Zeit für einen Besuch im Zoo

+
Kerzen erhellen den Platz vor dem Rathaus. „1 Million Sterne – damit Kinder leben“ heißt die Aktion der Caritasverbände gegen Kinderarmut. 34 Prozent der Kinder in Offenbach sind auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Offenbach ‐ Lichtsterne, bestehend aus Tausenden von Kerzen, bringen Helligkeit in den dunklen Novemberabend, Kinder mit Laternen tummelten sich rund um den Stadthof. Von Veronika Szeherova

Denjenigen, die am Freitagabend durch die Innenstadt gehen, bietet sich ein besonderes Bild. „1 Million Sterne – damit Kinder leben“, nennt sich die Lichter- und Solidaritätsaktion der Caritasverbände im Bistum Mainz, die ein Stück St. Martinszauber und Hoffnung nach Offenbach bringt.

Die Aktion hat sich zum Ziel gesetzt, auf Kinderarmut überall in der Welt aufmerksam zu machen und dagegen vorzugehen. In sieben Städten des Bistums werden ab 17 Uhr Kerzen angezündet, durch die Stadt getragen und schließlich in Form des Flammenkreuzes der Caritas aufgestellt.

In Offenbach geht es in der vollbesetzten Kirche St. Paul los, wo „Torben´s Band, die Schulband der Marienschule, sogleich für tolle Stimmung sorgt. Der Lichterzug zum Rathaus entlockt manchem Passanten ein Lächeln, einige schließen sich spontan an. Im Stadthof ist schließlich eine Bühne aufgebaut, auf der die Gospelformation „Soul Saviors“ unter der Leitung von Peter Krausch die Menge den ganzen Abend über wohlklingend und abwechslungsreich begleitet. So ist der Abend eine gelungene Mischung aus Laternenumzug, Konzert und Charity.

Jedes dritte Kind in Offenbach lebt von Sozialgeld

Denn der eigentliche Sinn der Aktion wird nie aus den Augen gelassen. 34 Prozent der Kinder in Offenbach leben von Sozialgeld. Das ist jedes dritte Kind – keine gute Bilanz für die Stadt. Das sehen auch Oberbürgermeister Horst Schneider und Bürgermeisterin Birgit Simon so und versprechen, sich vor allem um Ganztagsschulen intensiv zu bemühen. „Die Stadt Offenbach tut jetzt schon sehr viel im Rahmen ihrer Möglichkeiten“, so Schneider, „aber ohne ehrenamtliche Hilfe und die Unterstützung der Kirchen geht es nicht.“

Wünsche werden vorgelesen, die Kinder bei der Hausaufgabenbetreuung der Caritas aufgeschrieben haben. Nichts Materielles wünschen sie sich, sondern Dinge wie mehr Zuwendung und Zeit von Seiten der Eltern und Lehrer, dass sie es in die Realschule schaffen, dass die Eltern ihre Streitigkeiten beenden oder dass man endlich gemeinsam in den Zoo geht. Auch auf dem Plakat, dass die Kinder entworfen haben und auf der Bühne zeigen, stehen Wünsche wie „Liebe und Freundschaft“, „eine Universität in Offenbach“ und „keine Armut“.

Der Erlös der Aktion kommt zu einem Teil brasilianischen Straßenkindern zugute, zum anderen Teil lokalen Caritasprojekten gegen Kinderarmut. In Offenbach wird das neue Projekt „Spielende Bewegung“ die Spendengelder erhalten. Die Caritas fordert unter anderem landesweit eine Anhebung der Kinderregelsätze bei Hartz IV, den Ausbau des Kinderzuschlags sowie den kostenfreien Zugang zu schulischen Bildungseinrichtungen. Als Ziele auf Bundesebene sieht sie die Priorität der Politik in der Bildung und in der materiellen Existenzsicherung von Familien. Auf kommunaler Ebene bedeutet dies den Ausbau der Ganztagsbetreuung, kostenfreie Verpflegung in Kitas und Schulen, sowie verstärkten bezahlbaren sozialen Wohnungsbau für Mehrkindfamilien.

„Die Mauern der Armut umwerfen“

Der Mainzer Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt und Dekan Michael Kunze sprechen ihren Dank aus für die gelungene Aktion, bei der sich so viele Offenbacher engagiert haben. 25 000 Streichholzbriefe in Postkartengröße sind bei der Aktion bistumsweit für eine Spende von drei Euro verteilt worden, allein 2000 davon in Offenbach. Auch die Caritasdirektorin Monika Stauder-Winter ist beeindruckt: „Ich bin so dankbar, dass hier alle zusammengekommen sind, um ein Zeichen zu setzen. Es ist wundervoll, und wir haben das in diesem Ausmaß gar nicht erwartet.“ Frank Mach, Leiter des Caritashauses St. Josef, freut sich sehr über die gezeigte Solidarität: „In Deutschland leben Menschen, die durch ihre Solidarität Mauern einreißen können, wie in der Vergangenheit bewiesen wurde. Vielleicht können wir irgendwann sogar die Mauern der Armut umwerfen.“

Der Höhepunkt der Aktion „1 Million Sterne – damit Kinder leben“ war dann am Samstagabend in Mainz, als der Dom mit 4 500 Kerzen illuminiert wurde. Außerdem wurden Bilder gezeigt von den Aktionen des Vortags, wobei Offenbach natürlich nicht gefehlt hat.

Kommentare