Personen sind sorgfältig skizziert. 15 Minuten lang dürfen die Zuhörer Franz Z.s Gedankenfluss aus der Perspektive des neutralen Erzählers verfolgen, seinen Abschied aus L.A., die Ankunft in Hessen und die Autopanne, die ihn in den „Grünen Baum“ führt.

Die Liebesgeschichte bleibt außen vor; dafür erfreuen sich die Zuhörer an Kleinigkeiten aus den 60ern. Der Jazzkeller in Frankfurt, die Oma, die sich weigert, „Hottentottenmusik“ in ihre Jukebox aufzunehmen, die ersten Perlonstrümpfe: All das beschreibt Boerdner mit leisem Humor und kritischer Distanz. Ein wunderbares Buch in der Tradition von Frank Witzels „Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969“.

Rubriklistenbild: © Agenturen

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