Viele fröhliche Kinderaugen

Zauberei beim Flüchtlingsfest im Achat-Plaza-Hotel

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Christian Perleth alias Zappalott verbindet Zauberei, Clownerie, Theater und Musik. Die jungen Gäste sind fasziniert.

Offenbach - Abwechslung vom Lageralltag: Am Samstag öffnete das Achat-Plaza-Hotel am Ernst-Griesheimer-Platz seine Halle für zweihundert Flüchtlingskinder, die in der Stadt vorerst untergekommen sind. Die Offenbacher Verkehrsbetriebe stellten Fahrer und Busse für den Transfer. Von Stefan Mangold 

Die Idee für das Fest kam Shams ul Haq vor ein paar Wochen, als er mit János Szücs zusammensaß, dem Direktor des Achat-Hotels. Shams ul Haq fragte ihn, ob es möglich sei, für einen Nachmittag hier Flüchtlinge zu bewirten und vor allem deren Kinder zu unterhalten. Der Hotel-Manager sagte zu. Der Tag reiht sich ein in die zahlreichen Aktivitäten der Stadtgesellschaft. Zur Erinnerung: In der Nacht zu Donnerstag, 24. September, trafen die ersten 365 Flüchtlinge in Offenbach ein. Seit Mitte Oktober dient eine Gewerbehalle am Kaiserlei als Außenstelle der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung als Unterkunft.

Der 40-Jährige Haq kann sich bestens in die hinein versetzen, die an diesem Samstag etwas schüchtern durch die Glastüre treten. Vor 25 Jahren machte er sich mit zwei Landsleuten von Pakistan auf den Weg nach Deutschland. „Mit Hilfe einer Schleuserbande“, erklärt der Offenbacher, der als 15-Jähriger der heimatlichen Armut entfloh und sich damals freute, schon nach wenigen Tagen Bundesrepublik in Bad Marienberg an der Realschule im Sprachkurs zu sitzen.

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Besonders mit Blick auf die Kinder, die gerade der Vorstellung des Zauber-Clowns Christian Perleth aus Würzburg lauschen, der sich als Zappalott vorstellt, sagt Haq, die Gesellschaft müsse sich vor allem um die jungen Ankömmlinge kümmern. „Sonst finden islamistische Rattenfänger den Kontakt“, warnt er eindringlich. Der Fernsehreporter sah sich vor kurzem für unsere Zeitung im Erstaufnahmelager am Kaiserlei verdeckt um und berichtete von der Alltagstristesse der Bewohner. Wie leicht Kinder eine Sprache lernen können, das veranschaulicht Zappalott, dessen clowneske Naivität beim Blick auf Neues sich bestens mit der Offenheit der kleinen Zuschauer mischt. Bei Zappalott wird klar, warum es Kindern so viel einfacher als ihren Eltern haben, sich in der fremden Landessprache schnell zu artikulieren. Mühelos bringt der Mann den Kleinen Vokabeln wie „Milch“, „Topf“, „laut“ und „leise“ bei. Bis Drei können alle ruck zuck zählen ...

Das Essen stellt das renommierte Hotel nicht. „Uns fehlen die Kapazitäten, halal (aus dem Arabischen übersetzt: erlaubt, zulässig, Anm. der Red.) zu kochen“, erklärt János Szücs. Shams ul Haq kennt jedoch Jamal Qaiser, der im Alter von acht Jahren mit den Eltern nach Deutschland kam und sich als Textilhändler wirtschaftlich gut entwickelte. Der Geschäftsmann übernahm die Kosten für das Buffet und schaut selbst vorbei.

Flüchtlingsunterkunft am Kaiserlei: Bilder

Neben weiteren Sponsoren engagieren sich die verschiedensten Gruppen. Mitglieder des Vereins Smiling Faces, der die Kita-Krippe Nimmersatt an der Bieberer Straße organisiert, bemalen Kindergesichter. Der Sozialpädagoge Dietrich Brockmann leitet den hoch frequentierten Stand, an dem Ernst-Reuter-Schülerinnen und Teilnehmerinnen des Projekts „Jugend stärken im Quartier“ Crêpes im Akkord backen.

Gläubige der Ahmadiyya-Gemeinde hatten Geschenke gesammelt, um sie an die Kinder zu verteilen. In Pakistan werden Ahmadiyya-Muslime von der sunnitischen Mehrheit verfolgt. „In Deutschland“, betonen Muhammad Yaqoob und Muhammad Saqib Khan, „herrscht im Miteinander ein wesentlich entspannteres Verhältnis“.

Ehrenamtliche Dolmetscher übersetzen die deutschen Ansprachen ins Arabische, ins pakistanische Urdu und in Farsi. In der persischen Sprache unterhalten sich auch viele Afghanen. Reinhard Knecht vom Referat Ehrenamt verspricht im Namen der Stadt, alles zu unternehmen, „damit sie Strapazen und Massaker hinter sich lassen können“.

Bilder: OFC-Chancencamp für Flüchtlinge

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