Supermarktleiter rettet Leben

In zehn Sekunden zum Helden

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Abdel Al Maimouni will sich nur schnell einen Kaffee holen, als er vor seinem

Offenbach - Diesen Tag wird der Leiter des Rewe-Supermarkts am Marktplatz wohl nicht so schnell vergessen. Es ist der Tag, an dem er vermutlich einem Mann das Leben rettet. Von Corinna Hiss

Das Drama ereignet sich am vergangenen Dienstag und zeigt einmal mehr, wie wichtig lebensrettende Sofortmaßnahmen sind. Und es unterstreicht, dass es Menschen braucht, die handeln – so wie Abdel Al Maimouni. Ein etwa 50-jähriger Mann bricht auf offener Straße zusammen. Doch statt zu helfen, schauen die umstehenden Passanten nur hin. Teils hilflos, teils neugierig. „Als ich den Mann auf dem Boden habe liegen sehen, bin ich sofort zu ihm gegangen“, berichtet Al Maimouni. Doch was er dann erkennt, lässt ihn erschrecken: Der Mann liegt leblos auf der Seite, aus dem Mundwinkel tropft Blut, er fängt langsam an, blau anzulaufen. Intuitiv fühlt der gebürtige Offenbacher den Puls an Handgelenk und Hals des Unbekannten – nichts. Dann sucht er nach Anzeichen von Atmung – ebenfalls nichts. „Ich dachte, der ist tot“, sagt Al Maimouni.

Trotzdem beginnt er eine Herz-Druck-Massage und Mund-zu-Mund-Beatmung. Den Notdienst hat er längst gerufen. „Das habe ich so lange gemacht, bis die Sanitäter kamen“, erzählt er. „Es waren nur wenige Minuten, aber gefühlt zehn Stunden!“ Al Maimounis schnelle Reaktion ist vorbildlich. Er ist der einzige, der beherzt handelt. Als er dann aber mit den lebensrettenden Maßnahmen beginnt, hat plötzlich jeder der Umstehenden einen guten Rat für ihn. „Die haben alle auf mich eingeredet, aber keiner von denen hat wirklich gehandelt“, wundert er sich. Mit seiner beherzten Tat setzt er sogar seine eigene Gesundheit aufs Spiel, da der Patient aus dem Mund blutet und er ihn beatmet. „Wer weiß, welche Krankheiten der hat. Aber das war in dem Moment uninteressant“, lässt Al Maimouni den Vorfall Revue passieren. Als die Sanitäter schließlich ankommen und die Lebensrettung fortsetzen, fällt alle Anspannung vom Marktleiter ab und er gewinnt die Zuversicht, dass er das Richtige getan hat. Zurück bleibt aber seine Frage: „Warum hat sonst keiner geholfen?“

Dieter Dänner, Ausbildungsleiter des Arbeiter-Samariter-Bundes Mittelhessen in Offenbach, versucht das Verhalten der Leute nachzuvollziehen: „So eine Situation kommt in der Regel sehr selten vor und die Menschen sind verunsichert, ob sie das Richtige tun.“ Der Ausbilder kennt die Scheu der Menschen vor Erster Hilfe. Doch gerade die könne in vielen Fällen Leben retten, da bei Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolien nur Sekunden oder Minuten über Leben und Tod entscheiden. Bis die Sanitäter eintreffen, verstreichen oft wertvolle Minuten. „Wenn jemand regungslos daliegt und keiner was tut, hat die Person keine Überlebenschance“, bringt es Dänner auf den Punkt. Zur Verunsicherung der Menschen komme noch hinzu, dass bei den meisten der letzte Erste-Hilfe-Kurs schon lange Zeit zurück liegt. Ein grober Fehler, wie Dänner findet: „Jeder sollte seine Kenntnisse auffrischen, das ist nicht zeitintensiv und kann im Zweifelsfall Leben retten.“

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Al Maimouni hat erst im vergangenen Jahr eine Ersthelfer-Schulung besucht. Sein Arbeitgeber macht dies wie viele andere Firmen auch verpflichtend für die Mitarbeiter. Alle zwei Jahre ist ein Kurs zu besuchen. „Theoretisch wusste ich also, was zu tun ist. Nur, dies an einer Puppe zu probieren oder an einem Menschen – das sind zwei Paar Schuhe“, sagt er. „Als ich mit den Wiederbelebungsversuchen angefangen habe, hat seine Rippe laut geknackt. Da ist mir schon ganz flau geworden!“ Dänner lobt ausdrücklich das Verhalten des Marktleiters. „Er hat absolut richtig reagiert. Und das ist auch unser Ziel beim ASB: Schnelles, zielgerichtetes Handeln in solchen Situationen zu vermitteln.“

Al Maimouni berichtet, dass noch Tage nach dem tragischen Zwischenfall viele Offenbacher zu ihm gekommen seien und ihn für sein unerschrockenes Verhalten gelobt haben. „Ich sehe mich aber nicht als Held“, gibt er sich bescheiden. „Im Prinzip habe ich doch nur das gemacht, was andere hoffentlich auch mal bei mir tun würden, wenn ich so daliege.“ Bleibt zu hoffen, dass noch viele weitere genauso denken.

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