Kein Mord aus Heimtücke

Zehn Jahre Haft für tödliche Messerstiche in Offenbach

Darmstadt/Offenbach - Das Urteil ist gefallen: Nach einer tödlichen Messerstecherei in einer Bar in der Bieberer Straße muss der Angreifer Dzenan K. für zehn Jahre ins Gefängnis. Das entschied das Darmstädter Landgericht und blieb bei der Strafe deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

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Rückblick: Es ist der 1. September 2017, kurz nach Mitternacht. Der 28-jährige Dzenan K. ist aufgebracht. In seiner Stammkneipe „Moonlight“ an der Bieberer Straße musste er Beleidigungen und Schläge über sich ergehen lassen. Er blutet aus der Nase, fühlt sich in seiner Ehre verletzt. Vorausgegangen war ein Streit zwischen dem Bosnier und drei Serben um den Jugoslawienkrieg 1990. Obwohl die Auseinandersetzung beendet ist und die Streithähne vom Wirt aus der Kneipe geschmissen werden, kehrt der Bosnier noch einmal in die Bar zurück, sticht ohne Zögern zwei Mal mit einem Messer mit 8,5 Zentimeter langen Klinge auf Ivan S. ein, der als einziger aus dem Serben-Trio noch im „Moonlight“ weilt. Er trifft ihn in den Hals und in den Oberkörper. Der 34-Jährige stirbt noch am Tatort, Dzenan K. wird kurze Zeit später von der Polizei festgenommen.

Gestern fiel am Landgericht Darmstadt das Urteil: Dzenan K. muss wegen Totschlags zehn Jahren ins Gefängnis. Damit folgte die Kammer teilweise der Verteidigung, die auf Totschlag plädierte, aber maximal sieben Jahre Haft gefordert hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte die tödliche Attacke als „heimtückischen Mord“ bezeichnet und auf lebenslange Haft plädiert. Das Gericht ging davon aus, dass der geständige Angeklagte nach dem ersten Streit in die Bar zurückkehrte, weil er das Feld nicht räumen wollte. „Sie sind zurückgegangen, mit dem Messer in der Hand, weil Sie Ihr Mütchen kühlen wollten“, sagte der Vorsitzende Richter Volker Wagner in der Urteilsbegründung zu dem 29-Jährigen. Dass Dzenan K, in die Bar zurückgekehrt sei, weil er seine Tasche holen wollte, glaubte ihm das Gericht nicht.

Wagner erinnerte daran, dass die Bedienung am Tatabend in einer Zeugenaussage den Angeklagten schon nach dem ersten Streit mit den drei Serben mit einem Messer in der Toilette gesehen habe. Auch eine Stammkundin, die direkt neben dem Opfer saß, als der Bosnier zustach, gab an, dass der Angeklagte mit seiner Tasche in die Bar zurückgekehrt war. Zugunsten des Angeklagten, der wegen Raub und Körperverletzung bereits vorbestraft ist und unter Bewährung stand, wertete die Kammer, dass er zur Tatzeit um die zwei Promille Alkohol im Blut hatte. Strafmildernd wirkte sich ebenfalls aus, dass Dzenan K. geständig war und die Beamten in der Tatnacht noch Hinweise zum Messer geben konnte, dass er in die „Offenbach Hills“ geworfen hatte. (stm/dpa)

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Rubriklistenbild: © dpa

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