Ein Zeichen der Erinnerung

Offenbach ‐ „Jakobsleiter“ nennt Ruben Talberg seine 13 bis 15 Meter hohe Skulptur, die er gerne auf dem Max-Willner-Platz errichten würde. Das Werk aus Stein, Stahl und Bronze soll die Stadt Offenbach keinen Cent kosten, denn der deutsch-israelische Künstler liefert einen privaten Geldgeber gleich mit. Von Simone Weil

Mit diesem Denkmal will der Maler und Bildhauer ein öffentliches Zeichen setzen gegen rechte Gewalt. Diese Idee kam ihm, nachdem die NPD im Dezember 2007 durch Offenbach marschieren durfte. Bei einer Fotoreise nach Auschwitz habe er dann einen Koffer mit einer Offenbacher Adresse und dem Namen Schönhof entdeckt, erzählt Talberg. Seine Recherchen ergaben, dass die deportierte Familie an der Ludwigstraße lebte, wo er heute sein Atelier hat, und davor an der Bismarckstraße wohnte - gegenüber seines früheren Ateliers. Für ihn sei das mehr als ein bloßer Zufall gewesen, gesteht der in Heidelberg geborenes Sohn jüdischer Eltern. Diese Parallelen hätten ihn darin bestärkt, eine Skulptur als Zeichen der Erinnerung und Mahnung gegen das Vergessen zu entwerfen.

Gerade als jüdischem Künstler, der in Offenbach lebe und arbeite, sei es ihm ein besonderes Anliegen, einen Platz mit einer solchen Großskulptur zu veredeln, der Max Willner, Ehrenbürger sowie Mitbegründer und langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, gewidmet ist, sagt Talberg.

Der international tätige Maler und Bildhauer, sieht dies als eine weitere Möglichkeit, am Image der einstigen Lederstadt zu feilen und Offenbach auf dem Weg zur Kreativstadt ein Stück voranzubringen. Stolz ist der 45-Jährige darauf, dass im kommenden Herbst eines seiner Werke bei Phillips de Pury & Company gehandelt wird, einem der weltweit führenden Auktionshäuser.

Skulptur als „echte Bereicherung für die Stadt“

Mit Oberbürgermeister Horst Schneider ist Talberg seit Monaten im Gespräch. Der Planung- und Kulturdezernent hält die Initiative für unterstützenswert und hat eine entsprechende Magistratsvorlage ausgearbeitet.

Der OB hofft, dass im Februar oder im März die Stadtverordnetenversammlung darüber befinden wird, ob die Jakobsleiter auf dem Max-Willner-Platz stehen soll oder nicht. „Es stünde unserer Stadt gut an, ein Werk eines international renommierten Künstlers gewissermaßen am Eingang zu haben“, meint Schneider.

Der Verwirklichung des Denkmals steht derzeit allerdings noch ein Beschluss im Weg. Sowohl Max-Willner- als auch Karl-Carstens-Platz sind in einen Wettbewerb eingebunden, in dem für beide Skulpturen gesucht werden. Zunächst also müsste der Willner-Platz aus dieser Ausschreibung herausgenommen werden. OB Schneider, der eine Talberg-Skulptur als eine echte Bereicherung für die Stadt begreift, will deswegen auf alle Fälle für breite Unterstützung werben.

Die Darstellung zeigt den Entwurf Ruben Talbergs für die Skulptur „Jakobsleiter“, die auf dem Max-Willner-Platz stehen soll.

Ruben Talberg lebt und arbeitet seit dem Jahr 2005 in Offenbach und hat sich mit der großzügigen „Talberg Factory“ an der Ludwigstraße ein Refugium und „eine Oase“ im Nordend geschaffen. Er erläutert die Idee, die hinter seinem mit unzähligen Zeichen bedeckten Obelisken steckt: Mit seiner Leiter bezieht er sich auf Jakobs Flucht aus Beersheba. Der spätere Patriarch träumt von Engeln, die auf einer Leiter von der Erde zum Himmel auf- und absteigen. Mit dem Objekt will er einerseits einen direkten Bezug zum Platz herstellen, anderseits seine bisherige Arbeit integrieren, die viel mit Alchemie sowie der jüdischen Geheimlehre und Mystik des Mittelalters zu tun hat. Weil die Zahl Sieben im Judentum für Vollkommenheit, Ganzheit und Fülle steht, zieren den Stein sieben Quer-Elemente. Etwa ein Jahr könnte die Arbeit an der Groß-Skulptur dauern, schätzt Talberg. Über die Kosten mag er sich nicht äußern.

Übrigens soll es bei der einen Skulptur an der Berliner Straße nicht bleiben: Der Bildhauer denkt gleich an drei mit einander korrespondierende Werke, die außer in Offenbach noch in Chicago und Shanghai stehen würden.

An beiden auswärtigen Standorten unterhält die „FrankfurtRheinMain GmbH International Marketing of the Region“, in der auch Offenbach Mitglied ist, ein Büro. So könnte die Stadt ihre Vorteile im regionalen und überregionalen Wettbewerb besser betonen, glaubt Talberg.

Wer sich schon mal mit seinen Arbeiten vertraut machen möchte: Am 11. März 2010 wird im Atelier an der Ludwigstraße 151 die Ausstellung „Durchkämmung“ eröffnet, die Objekte in Stahl sowie Fotos zeigt, die mit dem in Auschwitz gefundenen Koffer aus Offenbach zu tun haben.

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