Große Erfolge mit Zusatzangebot zum Schulsport / Programm auch an der Oswald-von-Nell-Breunig-Schule in Ober-Roden

Zeit für Bewegung ist immer und überall

Offenbach - Marcel hat mitgemacht. Den 17-jährigen sportbegeisterten Jungen hat schon lange geärgert, dass in der Schule nur zwei Stunden Sport pro Woche unterrichtet werden. Von Harald H. Richter

Dann aber gab es für ihn Gelegenheit, mit Gleichaltrigen zweier Klassenverbände an einem Studienprojekt teilzunehmen, bei dem über sechs Monate eine dritte Wochenstunde Sport angeboten wurde - bestehend aus Ausdauer-, Kraft- und Beweglichkeitstraining, kombiniert mit Sport- und Gesundheitstheorie. Die Ergebnisse verblüfften nicht nur ihn. Bei den Jugendlichen traten deutlich weniger Beweglichkeitseinschränkungen, Muskelverkürzungen und Muskelabschwächungen auf. Ein weiterer positiver Effekt war eine viel bessere Ausdauerleistungsfähigkeit. Alle 46 Schüler absolvierten einen Triathlon – auch die zunächst leistungsschwachen.

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Dr. Richard Eyermann, Kinder- und Jugendkardiologe, der das Projekt begleitet hat, bilanziert: „Drei Stunden Schulsport pro Woche können die Fitness von Kindern und Jugendlichen deutlich steigern. “ Vielerorts sieht die Schulsport-Realität aber anders aus. Fakt ist, bei zehn- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen hat die Fitness um fast 30 Prozent nachgelassen, verglichen mit Resultaten einer Vergleichserhebung aus den 1990er-Jahren. Und das, obwohl jeder zweite Jugendliche sich mehr Sport in der Schule wünscht, wie auch Marcel, der sich vor allem für Basketball begeistert. Die mangelnde Fitness von Kindern und Jugendlichen hängt damit zusammen, dass sich ihre Freizeitinteressen geändert haben. Fernsehen und Computerspiele reizen mehr als Fußball im Park oder Gummitwist auf der Straße.

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In Deutschland hat man inzwischen in weinigen Ländern reagiert. Nordrhein-Westfalen legte das Projekt „Tägliche Sportstunde“ für ausgewählte Grundschulen auf - mit dem Ziel, Bewegung, Spiel und Sport zu fördern. In Hessen wird ebenfalls einiges getan - sowohl an Grund- , als auch an weiterführenden Schulen. Das vom Kultusministerium angeschobene Programm „Schule & Gesundheit“ dient dem Einbau von Bewegungsangeboten in den Unterrichtsalltag über die Sport-Pflichtstundenzahl hinaus. Die Oswald-von-Nell-Breunig-Schule in Ober-Roden etwa strebt eine Teilzertifizierung als „bewegungsfördernde Schule“ an.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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