Rückblick auf Peinlichkeiten

RTL zeichnet Comedy-Reihe im Capitol auf

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Gaby Köster

Offenbach - Man nehme populäre Unterhaltungskünstler, lasse sie in Stand-up-Manier in Erinnerungen schwelgen und garniere das Ganze mit Einspielfilmchen – fertig ist ein fernsehtaugliches Format für die werberelevante Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen.Von Harald H. Richter

RTL hat mit „Mein bestes Jahr – Comedy im Rückblick“ eine solche Showreihe zurechtgeschnitten und bietet für die Aufzeichnung der zweiten Staffel in Offenbachs Capitol die Spaßmacher Ingolf Lück, Dennis aus Hürth (Martin Klempnow), Gaby Köster und Martin Rütter auf. Sie kramen skurrile, unglaubliche Ereignisse ihres jeweiligen Lieblingsjahres hervor und ziehen Prominente durch den Kakao. Der 57-jährige Ingolf Lück, studierter Germanist, macht den Anfang und lenkt den Blick auf 1996, als Klonschaf „Dolly“ zu blöken begann, in England der Rinderwahn tobte und Deutschland bei der Fußball-EM Oliver Bierhoffs Golden Goal im Finale bejubelte. Im gleichen Jahr stieg die Arminia in die Bundesliga und der Bielefelder mit der SAT1-„Wochenshow“ zu einem der populärsten Komiker im Fernsehen auf. „Die Jüngeren werden es nicht wissen: Das war so etwas wie die ‚heute-show‘ mit mir als Oliver Welke“, ulkt Lück und fügt schelmisch hinzu: „Früher war manches besser.“

1996 sei auch ein Jahr der Entzweiung gewesen: Britanniens „Segelohr“-Prinz trennt sich von Diana, Dieter Bohlen von Verona Feldbusch, Take That ein erstes Mal. Lück holt mit Buffalo Boots und Basecap Modereliquien aus dem Kleiderschrank, schnallt sich Inline Skates unter die Füße und kurvt ungelenk über die polierte Capitol-Bühne. Die 550 Besucher begeistern sich für jedes Thema und beklatschen allerlei Peinlichkeiten, etwa einen trunkenen Boris Jelzin („der ist mir aber lieber als ein oberkörperfreier Wladimir Putin auf einem olympia-gedopten Pferd beim Erobern fremder Länder“). Martin Klempnow mimt am Abend darauf den Dennis, einen ganz normalen Berufsschüler aus Hürth, wo man einst Kohle mit der Kohle machte und sie den Menschen heute fehlt. Man kann ihn mögen, muss aber nicht. 500 begeisterte Zuhörer jedenfalls holen sich ihre Ladung Lach-Kicks ab.

Im wahren Leben wirbt Klempnow fürs Lesen und Schreiben lernen, möchte Betroffenen Mut machen. In seiner Comedy lenkt der 42-Jährige mit schrägen Anekdoten und Proll-Gehabe den Blick auf 2009, das Jahr von Abwrackprämie und Merkels Wiederwahl, arbeitet sich durchs RTL-Serienallerlei und lästert im aufgeplusterten Selbstgespräch über Stars und Sternchen, von denen manche längst wieder aus dem Showolymp geplumpst sind. Ein bisschen Gaga ist die Ereignisausbeute allemal, darum bleibt die gleichnamige Lady nicht unerwähnt. Im finalen Konfettiregen stimmt der Komödiant Michael Wendlers „Sie liebt den DJ“ an. Der Song stammt zwar schon von 2005, aber so genau nimmt man es wohl nicht beim Privatfernsehen.

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