Zehntausende Besucher waren in Einkaufslaune

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Beim verkaufsoffenen Sonntag zum Abschluss der Offenbacher Woche zeigte sich die Stadt gestern von ihrer besten Seite. Modenschauen, Live-Musik, eine Automeile und nicht zuletzt die Angebote in und vor den Geschäften lockten die Kundschaft an.

Offenbach ‐ „Einmal am Rhein...“ Er geht ein wenig unter im Strom der Besucher, der Mann mit seinem selbstgebauten Marionetten-Musiktheater zwischen Aliceplatz und Stadthof. Von Matthias Dahmer

Die, die kurz stehen bleiben, erkennen, mit wie viel Liebe zum Detail das Ganze geschaffen wurde. Allein: Das zweckfreie Flanieren mit viel, viel Muße, ist gestern nicht angesagt in der City. Und das liegt nicht an den Schauerwolken, die zum Glück nur selten den Himmel verdunkeln. Nein, der verkaufsoffen Sonntag der 15. Offenbacher Woche ist’s. Zehntausende lassen sich gestern nicht lange bitten. Sie und das bunte Angebot des Handels verwandeln die Innenstadt in ein Offenbach, wie man es gerne öfter hätte.

Was schleppend beginnt, entwickelt sich bis zur Halbzeit zu einem proppenvollen Fest, bei dem das Einkaufen eindeutig im Mittelpunkt steht. 14.30 Uhr: Bauchtanz vorm Bäcker, Modenschau beim Schneider - zeitweise ist kein Durchkommen mehr. So etwa wenn langbeinige Models in lila und weiß über den Laufsteg schweben, der Moderator den doch eher gewagten Bogen von der „Trendfarbe Khaki“ zur „Lust auf die WM in Südafrika“ schlägt.

Impressionen der Offenbacher Woche

Offenbacher Woche lockt Zehntausende

Mühelos gelingt indes das Nebeneinander von den Reggae-Klängen eines Bob Marley und dem Piepsen aus dem neuen Nintendo DS. Die Pavillons auf der Frankfurter machen es möglich. Sie schaffen vom Marktplatz bis zur Kaiserstraße fast durchgehend eine dann doch zum Stöbern einladende Basar-Atmosphäre. Das richtige Geschäft läuft aber bei den Platzhirschen. Zufriedene Mienen bei Kundschaft und Kassenpersonal künden etwa bei M.Schneider, bei den Läden im KOMM oder auch in der Galeria Kaufhof davon, dass Umsatz gemacht wird.

Eine kleine Kaffee-Verschnaufpause vom Shopping muss dann schon mal sein. Wie etwa bei dem Ehepaar aus Jügesheim, das auf einer Bank Platz genommen hat. Ja, sie waren schon erfolgreich, sagt er, während sie einen Latte macchiatto schlürft. Die beiden haben sogar die Bitten der Verkehrsplaner erhört und sind mit der S-Bahn zur Offenbacher Woche gefahren.

Nicht nur aus dem Kreis, auch aus Frankfurt zieht die große Stadtsause Leute an. Das KOMM hat es dem älteren Paar besonders angetan, gelobt wird unter anderem, wie sauber es in dem neuen Konsumtempel ist. Doch der Blick der einkaufserprobten Frankfurter hat sich offenbar auch über die eigentliche Feier-Meile hinaus gerichtet. In Sachen Attraktivität der Geschäfte, sagen sie, hat Offenbach gegenüber Darmstadt oder mittlerweile auch Hanau noch einiges aufzuholen. Nur eines ist für die Dame in Offenbach unverzichtbar: Der Besuch bei M.Schneider. Der muss mindestens einmal im Jahr sein, nicht auszudenken, wenn das Modehaus dicht machen würde, sagt sie.

Schnäppchenjäger sind im Zelt am Hugenottenplatz genau richtig

Drinnen glänzende Geschäfte, draußen glänzender Lack. Zumindest auf dem Aliceplatz. Mit dem Staubwedel fegt der grau-gewandete Verkäufer das letzte Staubkorn vom Blech, das Publikum zieht’s dann aber doch mehr zur Show der Oriental Academy auf der benachbarten Bühne.

Eine Zugnummer ist auch der Horst: Gegen 15 Uhr löst Oberbürgermeister Schneider seine Wette ein. 250 Offenbacher bringen mit ihm gemeinsam der dm-Drogerie in der Frankfurter ein Ständchen zum 25-Jährigen. Dafür gibt’s für drei Gruppen - Judo Club Samurai, Stadtgarde sowie Essen und Wärme - jeweils eine Spende vom Filialisten.

Schnäppchenjäger sind im Zelt am Hugenottenplatz genau richtig. Die städtischen Gesellschaften stellen ihre Arbeit und ihre Projekte vor, scharf sind die Besucher indes nicht auf Infos, sonder auf die kleinen Gratis-Geschenke. Feuerzeuge, Büromaterial alles geht weg wie warme Semmeln.

Unentbehrlich für die Kinder und irgendwie allgegenwärtig: Die Lufballons. Ob an Kinderwagen, in Papas Hand oder - weil nicht festgehalten - in der Luft. Die ist besonders am Stadthof erfüllt von entspannter Live-Musik, was zur nochmaligen Pause einlädt.

Versteckt und eher ein Geheimtipp: Der Hof des Musikhauses André. Jazz unterhält die Besucher abseits der Einkaufslaune. Ein Angebot wie das des Mannes vom Marionetten-Theater. Man entdeckt es nicht gleich, erst auf den zweiten Blick erschließt sich das Besondere.

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